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Texte/Predigten

Predigt zur Priesterweihe in St. Sebastian 2018

28.10.2018

-         es gilt das gesprochene Wort

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Ehefrauen, Familien, Freunde und Verwandte unserer Weihekandidaten,
liebe Weihekandidaten für den priesterlichen Dienst!

In irgendeinem alten Gebets- und Gesangbuch der Pfarrgemeinde, aus der ich stamme, mag er vielleicht noch zu finden sein. Der Gebetszettel mit einem Gebet um geistliche Berufe, um Berufungen zum Priestertum der Kirche. Auf dem Außenteil das Bild eines Priesters am Altar mit der Hostie in der erhobenen Hand. Im Innenteil das Gebet, das von Papst Pius XII. verfasst worden ist. Jeden Samstag hat es unser Pfarrer zusammen mit den Gläubigen nach der Feier der Hl. Messe gebetet. An den weiteren Inhalt kann ich mich kaum noch erinnern, aber eines habe ich nicht vergessen: In einer Art Aufzählung wurde gebetet um die Berufung von Menschen verschiedenster, bisweilen sogar recht gegensätzlicher Herkunft. Und als gewissermaßen klassisches Beispiel der Berufung wurde dabei die Bekehrung des Apostels Paulus genannt.

Predigt bei der Weihe zum Ständigen Diakonat 2018

06.10.2018

-         es gilt das gesprochene Wort

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,

liebe Schwestern und Brüder in Christus,

liebe Ehefrauen, Verwandte und Freunde unserer Weihekandidaten,

liebe Kandidaten für die Weihe zum Ständigen Diakon unserer Kirche!

 

Was denn gerade das Thema sei im Volke, dem sie begegneten und mit dem sie zu tun hätten – und was denn sie gern als Thema setzen und dem Volke Gottes nahebringen möchten – das habe ich vor einigen Tagen die etwa 40 jungen Mitbrüder gefragt, die ich im Laufe der vergangenen Jahre habe zum Priester weihen dürfen, bevor wir das Abendgebet der Kirche gebetet und dann zum gemeinsamen festlichen Mahl zusammengetroffen waren. Sie können sich gewiss vorstellen, dass da recht unterschiedliche, durchaus von der Länge des bisherigen Dienstes abhängige Antworten gegeben wurden. Aber völlig unabhängig voneinander wurde auch die Zielstellung ihres Dienstes benannt, nämlich den Menschen Jesus Christus nahezubringen, sie mit Jesus Christus in Verbindung zu bringen und sie im Leben mit Jesus Christus zu stärken.

Predigt zum Hochfest des heiligen Ulrich 2018

12.07.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Am Hochfest des Hl. Ulrich – unseres Bistumsheiligen – lassen wir uns sagen:
Die Heiligen lenken unseren Blick auf den Himmel,
unser aller ewige Bestimmung
und zugleich darauf,
was das für unseren konkreten Alltag und unseren alltäglichen
Umgang miteinander bedeutet.
  
Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!
 
Als ich vor einiger Zeit – es war am Gedenktag des Heiligen Aloisius von Gonzaga – von den Mitgliedern der Bayerischen regionalen Kommission für die Ordnung des diözesanen Arbeitsrechts gebeten worden war, mit ihnen im Haus St. Ulrich die Hl. Messe zu feiern, sah ich mich natürlich auch vor die Aufgabe der Verkündigung gestellt. Und wenn das Wort des Hl. Dominikus wahr ist, dass ein Christ dort, wo er ist, predigt, erlaube ich mir einmal, die Fragen, die sich mir bei der Vorbereitung aufdrängten, auch an Sie weiterzugeben.
Was würden Sie wohl den Dienstgeber- und Dienstnehmervertretern sagen wollen, die miteinander über die Anwendung des kirchlichen Arbeitsrechts beraten?
Was würden Sie wohl denen sagen, die beauftragt sind, sich über tarifliche Ansprüche im kirchlichen Dienst zu verständigen?
Und was würden Sie wohl den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im kirchlichen Dienst am Gedenktag des Hl. Aloisius von Gonzaga verkünden wollen, der beinahe 500 Jahre vor unserer Zeit lebte, dem Adel entstammte und dennoch den geistlichen Stand einer eher arm zu nennenden Ordensgemeinschaft wählte?
Und was halten Sie überhaupt für die Botschaft eines Heiligen, der sich schließlich bei der Pflege Pestkranker infizierte und noch in jungen Jahren daran starb, angesichts der heutigen arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung von Dienstgebern und Dienstnehmervertretern, die vor allem auf ihren auskömmlichen und gerecht empfundenen Lebensunterhalt bedacht sind?

Predigt zur Priesterweihe 2018

25.06.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Eltern, Verwandte und Freunde unserer Kandidaten für den priesterlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus,

eigentlich hatte ich es nicht vor, diese Überschrift in meiner Ansprache zu erwähnen:
„Bischof weiht zwei Handwerker zu Priestern“ oder so ähnlich. Diese Überschrift der Katholischen Nachrichtenagentur hat mich nicht animiert, den nachfolgenden Bericht zu lesen. Bei der Priesterweihe von drei Diakonen konnte ich eine solche Überschrift nur als eine abträgliche Selektion, wenn nicht sogar als Versuch der Separation verstehen.

Vielleicht sollte es auch ein Hinweis auf den vorangegangenen Berufsweg zweier Weihekandidaten sein und überhaupt auf die unterschiedlich gestalteten Wege der künftigen Priester aufmerksam machen. Sei es, wie es sei.

Aber alle, die bisher zu Priestern geweiht worden sind und künftig geweiht werden, sind nicht etwa nur irdische Handwerker, sondern sie sind Arbeiter im Weinberg des Herrn. Sie sind Arbeiter, von denen unser Herr selber spricht im Evangelium und die auszusenden in seine Ernte wir den Herrn der Ernte bitten sollen.

Predigt zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi - Fronleichnam 2018

31.05.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

immer wieder muss ich an den jungen Mann zurückdenken, der beim Militärdienst in der katholischen Rhön eine junge Frau kennen- und lieben gelernt hatte. Er war offenbar nichts, wie man den Status solchen religiösen Bekenntnisses gelegentlich bezeichnet, vielleicht auch einmal getauft. Er hatte bei mir als Kaplan angerufen und gefragt, ob man sich umschreiben lassen könne, womit er das Katholischwerden meinte.

Ich verneinte das natürlich, insgeheim ein wenig erheitert über diesen Sprachgebrauch, lud ihn aber zugleich ein, mich doch einmal zu besuchen, damit wir miteinander sprechen und ich ihm etwas über den katholischen Glauben erzählen könnte. Darauf ging er dann auch mehrere Male ein.

Und immer wieder denke ich gern daran zurück. Nicht zuletzt heute auch deswegen, weil ich schon im ersten Jahr meines Priestertums von einer verborgenen Sehnsucht zu erfahren meinte, die freilich auf eine junge Liebe gegründet war. Und ich erfuhr, dass gerade ein junger Mann, der keineswegs kirchlich sozialisiert und schon gar nicht im katholischen Glauben beheimatet war, Fragen stellte, die mir als Priester haben das Herz aufgehen lassen und die ich gern beantwortet habe. In der Tat, der Unbedarfte, kirchlich nicht Sozialisierte stellte die besseren Fragen als mancher Katholik – eine Erfahrung, die ich oft genug von Mitbrüdern bestätigt bekommen habe.

Predigt zum Pfingstsonntag 2018

20.05.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Firmbewerberinnen und Firmbewerber!

„Wie wir denn unser Leben einer solchen anonymen Macht anvertrauen könnten“ – fragte der Armeeoffizier, der uns, die wir per Anhalter unterwegs waren, freundlicherweise mitgenommen hatte.
Wir hatten ihm gesagt, dass wir Theologie studierten, und er verwies mit seinen Fragen auf alle Widerfahrnisse, die mehr oder weniger auf die Frage hinausliefen, wie denn ein Gott all das zulassen könne.
Worauf ich ihm die fiktive Geschichte von dem Juwelier erzählte, der keineswegs ein Nazi oder Antisemit gewesen war, aber gemerkt hatte, dass sein Geschäft noch viel besser ging, nachdem die Nazihorden das Juweliergeschäft seines jüdischen Konkurrenten auf der gleichen Straße zerstört und seinen Inhaber umgebracht hatten. Als dann aber die Kriegsmaschine weiter um sich gegriffen hatte, und sein Sohn zum Militärdienst eingezogen worden war und schließlich doch eines Tages die bittere Nachricht aus Stalingrad eintraf, dass sein Sohn für Führer, Volk und Vaterland … – liebe Schwestern und Brüder, Sie wissen schon, wie das weiter ging – fing auch er an zu fragen und Vorwürfe zu machen genau in der Art, wie denn Gott das habe zulassen können. Erst jetzt war plötzlich offenbar Gott ins Spiel gekommen, erst jetzt bewegte ihn die Frage nach Leid und Tod, obwohl er doch schon Jahre zuvor damit konfrontiert worden war.

Predigt zur Diakonenweihe 2018

05.05.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Was verstehen Sie unter Diakonie? Was bedeutet für unsere Gemeinden und für uns ganz persönlich dieser Grundvollzug, Grunddienst der Kirche? Und wie sind wir selber daran beteiligt?

Am Ende des Erhebungsbogens, den die Pfarreiengemeinschaften lange vor der Bischöflichen Pastoralvisitation erhalten, wird nach dem Vollzug der christlichen Diakonie in der Seelsorgeeinheit gefragt. Befinden sich auf dem Pfarrgebiet caritative oder soziale Einrichtungen, kann mehr oder weniger darüber berichtet werden. Ist dies nicht der Fall, muss sich die Berichterstattung auf die pfarrlichen caritativen Aktivitäten beschränken. Dann sind es bisweilen bestehende Besucherdienste oder auch besondere Gratulationen zu runden Geburtstagen, die von wenigen Getreuen bei Alten und Kranken vorgenommen werden. Bisweilen wird lediglich auf die sogenannte Nachbarschaftshilfe verwiesen, manchmal beleben sich organisierte Caritas und pfarrliche Diakonie gegenseitig. Bei besonderen sozialen Aktionen wie bei der Flüchtlingshilfe, der Tafel oder einem Eine-Welt-Laden wird auch von ökumenisch oder bürgerschaftlich betriebenen Einrichtungen gesprochen, an denen sich einige katholische Christen aus der Gemeinde beteiligen. Ob es nicht eigentlich umgekehrt sein müsste? Dass sich die Leute aus der Bürgerschaft an den Einrichtungen zeitgemäßer Diakonie beteiligen, die von der Kirchgemeinde betrieben werden? Dürften Fragen, ob sich etwas rechnet, bei der Ausweitung gemeindlicher Caritas und Diakonie im Vordergrund stehen (die hauptsächlichen Kriterien bilden)? Wenn denn die Kirche im Dorf bleiben soll, dann muss sie es auch mit ihrer diakonischen Fürsorge sein. Wie auch immer: Insgesamt wird man wohl sagen können, dass auch die organisierte, institutionalisierte Caritas und Diakonie sich nur dann auf Dauer als christlich wirksame Kräfte erweisen können, wenn sie von der gelebten Diakonie in der Gemeinde begleitet und getragen werden. Gerade beim Grundvollzug christlicher Diakonie lassen sich Leben und Organisation gewiss nicht voneinander trennen. Und noch genauer wird die Diakonie als eine der Grunddienste der katholischen Kirche wesentlich davon abhängen, ob lebendige Menschen dafür zeichnen, einzelne Persönlichkeiten sich dafür bezeichnen lassen und zur Verfügung stehen.

Predigt zur Auferstehung des Herrn 2018 im Hohen Dom

01.04.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Meister, wo wohnst du? Das war die erste Frage, die die kommenden Jünger an den Herrn stellten.
Meister, wo wohnst du? Das ist die erste Frage von Menschen an den Menschensohn nach dem Evangelium des Johannes.
Das ist die erste Frage der Suchenden im Bericht des Johannesevangeliums von der Berufung der ersten Jünger. Und die Antwort Jesu ist einfach: keine Ortsangabe, keine Beschreibung, kein Name, sondern eine Aufforderung: Kommt und seht!

Als wir am ersten Fastensonntag die Zulassung von 30 Bewerbern zur Aufnahme in die Kirche und zu den Sakramenten der christlichen Initiation gefeiert haben, habe ich die Frauen und Männer gefragt, ob sie sich noch an den Augenblick erinnern können, an dem alles angefangen hat. Vielleicht war das nicht so punktuell festzumachen wie im Evangelium, aber doch ziemlich genau zu beschreiben.
Denn die, die Jesus zum ersten Mal begegnet sind, die sich von ihm haben fragen lassen, was sie wollen, konnten sich noch sehr genau an den Zeitpunkt erinnern, an dem er sie aufgefordert hat, zu kommen und zu sehen, und sie mit ihm gegangen sind und sahen, wo er wohnte, wenn der Evangelist notiert: Es war um die zehnte Stunde.
Auch die, die da um den Empfang der Sakramente der christlichen Initiation gebeten haben, haben irgendwann ein erstes Mal vom Glauben gehört, sind Menschen begegnet, die glauben, haben mit ihnen gesprochen und haben nach und nach begriffen, was Glauben ist, und das Geschenk des Glaubens mehr und mehr ergriffen.

Predigt zum Gründonnerstag 2018 im Hohen Dom

29.03.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Um König David das Vergehen des Ehebruchs mit der Frau seines Soldaten vorzuhalten, erzählt ihm der Prophet Nathan die Geschichte von dem reichen Mann, der es nicht über sich brachte, eines von seinen vielen Schafen oder Rindern herzu-nehmen, um es für seinen Besucher zur Speise zuzubereiten, sondern dem Armen sein einziges wohlgehegtes Lamm weg-nahm, um es zu schlachten und seinem Besucher als Speise vorzusetzen. „So wahr der Herr lebt,“ - brauste der König auf, „der Mann, der das getan hat, verdient den Tod.“ Worauf ihm der Prophet entgegnet: „Du bist der Mann.“  Die Größe Davids bestand schließlich in seiner Einsicht und seiner Fähigkeit zur Umkehr. Doch was bedeutet die vom Propheten klug eingesetzte und doch frei erfundene Geschichte vom wohlbehüteten Lamm des armen Mannes, um einen einzigen in der Heilsgeschichte noch so bedeutenden Patriarchen zur Umkehr zu bewegen, gegenüber der Botschaft von dem Lamm, das dem Volk Israel in der Paschafeier zu schlachten und zu essen aufgetragen war? Der Auszug aus dem Sklavenhaus Ägypten und die Rettung Israels beim Durchzug durch das Rote Meer sind zur Urerfahrung des Glaubens Israels geworden. Für uns aber sind die geschichtlichen Ereignisse am Roten Meer zum Wort des lebendigen Gottes in der Verkündigung dieses Hohen Donnerstags wie in der Feier der Osternacht, des Übergangs unseres Herrn vom Tod zum Leben, geworden. Ihr prophetischer Sinn und Charakter sind in der Feier vom Letzten Abendmahl unseres Herrn erfüllt und werden in jeder Feier der Eucharistie aufs Neue gegenwärtig. Ihre Feier bedeutet nicht etwa nur den rituellen Ausdruck eines religiös kultivierten Lebensstils, sondern ist Voraussetzung und Gründung, Medium und Stärkung der eigentlichen Bestimmung und letztendlichen Zielsetzung unseres irdischen Daseins.

Predigt zur Chrisam-Messe 2018 im Hohen Dom

28.03.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,liebe Firmbewerberinnen und Firmbewerber, liebe Schwestern und Brüder in Christus,

„Sie erleben jetzt eine historische Stunde. Denn ich werde nie mehr über das reden und von dem erzählen, über das zu reden Sie mich eingeladen haben.“

Mit diesen Worten oder wenigstens wörtlich mit dem ersten Satz habe ich nun schon wieder vor längerer Zeit meinen Vortrag eingeleitet, zu dem mich die Augsburger Katholische Hochschulgemeinde eingeladen hatte. Ich sollte darüber sprechen, wie ich seinerzeit den Fall der Berliner Mauer und die damit einhergehende Entwicklung erlebt habe.
Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe diesen Vorsatz nicht gehalten, habe das Vorhaben nicht ausgeführt, habe den Mund schlicht und einfach zu voll genommen.
Denn ich weiß nicht, wie viele Male ich inzwischen wieder und wieder über die damaligen Ereignisse gesprochen, wie oft ich von neuem davon erzählt habe. Ja, darüber sprechen und davon erzählen musste, weil ich bei den verschiedensten Anlässen immer wieder mit Menschen zusammengetroffen bin, die trotz aller medialen Verbreitung oder auch ganz einfach aufgrund ihrer noch jungen Jahre von all diesen Dingen nur sehr wenig oder überhaupt noch nichts gehört haben oder auch mittlerweile alles, was sie gewusst haben mögen, wieder vergessen haben. Und so ist es vielleicht gerade gegenwärtig erst recht geboten, jene geschichtlichen Ereignisse nicht dem Vergessen anheimzugeben und sich davor zu hüten, die hohe Brisanz des damaligen Geschehens etwa zu verharmlosen oder gar noch zu verklären, was da an Rechtlosigkeit und Unfreiheit überwunden worden ist.

Predigt zur Jahresschlussandacht 2017 im Hohen Dom

31.12.2017

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Schwestern und Brüder,

bei der Betrachtung des Gleichnisses unseres Herrn von den Arbeitern im Weinberg kommt mir eine Szene in den Sinn, die vielleicht auch manche von Ihnen schon öfter haben verfolgen können. Eine Szene von der Eröffnung eines großen Sportereignisses, eine Szene bei der Eröffnung eines großen Fußballländerspiels, eine Szene vom Finale einer Meisterschaft.

Da können wir es doch immer wieder sehen, wie die einzelnen Spieler aus der Kabine auf das Feld kommen, nacheinander, und jeder von ihnen führt ein Kind, einen Jungen oder auch ein Mädchen an der Hand. Das kann man zunächst einmal als gezielte und clever angesetzte Nachwuchsarbeit ansehen. Wir, die Erwachsenen. Aber die Kinder sehen das ganz bestimmt nicht zuerst unter einem solchen mehr oder weniger sportökonomischen Aspekt. Ich denke eher, die Kinder sind unwahrscheinlich stolz und überglücklich zugleich und werden das Geschehen ganz sicher nicht so schnell vergessen. Denn sie waren dabei. „Stell‘ dir vor,“ – so werden sie es vielleicht weitererzählen – „bei diesem Spiel hat mich doch ganz am Anfang der Fußballer des Jahres an die Hand genommen und mit aufs Feld geführt. Denk doch, der weltbeste Fußballer hat mich vor dem siegreichen Finale an der Hand auf das Spielfeld geführt. Und sie haben gewonnen! Und der mich geführt hat, hat das entscheidende Tor geschossen!“

Predigt zum Hochfest der Geburt des Herrn 2017

25.12.2017

- es gilt das gesprochene Wort

„Es geht ein Lied um die Welt, ein altes Lied, das immer wieder neu gesungen wird, dieses Lied von den Rosen, vom Glanz der Ringe, vom Tausch der Herzen, vom Anbruch neuen Lebens. Dieses Lied von den Wundern der Liebe.

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Sie wissen, was mit diesen Versen besungen wird: Die Liebe nämlich, besser, der Lebensbund der Liebe von einem Mann und einer Frau, der auf immer geschlossen wird. Der Lebensbund, den wir einzig und allein als den Bund der Ehe verstehen. Der begonnen hat an einem großen Tag, mit einer strahlenden Feier. Der der schönste Tag des Lebens sein sollte. Langfristig vorbereitet in allen möglichen Details. Er sollte einmalig und unvergesslich sein für alle irgendwie daran Beteiligten. Allzu hoch ist die Last, die in der Vorbereitung auf den künftigen Ehepartner zu liegen scheint. Nichts soll vergessen werden, kein Detail versäumt. Wenn möglich, die schönste Hochzeit aller Zeiten. Doch, das wissen wir ebenso, die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache, diese Statistik lügt nicht. Und nicht nur was die Feier angeht. Nein, vielmehr das, was doch eigentlich damit begründet, was damit angefangen werden sollte: Das lebenslange Miteinander in guten und in schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, wie das Versprechen lautet, das Eheleben, die Ehe halt, ewig, worin das Wort ja seinen sprachlichen Ursprung hat. Wir müssen das zur Kenntnis nehmen ohne alle Überlegenheit, noch den geringsten Hauch von Häme. Nein, das müssen wir da oder dort, müssen wir immer wieder leidvoll zur Kenntnis nehmen und möchten am liebsten gar nicht darüber reden. Denn wir sind immer selber davon betroffen, werden selber zutiefst getroffen und erschüttert, wenn, wo auch immer , aber erst recht bei denen, die uns nahestehen, die Treue versagt, die Liebe zerbricht, das Leben nicht gelingt.

Predigt zur Diakonenweihe 2017

07.10.2017

- es gilt das gesprochene Wort

 „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht. Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“ (vgl. Lk 10,23f)

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Kandidaten für die Weihe zum Ständigen Diakon!

Erst vor kurzem wieder bei einer der letzten Firmfeiern habe ich meine Ansprache mit dieser Seligpreisung unseres Herrn an die Jünger eingeleitet. Bei den Firmungen lege ich dieses Evangelium nach Lukas mit dem Jubelruf unseres Herrn zugrunde.
Heute aber wird es uns von der Leseordnung der Kirche vorgelegt:
Das Sakrament der Firmung und die Weihe zum Diakon unterscheiden sich durchaus nicht unwesentlich voneinander. Das bedeutet aber nicht, dass sie einander etwa nicht konsequent entsprechen. In ihrem tiefsten Grund aber entsprechen sie nicht nur einander, sondern sind einander gleich. Denn immer, wenn das Evangelium verkündet, die Sakramente der Kirche gespendet werden, spricht Jesus Christus, handelt an uns Jesus Christus, der auferstandene, der lebendige und zum Vater erhöhte Herr.

Predigt zum Pfingstsonntag 2017

04.06.2017

- es gilt das gesprochene Wort

„Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren! Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott." (Ruth 1,16)

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Firmbewerberinnen und Firmbewerber!

Schon vor mehr als 30 Jahren hat ein angesehenes demoskopisches Institut eine Umfrage über das Pfingstfest veranstaltet. Dabei ergab sich, dass 53% der Bürger in der Bundesrepublik Deutschland seine Bedeutung nicht kannten. Unter der jüngeren Generation waren es sogar nur 23%, die etwas über den religiösen Ursprung dieses Festes wussten. Sollte sich das heute etwa zum Besseren entwickelt haben?

Predigt zur Auferstehung des Herrn 2017 im Hohen Dom

16.04.2017

- es gilt das gesprochene Wort

Christus ist auferstanden!

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

mit diesem Aufruf begrüßen unsere orthodoxen Brüder und Schwestern einander nach der Feier der göttlichen Liturgie am Fest der Auferstehung des Herrn. Und antworten unmittelbar darauf:
Ja, er ist wahrhaft auferstanden.
Manch einer weiß vielleicht aus der Verfilmung eines Romans von Leo Tolstoi, dass zu diesem kurzen Dialog noch ein österlicher Kuss auf die Stirn des Begrüßten gehört.   

Predigt zum Gründonnerstag 2017 im Hohen Dom

13.04.2017

- es gilt das gesprochene Wort

In der Hingabe, mit der wir Eucharistie im Vertrauen auf die Gegenwart Christi feiern, liegt unsere Zukunft.

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Manche von Ihnen durften es vielleicht schon einmal miterleben: Die Feier der Hl. Osternacht im Petersdom zu Rom. Die Feier die daselbst zu spätabendlicher Stunde beginnt, weil sie nicht vor Sonnenuntergang begonnen und nicht nach Sonnenaufgang beendet werden soll; die Nachtwache, in der das Gottesvolk wachend und betend des Übergangs seines Herrn vom Tod zum Leben der Auferstehung gedenkt. Seinerzeit, das ist nun schon sehr lange her, sind wir in den nahezu stockdunkel gehaltenen Petersdom eingetreten, um die uns zugewiesenen, lange vorbestellten Plätze einzunehmen und uns betend auf die heilige Feier vorzubereiten.

Predigt zur Chrisam-Messe 2017 im Hohen Dom

12.04.2017

- es gilt das gesprochene Wort

Christus repräsentieren und in persona Christi handeln, das bedeutet, sich im Gewohnten seiner Sendung bewusst zu bleiben und seinen Auftrag zu erfüllen.

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus, meine lieben Firmbewerberinnen und Firmbewerber!

Daran werde ich mich wohl immer wieder lebhaft erinnern. Wie Papst Johannes Paul II. nach langem Krankenlager aufgrund seiner lebensbedrohlichen Verletzungen bei jenem Attentat auf dem Petersplatz seine wöchentlichen Audienzen wieder aufnahm: Die piazza dei protomartiri zwischen Petersdom und unserem Kolleg am Campo Santo war wie leergefegt. Nur der weiße Jeep stand da. Bis der Papst mit seinem Dienstwagen vorfuhr und sich anschickte, den Jeep zu besteigen. Noch heute sehe ich vor mir, wie er, nachdem er das Papamobil erklommen hatte, in der Mitte stehend sichtlich entschlossen die rechte Hand auf den Querholm des Fahrzeugs legte, das sich nun langsam dem Petersplatz entgegen bewegte.

Predigt zur Jahresschlussandacht 2016 im Hohen Dom

31.12.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Schon in früheren Zeiten, solange wir uns erinnern können, war es am letzten Tag des Jahres üblich und guter Brauch, Rückschau zu halten auch in der Kirche auf das gottesdienstliche und pastorale Geschehen in den einzelnen Gemeinden ebenso wie in einem ganzen Bistum. Mit der Schließung der Heiligen Pforte am Ende des vergangenen Kirchenjahres, des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, haben auch wir das getan. Die heutigen Medien machen es jedem von uns noch viel leichter, sich wiederholt darüber zu informieren und zurückzuerinnern. Unser ganz persönliches Leben und geistlicher Fortschritt sind aber nur sehr bedingt mit einem solchen Rückblick auf das bürgerliche wie das Kirchenjahr zu bilanzieren. Aber in einem größeren Zusammenhang unter einem weiteren Bogen vollzieht sich das geistliche Leben jedes einzelnen Gläubigen ebenso wie das Leben der Kirche.

Predigt zum Hochfest der Geburt des Herrn 2016

25.12.2016

- es gilt das gesprochene Wort

„Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande, wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren! Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen, wärst auf Daunen weich gebettet worden.“

Und so geht es dann sieben Strophen lang weiter mit dem, wie sie das Kind aufgenommen, was sie ihm alles geschenkt und zu essen gegeben hätten. Kurzum, was sie dem Kind alles an Gutem getan und wie sie sogar ihren Lebenswandel gebessert hätten, wenn nur das Kind nicht im elenden Betlehem, sondern bei ihnen, im Kaschubenland geboren worden wäre.

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Wenn überhaupt, so werden wohl kaum viele unter uns sein, die wissen, wo das Kaschubenland zu finden ist geschweige denn dieses kaschubische Weihnachtslied von Werner Bergengruen kennen. Ich muss gestehen, dass auch ich bis vor wenigen Tagen nicht wusste, wo ich das Kaschubenland verorten sollte und habe es bestenfalls im Baltikum nicht aber im nördlichen Polen, südöstlich vom ehemaligen Danzig angesiedelt. Wenn wir aber diese einfältige Logik schon auf uns im mittleren Europa übertragen wollen, müssten wir dann nicht sogar fragen, ob dieses Kind überhaupt geboren worden wäre, wenn es nur nach den Menschen gegangen wäre? Und wenn schon, ob es denn mit seiner Entwicklung und seinem Auftreten eine viel längere Lebenserwartung hätte haben können als der, dessen Geburtstag wir heute feiern?

Predigt zur Altarweihe im Hohen Dom zu Augsburg 2016

09.10.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Erst vor wenigen Wochen haben wir es gefeiert: Das Fest Kreuzerhöhung. Ursprünglich war es ein Begleitfest am 14. September zum Kirchweihfest der Doppelbasilika, die Kaiser Konstantin nach der Auffindung des Kreuzes Christi durch eine Hl. Land-Expedition der Kaiserin Helena auf dem Golgotahügel hatte errichten lassen. Am Tag der Kirchweihe hielt der Bischof von Jerusalem die große Kreuzreliquie hoch und zeigte sie dem Volk zur Verehrung. Dieses Begleitfest überflügelte bald das ursprüngliche Kirchweihfest und zählte im byzantinischen Kalender zu den zwölf Hochfesten. Später brachte man das Fest auch in Verbindung mit der Wiedergewinnung des heiligen Kreuzes durch Kaiser Heraklius im Jahre 628, der das Kreuz feierlich an seinen Platz in Jerusalem zurückbrachte, nachdem es in einem unglücklichen Krieg an die Perser verlo-rengegangen war. Wir wissen sehr wohl, was der ersten Festfeier von Kreuzerhöhung am 14.09. des Jahres 335 etwa 20 Jahre zuvor vorangegangen war. Wie uns aus der römischen Geschichte berichtet wird, hatte Konstantin, bevor er Kaiser wurde, bei der Milvischen Brücke zu Rom eine entscheidende Schlacht zu schlagen. Er gewann sie, wie es heißt, weil er auf den Schilden und Standarten seiner Soldaten das Christusmonogramm Chi-Rho (☧), von manchen fälschlicherweise als PAX bezeichnet, hatte anbringen lassen. „In hoc signo vinces“ – in diesem Zeichen wirst du siegen – sei ihm zuvor im Traum signalisiert worden.