Geistliches Wort des Apostolischen Administrators Dr. Bertram Meier bei der 1. Maiandacht 2020

Rosenkranz: Ein Brennglas der Biographie Jesu

01.05.2020 19:00

Mitten im 1. Weltkrieg im Jahr 1916 hat König Ludwig III. von Bayern eine besondere Initiative ergriffen: Er wandte sich an Papst Benedikt XV. mit der Bitte, die Muttergottes zur Schutzfrau Bayerns erklären und ein eigenes Fest ihr zu Ehren einführen zu dürfen. Schon nach wenigen Wochen wurde vom Vatikan dieser Doppelbitte entsprochen. Bereits am 14. Mai 1916 konnte zum ersten Mal in München das Fest gefeiert werden. Ein Jahr später wurde es auf alle bayerischen Diözesen ausgeweitet. Die Freisinger Bischofskonferenz traf dann 1970 die Entscheidung, das Hochfest Patrona Bavariae auf den 1. Mai zu legen.

Erst kürzlich, am 25. April 2020, hat Papst Franziskus alle Gläubigen auf der ganzen Welt in einem persönlichen Brief eingeladen, angesichts der Corona-Krise das Rosenkranzgebet wieder zu entdecken und zu pflegen: „In diesem Monat ist es Brauch, den Rosenkranz zu Hause in der Familie zu beten. Die Einschränkungen der Pandemie haben uns gezwungen, den häuslichen Aspekt zur Geltung zu bringen, auch unter geistlichem Gesichtspunkt.“

Wenn wir im Marienmonat Mai auf Maria schauen und den Rosenkranz beten, dann bleiben wir nicht bei der Muttergottes stehen. Der Rosenkranz ist eine Kurzfassung des Evangeliums, eine Art Brennglas der Lebensgeschichte Jesu. Mit den Augen Marias nehmen wir einzelne Stationen des Lebens Jesu in den Blick. Dabei gehen wir weit über den historischen Jesus hinaus und schauen auf den auferstandenen und erhöhten Christus.

Das tun wir auch heute Abend in dieser Maiandacht. Wir werden Christus im Sakrament zu uns holen und ihn um seinen Segen bitten – ganz persönlich und für die ganze Welt, besonders für jene, denen durch Corona Schaden, Leid und Trauer zugemutet wird.