Texte & Predigten

17.04.2019 16:15 - es gilt das gesprochene Wort: Liebe Schwestern und Brüder in Christus, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, in seinem spirituellen Tagebuch aus der Wüste „Lebensspuren im Sand“ stellt Andreas Knapp vom Orden der „Kleinen Brüder vom Evangelium“ im Rahmen einer biblischen Betrachtung die Frage: „Ist Religion eine Art von Zuckerguss, den wir über unser Leben gießen?“ – und gibt sogleich die Antwort: „Manchmal scheint es so. Religiöse Zeremonien und Feste dienen der Verschönerung und rituellen Gestaltung des Lebens. Viele Menschen kommen auch ohne diese Zugabe aus. Dies untermauert den Verdacht, dass Religion nur ein Überbau ist, auf den man eigentlich auch verzichten kann.“ Und er fragt dann noch weiter: „Oder geht es in der Beziehung mit Gott ums Ganze?“ – um schließlich darauf zu erwidern: „Dann würde es gelten, dass man Gott nur begegnen kann, wenn man sich selbst ganz und gar investiert.“
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30.03.2019 20:53 - es gilt das gesprochene Wort Ich bin schon da …   Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder, wer kennt es nicht, das Märchen vom Hasen und vom Igel, die einen Wettlauf veranstalten und dem gehetzten Hasen an jedem Zielpunkt schon das „Ich bin schon da“ entgegenschallte, vom Igel oder eben auch von seiner Frau. Was aber im Märchen als kluge List des Schwächeren gegenüber dem Starken erscheint, ist ja in Wirklichkeit ein herber Betrug, der so ganz die erheblich begrenzte, ergänzungsbedürftige Weltsicht der Gattung Märchen aufzeigt. Niemand soll aber nun vermuten, dass mir etwa im Stil längst vergangener Jahrzehnte die Gattung Märchen als Grundlage der Verkündigung dienen soll. Keineswegs! – Die Verkündigung des Gottesdienstes an diesem Samstag der 3. Fastenwoche selbst hat mich auf dieses „Ich bin schon da“ überhaupt erst gebracht. Lesung und Evangelium selbst geißeln gleichermaßen eine Mentalität des „Ich bin schon da“ in eindrücklicher Weise im Neuen wie im Alten Testament.
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31.12.2018 18:00 -         es gilt das gesprochene Wort Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus, ich weiß nicht, wer von Ihnen schon einmal im Hl. Land sein durfte. Als ich wiederholt mit den Seminaristen unseres Priesterseminars dort war, haben ich es erlebt:
Auf der Fahrt mit dem Bus von Jerusalem nach Jericho habe ich gesehen, was schon in den Psalmen geschrieben steht, wo es heißt: – Die Hügel bedecken sich mit Herden. – Da konnte man auf den grünen Hügeln Schafherden sehen, die in Bewegung waren. Aber von weit oben sah es aus, als würde von unsichtbarer Hand eine weiße Decke über den grünen Hügel gezogen. Einmal in die eine Richtung, einmal in die andere. Diese Wahrnehmung und diesen Eindruck konnte man nur aus weiter Entfernung und von oben haben. Das einzelne Schaf hat naturgemäß selbstredend nichts davon mitbekommen. Die einzelnen Schafe hatten nur eines zu tun: Suchen, Knabbern, Fressen usw. und so fort. Eigentlich ist es ja zum Staunen, wie sich die Tiere da so ernähren, aber eben nur jedes Einzelne für sich.
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25.12.2018 08:00 - es gilt das gesprochene Wort Darin besteht der Sinn unseres Lebens – Jesus kennenzulernen, ihn zu erkennen, den Menschensohn, ihn zu lieben, ihm nachzufolgen und mehr und mehr so zu werden wie er –.
   
Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
   
so habe ich am ersten Adventssonntag im Laufe meiner Predigt zu den Gefangenen im Gefängnis von Kempten gesprochen. Nicht, ohne es vorher auch zugestanden zu haben mit den Worten: Auch wenn mir das keineswegs jeder abnehmen wird.
„Und auf diesem Untergrund“, so habe ich im weiteren Verlauf hinzugefügt, „auf diesem Untergrund schließe ich noch kürzer, wenn ich sage: Alle Bedrängnisse sind eigentlich letztlich eine Aufforderung und ein Angebot von Gott, den Sinn unseres Lebens zu erkennen, unser Leben zu ändern und neu zu orientieren. Und dazu kommt uns Gott in seinem Sohn, im Menschensohn, unserem Herrn Jesus Christus, entgegen.“
So habe ich zu den Gefangenen, die sich zu diesem Gottesdienst angemeldet haben, gesprochen. Und keiner hat mir widersprochen.
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28.10.2018 09:31 -         es gilt das gesprochene Wort Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Ehefrauen, Familien, Freunde und Verwandte unserer Weihekandidaten,
liebe Weihekandidaten für den priesterlichen Dienst! In irgendeinem alten Gebets- und Gesangbuch der Pfarrgemeinde, aus der ich stamme, mag er vielleicht noch zu finden sein. Der Gebetszettel mit einem Gebet um geistliche Berufe, um Berufungen zum Priestertum der Kirche. Auf dem Außenteil das Bild eines Priesters am Altar mit der Hostie in der erhobenen Hand. Im Innenteil das Gebet, das von Papst Pius XII. verfasst worden ist. Jeden Samstag hat es unser Pfarrer zusammen mit den Gläubigen nach der Feier der Hl. Messe gebetet. An den weiteren Inhalt kann ich mich kaum noch erinnern, aber eines habe ich nicht vergessen: In einer Art Aufzählung wurde gebetet um die Berufung von Menschen verschiedenster, bisweilen sogar recht gegensätzlicher Herkunft. Und als gewissermaßen klassisches Beispiel der Berufung wurde dabei die Bekehrung des Apostels Paulus genannt.
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06.10.2018 14:19 -         es gilt das gesprochene Wort Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus, liebe Ehefrauen, Verwandte und Freunde unserer Weihekandidaten, liebe Kandidaten für die Weihe zum Ständigen Diakon unserer Kirche!   Was denn gerade das Thema sei im Volke, dem sie begegneten und mit dem sie zu tun hätten – und was denn sie gern als Thema setzen und dem Volke Gottes nahebringen möchten – das habe ich vor einigen Tagen die etwa 40 jungen Mitbrüder gefragt, die ich im Laufe der vergangenen Jahre habe zum Priester weihen dürfen, bevor wir das Abendgebet der Kirche gebetet und dann zum gemeinsamen festlichen Mahl zusammengetroffen waren. Sie können sich gewiss vorstellen, dass da recht unterschiedliche, durchaus von der Länge des bisherigen Dienstes abhängige Antworten gegeben wurden. Aber völlig unabhängig voneinander wurde auch die Zielstellung ihres Dienstes benannt, nämlich den Menschen Jesus Christus nahezubringen, sie mit Jesus Christus in Verbindung zu bringen und sie im Leben mit Jesus Christus zu stärken.
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12.07.2018 10:10 - es gilt das gesprochene Wort Am Hochfest des Hl. Ulrich – unseres Bistumsheiligen – lassen wir uns sagen:
Die Heiligen lenken unseren Blick auf den Himmel,
unser aller ewige Bestimmung
und zugleich darauf,
was das für unseren konkreten Alltag und unseren alltäglichen
Umgang miteinander bedeutet.
  
Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!
 
Als ich vor einiger Zeit – es war am Gedenktag des Heiligen Aloisius von Gonzaga – von den Mitgliedern der Bayerischen regionalen Kommission für die Ordnung des diözesanen Arbeitsrechts gebeten worden war, mit ihnen im Haus St. Ulrich die Hl. Messe zu feiern, sah ich mich natürlich auch vor die Aufgabe der Verkündigung gestellt. Und wenn das Wort des Hl. Dominikus wahr ist, dass ein Christ dort, wo er ist, predigt, erlaube ich mir einmal, die Fragen, die sich mir bei der Vorbereitung aufdrängten, auch an Sie weiterzugeben.
Was würden Sie wohl den Dienstgeber- und Dienstnehmervertretern sagen wollen, die miteinander über die Anwendung des kirchlichen Arbeitsrechts beraten?
Was würden Sie wohl denen sagen, die beauftragt sind, sich über tarifliche Ansprüche im kirchlichen Dienst zu verständigen?
Und was würden Sie wohl den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im kirchlichen Dienst am Gedenktag des Hl. Aloisius von Gonzaga verkünden wollen, der beinahe 500 Jahre vor unserer Zeit lebte, dem Adel entstammte und dennoch den geistlichen Stand einer eher arm zu nennenden Ordensgemeinschaft wählte?
Und was halten Sie überhaupt für die Botschaft eines Heiligen, der sich schließlich bei der Pflege Pestkranker infizierte und noch in jungen Jahren daran starb, angesichts der heutigen arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung von Dienstgebern und Dienstnehmervertretern, die vor allem auf ihren auskömmlichen und gerecht empfundenen Lebensunterhalt bedacht sind?
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25.06.2018 09:03 - es gilt das gesprochene Wort Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Eltern, Verwandte und Freunde unserer Kandidaten für den priesterlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus, eigentlich hatte ich es nicht vor, diese Überschrift in meiner Ansprache zu erwähnen:
„Bischof weiht zwei Handwerker zu Priestern“ oder so ähnlich. Diese Überschrift der Katholischen Nachrichtenagentur hat mich nicht animiert, den nachfolgenden Bericht zu lesen. Bei der Priesterweihe von drei Diakonen konnte ich eine solche Überschrift nur als eine abträgliche Selektion, wenn nicht sogar als Versuch der Separation verstehen. Vielleicht sollte es auch ein Hinweis auf den vorangegangenen Berufsweg zweier Weihekandidaten sein und überhaupt auf die unterschiedlich gestalteten Wege der künftigen Priester aufmerksam machen. Sei es, wie es sei. Aber alle, die bisher zu Priestern geweiht worden sind und künftig geweiht werden, sind nicht etwa nur irdische Handwerker, sondern sie sind Arbeiter im Weinberg des Herrn. Sie sind Arbeiter, von denen unser Herr selber spricht im Evangelium und die auszusenden in seine Ernte wir den Herrn der Ernte bitten sollen.
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31.05.2018 08:38 - es gilt das gesprochene Wort Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, immer wieder muss ich an den jungen Mann zurückdenken, der beim Militärdienst in der katholischen Rhön eine junge Frau kennen- und lieben gelernt hatte. Er war offenbar nichts, wie man den Status solchen religiösen Bekenntnisses gelegentlich bezeichnet, vielleicht auch einmal getauft. Er hatte bei mir als Kaplan angerufen und gefragt, ob man sich umschreiben lassen könne, womit er das Katholischwerden meinte. Ich verneinte das natürlich, insgeheim ein wenig erheitert über diesen Sprachgebrauch, lud ihn aber zugleich ein, mich doch einmal zu besuchen, damit wir miteinander sprechen und ich ihm etwas über den katholischen Glauben erzählen könnte. Darauf ging er dann auch mehrere Male ein. Und immer wieder denke ich gern daran zurück. Nicht zuletzt heute auch deswegen, weil ich schon im ersten Jahr meines Priestertums von einer verborgenen Sehnsucht zu erfahren meinte, die freilich auf eine junge Liebe gegründet war. Und ich erfuhr, dass gerade ein junger Mann, der keineswegs kirchlich sozialisiert und schon gar nicht im katholischen Glauben beheimatet war, Fragen stellte, die mir als Priester haben das Herz aufgehen lassen und die ich gern beantwortet habe. In der Tat, der Unbedarfte, kirchlich nicht Sozialisierte stellte die besseren Fragen als mancher Katholik – eine Erfahrung, die ich oft genug von Mitbrüdern bestätigt bekommen habe.
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20.05.2018 18:15 - es gilt das gesprochene Wort Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Firmbewerberinnen und Firmbewerber! „Wie wir denn unser Leben einer solchen anonymen Macht anvertrauen könnten“ – fragte der Armeeoffizier, der uns, die wir per Anhalter unterwegs waren, freundlicherweise mitgenommen hatte.
Wir hatten ihm gesagt, dass wir Theologie studierten, und er verwies mit seinen Fragen auf alle Widerfahrnisse, die mehr oder weniger auf die Frage hinausliefen, wie denn ein Gott all das zulassen könne.
Worauf ich ihm die fiktive Geschichte von dem Juwelier erzählte, der keineswegs ein Nazi oder Antisemit gewesen war, aber gemerkt hatte, dass sein Geschäft noch viel besser ging, nachdem die Nazihorden das Juweliergeschäft seines jüdischen Konkurrenten auf der gleichen Straße zerstört und seinen Inhaber umgebracht hatten. Als dann aber die Kriegsmaschine weiter um sich gegriffen hatte, und sein Sohn zum Militärdienst eingezogen worden war und schließlich doch eines Tages die bittere Nachricht aus Stalingrad eintraf, dass sein Sohn für Führer, Volk und Vaterland … – liebe Schwestern und Brüder, Sie wissen schon, wie das weiter ging – fing auch er an zu fragen und Vorwürfe zu machen genau in der Art, wie denn Gott das habe zulassen können. Erst jetzt war plötzlich offenbar Gott ins Spiel gekommen, erst jetzt bewegte ihn die Frage nach Leid und Tod, obwohl er doch schon Jahre zuvor damit konfrontiert worden war.
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