Dankeswort von Bischof Dr. Bertram Meier am Ende der Weihemesse
am Samstag, den 6. Juni 2020, im Hohen Dom zu Augsburg

Ich baue auf Euch! Ich brauche Euch!

06.06.2020 22:15

Am Ende dieses Gottesdienst bleibt mir nur ein kleines Wort: Danke! Dank sei Gott, der mich ins Leben gerufen hat, und meinen Eltern, die ihm dabei geholfen haben: Leider ist mein evangelischer Vater schon vor 30 Jahren gestorben – viel zu früh; umso mehr freut es mich, dass Du, liebe Mama, heute mitfeiern kannst.

Dank auch meiner Schwester Alexandra, die es sich nicht hat nehmen lassen, mit einem ihrer Söhne Raffael und dessen Verlobter Ophelie extra aus Paris anzureisen.

Vergelt’s Gott

  • jenen, die mich auf dem Weg zum Priestertum ermutigt und begleitet haben;
  • allen, die bis heute dafür sorgen, dass ich einfach Mensch bleiben darf;
  • Papst Franziskus – vertreten durch den Apostolischen Nuntius in Deutschland Erzbischof Nikola Eterovic – für das Vertrauen, das er durch diese Ernennung in mich und die ganze Diözese Augsburg setzt;
  • unserem Metropoliten und Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, für die Spendung der Bischofsweihe;
  • allen, die dazu beitragen, dass diese Feier unter den gegebenen Umständen zu einem Fest des Glaubens wurde. Bitte fühlen Sie sich alle eingeschlossen, die vorbereitet und mitgewirkt haben oder die einfach da sind, um Gott zu loben und zu preisen.

Besonders freue ich mich über die Präsenz der Gäste aus der Ökumene. Wir drehen uns ja nicht um uns selbst, wir müssen aus uns herausgehen – zu unseren Schwestern und Brüdern in den christlichen Kirchen ebenso wie hinein in die Weltkirche: Wir sind nicht schwäbisch-, fränkisch- oder bayerisch-katholisch, sondern römisch-katholisch. Global vernetzt und hoffentlich stark vor Ort. Dafür stehen auch die beiden Politiker Bundesminister Gerd Müller (global vernetzt, Katholik) und unser Ministerpräsident Markus Söder (stark vor Ort, evangelischer Christ). Ein Bischof sollte ins Gespräch kommen mit Leuten aus verschiedenen Segmenten der Gesellschaft, der Politik und Wirtschaft, der Wissenschaft und Kultur. Schön, dass Sie dabei sind – hier im Dom oder über Funk und Fernsehen! Wir haben uns entschieden, nicht länger zu warten, sondern zur Tat zu schreiten. Heute ist kein Maskenball, sondern ein Glaubensfest.

Die Frage liegt in der Luft: Wer wird Generalvikar? Kurze Antwort: Der alte wird der neue. Domkapitular Msgr. Harald Heinrich, der das Amt schon bei meinem Vorgänger Bischof Konrad Zdarsa ausgeübt hat. Lieber Bischof Konrad, herzliche Grüße gehen heute zu Dir nach Dresden! Danke für das Vertrauen, das Du mir während Deines bischöflichen Wirkens geschenkt hast. Auf diese Basis kann ich bauen.

Was ist ein Generalvikar? Er ist weniger General – die Kirche ist ja kein Kasernenhof - und mehr Vikar: allgemeiner Vertreter des Bischofs, also „zweiter Mann“ im Bistum. An der Seite des Bischofs moderiert er die Kurie. Er koordiniert die Verwaltung, vor allem auch das Personal, in Konformität zur Absicht und zum Willen des Bischofs. Schon in der Sedisvakanz haben Harald Heinrich und ich uns noch mehr kennen und schätzen gelernt. Das Tandem hat bestens funktioniert. So werden wir miteinander die nächsten Schritte gehen und das Wohl des Bistums stets im Auge behalten.

Ohne Zweifel steht diese Personalentscheidung zunächst für Kontinuität. Das heißt aber nicht, dass alles beim Alten bleibt. Das beginnt im Bischofshaus. Da wird künftig eine weitere Person tätig sein, die von ihrer Aufgabe her direkt dem Bischof zugeordnet ist und ihm den Rücken frei halten soll. Als „erste Frau“ wird eine Amtsleiterin dort die Geschäfte führen, das Sekretariat leiten und dem Bischofshaus auch nach außen Gewicht und Profil geben. Sie wird sich um Projekte und Veranstaltungen kümmern, die als Querschnitt in den innerkirchlichen sowie in den gesellschaftlichen Bereich ausstrahlen. Zur Amtsleiterin des Bischofs von Augsburg berufe ich zum 1. Juli Sr. Anna Schenck, Mitglied der Congregatio Jesu. Deren Gründerin Mary Ward hat den Satz geprägt: „Tue das Gute und tue es ganz!“ Ein schönes Motto für uns alle!

Wie ich nicht jeden Stein heben und neu einfügen werde im Haus der Kirche von Augsburg, so wenig dürfen wir uns zur Ruhe setzen, um einfach so weiterzumachen wie bisher. Ich will und werde nicht alles ändern; zugleich bin ich überzeugt – nach Corona umso mehr, dass wir an manchen Stellschrauben drehen sollten, dass auch Bewährtes neu justiert und aufgestellt werden muss. Schreiten wir voran, damit man uns nicht bescheinigt: Die sind im Guten verhärtet. Dafür wünsche ich mir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht bremsen, sondern mitziehen, die mobil sind und verfügbar. Kraft Taufe und Firmung betrifft das alle; doch gerade wir Priester haben dies am Weihealtar dem Bischof ausdrücklich in die Hand versprochen. Das war doch keine fromme Formel der Liturgie! Oder doch? Es zeigt sich, wenn die Probe aufs Exempel im Leben ansteht. Ich baue auf Euch! Ich brauche Euch!

Was mir ein bischöflicher Mitbruder, der mit mir am Germanicum studierte, zu meiner Ernennung schrieb, hat mich sehr bewegt. Ich will einen Auszug daraus vorlesen: „Ich beglückwünsche Dich zu dem großen Vertrauen, das Papst Franziskus in Dich setzt, und zu Deinem ‚Adsum‘ zu einer großen Aufgabe in nicht einfachen Zeiten! Du wirst künftig mit dem Krummstab in der Hand für manches ‚Krumme‘ in der Kirche geradestehen und so manches tragen und ertragen müssen, was die meisten Menschen nicht erahnen.“

Es stimmt: Oft ist ein Bischof umgeben von vielen Menschen. Aber manchmal kann er einsam und verlassen sein. Er muss auch allein sein können, um Menschen und Dinge bei sich und vor Gott zu erwägen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Von Herzen danke ich allen für ihr Kommen und bitte weiterhin ums Gebet, damit alles, was wir beginnen, bei Gott seinen Anfang nehme und einmal in ihm vollendet werde.