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Texte/Predigten

Predigt zur Jahresschlussandacht 2016 im Hohen Dom

31.12.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Schon in früheren Zeiten, solange wir uns erinnern können, war es am letzten Tag des Jahres üblich und guter Brauch, Rückschau zu halten auch in der Kirche auf das gottesdienstliche und pastorale Geschehen in den einzelnen Gemeinden ebenso wie in einem ganzen Bistum. Mit der Schließung der Heiligen Pforte am Ende des vergangenen Kirchenjahres, des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, haben auch wir das getan. Die heutigen Medien machen es jedem von uns noch viel leichter, sich wiederholt darüber zu informieren und zurückzuerinnern. Unser ganz persönliches Leben und geistlicher Fortschritt sind aber nur sehr bedingt mit einem solchen Rückblick auf das bürgerliche wie das Kirchenjahr zu bilanzieren. Aber in einem größeren Zusammenhang unter einem weiteren Bogen vollzieht sich das geistliche Leben jedes einzelnen Gläubigen ebenso wie das Leben der Kirche.

Predigt zum Hochfest der Geburt des Herrn 2016

25.12.2016

- es gilt das gesprochene Wort

„Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande, wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren! Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen, wärst auf Daunen weich gebettet worden.“

Und so geht es dann sieben Strophen lang weiter mit dem, wie sie das Kind aufgenommen, was sie ihm alles geschenkt und zu essen gegeben hätten. Kurzum, was sie dem Kind alles an Gutem getan und wie sie sogar ihren Lebenswandel gebessert hätten, wenn nur das Kind nicht im elenden Betlehem, sondern bei ihnen, im Kaschubenland geboren worden wäre.

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Wenn überhaupt, so werden wohl kaum viele unter uns sein, die wissen, wo das Kaschubenland zu finden ist geschweige denn dieses kaschubische Weihnachtslied von Werner Bergengruen kennen. Ich muss gestehen, dass auch ich bis vor wenigen Tagen nicht wusste, wo ich das Kaschubenland verorten sollte und habe es bestenfalls im Baltikum nicht aber im nördlichen Polen, südöstlich vom ehemaligen Danzig angesiedelt. Wenn wir aber diese einfältige Logik schon auf uns im mittleren Europa übertragen wollen, müssten wir dann nicht sogar fragen, ob dieses Kind überhaupt geboren worden wäre, wenn es nur nach den Menschen gegangen wäre? Und wenn schon, ob es denn mit seiner Entwicklung und seinem Auftreten eine viel längere Lebenserwartung hätte haben können als der, dessen Geburtstag wir heute feiern?

Predigt zur Altarweihe im Hohen Dom zu Augsburg 2016

09.10.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Erst vor wenigen Wochen haben wir es gefeiert: Das Fest Kreuzerhöhung. Ursprünglich war es ein Begleitfest am 14. September zum Kirchweihfest der Doppelbasilika, die Kaiser Konstantin nach der Auffindung des Kreuzes Christi durch eine Hl. Land-Expedition der Kaiserin Helena auf dem Golgotahügel hatte errichten lassen. Am Tag der Kirchweihe hielt der Bischof von Jerusalem die große Kreuzreliquie hoch und zeigte sie dem Volk zur Verehrung. Dieses Begleitfest überflügelte bald das ursprüngliche Kirchweihfest und zählte im byzantinischen Kalender zu den zwölf Hochfesten. Später brachte man das Fest auch in Verbindung mit der Wiedergewinnung des heiligen Kreuzes durch Kaiser Heraklius im Jahre 628, der das Kreuz feierlich an seinen Platz in Jerusalem zurückbrachte, nachdem es in einem unglücklichen Krieg an die Perser verlo-rengegangen war. Wir wissen sehr wohl, was der ersten Festfeier von Kreuzerhöhung am 14.09. des Jahres 335 etwa 20 Jahre zuvor vorangegangen war. Wie uns aus der römischen Geschichte berichtet wird, hatte Konstantin, bevor er Kaiser wurde, bei der Milvischen Brücke zu Rom eine entscheidende Schlacht zu schlagen. Er gewann sie, wie es heißt, weil er auf den Schilden und Standarten seiner Soldaten das Christusmonogramm Chi-Rho (☧), von manchen fälschlicherweise als PAX bezeichnet, hatte anbringen lassen. „In hoc signo vinces“ – in diesem Zeichen wirst du siegen – sei ihm zuvor im Traum signalisiert worden.

Predigt zur Priesterweihe 2016

26.06.2016

- es gilt das gesprochene Wort

„Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, ich werde dir den Weg zum Himmel zeigen.“

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Eltern, Freunde und Verwandte unserer Weihekandidaten,
meine lieben Mitbrüder im Diakonenamt und Weihekandidaten für das Priestertum der Kirche!

Sicher waren schon viele von Ihnen einmal in Ars. Dort haben Sie vielleicht oberhalb der kleinen Stadt auch das Denkmal des Hl. Pfarrers von Ars gesehen, wie er dem Hirtenjungen begegnete und ihn um Auskunft nach dem Weg gebeten hat. Am Sockel des Denkmals haben Sie sicher auch die Worte in französischer Sprache gefunden, die der künftige Pfarrer von Ars zu dem Jungen auf seine freundliche Auskunft hin gesprochen hat: „Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, ich werde dir den Weg zum Himmel zeigen.“
Auf so schlichte und doch eigentlich treffende Weise hat der große Seelsorger Dienst und Aufgabe des Priesters beschrieben, den Menschen den Weg zum Himmel zu zeigen, sie dafür zuzurüsten und zu begleiten.

Predigt zum Pfingstsonntag 2016

15.05.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Dich sendet Gottes Allmacht aus in Feuer und in Sturmes Braus,
du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund.

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Firmbewerberinnen und Firmbewerber!

„Warum wollen Sie Ihr Kind taufen lassen?“ – Mit dieser, so oder ähnlich formulierten Frage haben wir, habe ich in der Seelsorge immer wieder einmal das Taufgespräch mit den jungen Eltern begonnen. Meist sind wir darauf – und das war der Sinn der Sache – über den Glauben ins Gespräch gekommen. Bis mich irgendwann einmal ein Mitbruder über diese Methode zum Nachdenken gebracht hat. Denn er sagte: „Gewöhnlich fragen wir ja die Leute danach, warum sie ihr Kind taufen lassen wollen, dabei müssten doch eigentlich wir es sein, die ihnen überhaupt zuerst einmal sagen, was die Taufe bedeutet und warum es gut und richtig ist, ihr Kind taufen zu lassen und im Glauben zu erziehen.“

Predigt zur Diakonenweihe 2016

07.05.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Verwandte und Freunde unserer Weihekandidaten,
liebe Weihekandidaten!

Fast hätte ich meine Worte mit einem Ausdruck des Bedauerns beginnen wollen. Nein, – nicht direkt aus Traurigkeit, aber dennoch mit einem leisen Bedauern über unsere Begrenztheit, ja, vielleicht mein eigenes Unvermögen oder auch über meine bloße Unterlassung, bei den sogenannten Skrutinien, also den abschließenden Gesprächen des Bischofs mit den Kandidaten vor der Diakonen- und Priesterweihe keine Notizen gemacht zu haben, nicht mitgeschnitten zu haben. Aber, um es gleich vorweg zu nehmen, alle möglichen weiteren Kandidaten können da ganz beruhigt sein, denn das wird auch in Zukunft nicht geschehen. Denn immerhin handelt es sich bei diesen Gesprächen um etwas ganz, ganz Persönliches, ja dem Forum Internum des Beichtgesprächs Vergleichbares, auch wenn die Inhalte und Gedanken ganz und gar davon verschieden, ja in bestimmter Hinsicht sogar das ganze Gegenteil davon sind. Darum mein wiederholtes Bedauern, weil ich Ihnen allen, liebe Schwestern und Brüder, gar nicht genau und nachhaltig genug weitergeben kann, was ich selber zuvor empfangen habe.

Predigt zur Auferstehung des Herrn 2016

27.03.2016

- es gilt das gesprochene Wort

In der Tat, wir müssen schon tiefer hineingehen in die sakramentale Vergegenwärtigung von Kreuz und Auferstehung unseres Herrn in den kommenden heiligen drei Tagen. Da wollen wir sein Kreuz verehren und seine heilige Auferstehung preisen und rühmen, denn seht, durch das Holz des Kreuzes kam Freude in alle Welt.

Predigt zum Gründonnerstag 2016 im Hohen Dom

24.03.2016

es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Gern denke ich immer wieder einmal an die Zeit zurück, als ich noch Religionsunterricht halten durfte. Das war nämlich alles andere als eine einseitige Lehrveranstaltung, alles andere als eine Einbahnstraße. Denn so sehr ich hoffte, dass ich den Kindern etwas mit auf den Weg geben konnte, so sehr habe auch ich davon profitiert. Allein was die Begegnung mit den Kindern anging wie auch das, was sie gelegentlich von sich gaben und mich immer wieder auf ihre Umgangsart und ihren Sprachgebrauch aufmerksam machten. Aber auch wie sie auf manche Lehrinhalte und biblischen Erzählungen reagierten.

Predigt zur Chrisam-Messe 2016 im Hohen Dom

23.03.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
meine lieben Firmbewerberinnen und Firmbewerber!

Wenn Sie einmal die Gelegenheit haben, die byzantinische Dom-Basilika von Monreale oberhalb der sizilianischen Hauptstadt Palermo zu besuchen, dann werden Ihre Blicke unausweichlich auf das übergroße  Mosaik in der Apsis der Kirche mit dem Bildnis des Christus Pantokrator, des Weltenherrschers, gelenkt. Christus umfasst das All und zieht auch uns immer tiefer in das Geheimnis seiner allumfassenden Herrschaft hinein. Wir müssen schon tiefer in die Kathedrale hineingehen, uns mitten in die Vierung stellen und nach links wenden, um die Darstellung von Golgota mit dem gekreuzigten Herrn zu entdecken. Aus welchen Gründen auch immer sich die byzantinische Ikonographie mit der Darstellung des gekreuzigten, leidenden und sterbenden Herrn schwer getan haben mag – auch wir müssen uns schon tiefer hineinnehmen lassen in das Geheimnis unserer Erwählung zu Priestern und Königen, um durch das Kreuz Christi zum Leben der Auferstehung mit dem verherrlichten Christus zu gelangen.

Predigt zur Jahresschlussandacht 2015 im Hohen Dom

31.12.2015

                      - es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Wollten wir heute am letzten Tag des Jahres 2015 auch nur versuchen, alles das aufzuzählen, was wir als Glieder der Katholischen Kirche in unserer Welt wie in unserer Diözese Augsburg erlebt haben, wir müssten wohl lange zu hören und kämen nicht so schnell an ein Ende. Schon gar nicht ist es uns möglich, alles das ausreichend zu würdigen, was uns im Laufe des zu Ende gehenden Jahres geschenkt wurde und gelungen ist, was uns aufgebaut und im Glauben vorangebracht hat. Denken wir nur an den 50. Jahrestag der Vollendung des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Veröffentlichung seiner bedeutsamen Dokumente, aber erinnern wir uns wenigstens an die Wallfahrt der bayerischen Bistümer zu Maria, der Knotenlöserin, oder an die Feier der Ulrichswoche in Augsburg und in Ottobeuren.

Predigt zum Hochfest der Geburt des Herrn 2015

25.12.2015

 -  es gilt das gesprochene Wort

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

In einer bedenkenswert besinnlichen Geschichte bei unserer adventlichen Feier der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariates hörten wir von Jesus, der sich an Weihnachten auf den Weg machte, um zwei alte Schwestern zu besuchen. Die nahmen ihn zwar überglücklich auf, führten ihn aber in die gute Stube, wo er noch ein bisschen warten sollte, da sie ja noch so viel an Vorbereitung für das Fest zu tun hatten. 

Worüber sie den anwesenden Herrn offensichtlich ganz vergessen haben, und Jesus schließlich aufsteht und leise aus dem Haus geht.

Predigt zum Hochfest des heiligen Ulrich 2015

09.07.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

–   Im Kreuz ist Heil – Im Kreuz ist Hoffnung –

Jeder von uns sollte seine ganz persönliche Allerheiligenlitanei haben. So habe ich es einmal als Kaplan in einer Predigt gesagt. Vielleicht hätte ich das auch bald wieder vergessen, wenn nicht mein damaliger Pfarrer von dieser Aussage ziemlich angetan war. Was ich damit gemeint habe, zu dem stehe ich aber auch heute noch. Natürlich waren in dieser meiner ganz persönlichen Allerheiligenlitanei die Namen meines ersten und zweiten Namenspatrons enthalten, war doch der erste auch zugleich der Patron meiner Heimatkirche, aber auch der Hl. Don Bosco, der Hl. Vinzenz von Paul, der Hl. Petrus Canisius und der Hl. Ignatius von Loyola waren, wenn ich mich recht erinnere, mit dabei. Dagegen, zugegeben, der Hl. Ulrich möglicherweise noch nicht. Aber ich hatte schon als Kind von ihm und der legendären Schlacht auf dem Lechfeld gelesen. Erst viel später erfuhr ich zusammen mit einer intensiveren Lektüre seiner Biographie, dass er der erste Heilige war, der von der Kirche offiziell und feierlich heiliggesprochen worden ist, und das schon 20 Jahre nach seinem Tod.

Predigt zur Priesterweihe im Hohen Dom 2015

29.06.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

 

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Verwandte und Freunde unserer Weihekandidaten für das Priesteramt!

Als ich die liturgischen Texte der Kirche für den heutigen Sonntag erstmals zur Kenntnis genommen hatte, musste ich mich entscheiden. Ich musste darüber befinden, ob wir die Lesungen des Tages für die Feier des Wortgottesdienstes zur Gänze übernehmen oder ob ich der Empfehlung folge, aus anderen für die Feier der Priesterweihe vorgelegten Lesungen auszuwählen. Aber gerade als ich nur ein wenig über die Botschaft dieses Sonntags nachgedacht habe, waren meine Bedenken sehr schnell zerstreut. Sind wir doch am Tag der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus zum Leben in Gott zur Feier der Eucharistie zusammengekommen, um mit der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung unseres Herrn zugleich das Geschenk der Priesterweihe von drei Diakonen der Kirche zu empfangen. Und um das Leben von Gott geht es heute im weitesten und besten Sinne des Wortes.

Predigt zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi – Fronleichnam 2015

05.06.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Schwestern und Brüder,

als wir vor einer Woche das Augsburger Gebetshaus zur gemeinsamen Eucharistiefeier und zum anschließenden Lobpreisgebet in den Dom eingeladen hatten, da hatte ich die Mitbrüder vom Domkapitel schon vorsorglich darüber informiert, dass die jungen Leute im Altarraum eine Leinwand mit einem einfachen Kreuz bezeichnet aufstellen wollten, um für das anschließende Gebet, das keine eucharistische Anbetung war, einen näheren unmittelbaren Bezugspunkt zu haben. Als ich aber am vergangenen Donnerstag den Dom betrat, stellte sich das Ganze schon wesentlich umfangreicher dar. Ich habe nicht schlecht gestaunt, was da an Elektronik und Musik und vor allem an Beleuchtung, Licht- und Farbscheinwerfern bis zum Diskonebel aufgeboten worden war, um, wie man so sagt, „Atmosphäre“ zu schaffen. Atmosphäre als Voraussetzung für die darauf folgende gemeinsame würdige Feier der Eucharistie und das anschließende ohne jeden Zweifel glaubwürdige und ganz und gar ernstzunehmende Lobpreis- und Fürbittgebet der jungen Leute dieser charismatischen Bewegung.

Predigt bei der Diakonenweihe in der Basilika St. Ulrich und Afra

02.05.2015

es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Schwestern und Brüder,
verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Weihekandidaten!

Seitdem die sogenannten Skrutinien, die bischöflichen Prüfungsgespräche für die Eignung der Kandidaten, zur Weihe zum Diakon zugelassen zu werden, seitdem diese Gespräche abgeschlossen waren und ich an diesen Weihegottesdienst und die fällige Ansprache dachte, hatte ich es mir vorgenommen. Ich hatte mir vorgenommen, diese meine Worte mit dem Ausdruck großen Bedauerns zu beginnen. Mein Bedauern nämlich darüber, dass ich mir nicht bei jedem dieser Gespräche diese oder jene Notiz gemacht habe über die Antworten, die die einzelnen Kandidaten ihrer jeweiligen persönlichen Ausprägung entsprechend gegeben haben.

Predigt zur Auferstehung des Herrn 2015

05.04.2015

- es gilt das gesprochene Wort

Wie mögen sie denn wohl die Nacht verbracht haben, die Jünger, nach der Kreuzigung? Wohin der Verrat des Judas geführt hat, wissen wir ja aus dem Evangelium nach Matthäus. Aber Petrus nach seiner Verleugnung, oder Johannes nach der Kreuzigung, oder jener junge Mann, der nur mit einem leinenen Tuch bekleidet war, das er dann aber fallen ließ, als sie ihn packten, und er nackt davon lief. (vgl. Mk 14,51f) Ob sich der Evangelist Markus damit selbst beschrieben hat in seiner Furcht? Wie mag es ihnen allen jetzt ergangen sein, nach dem vertrauten letzten Mahl nun ein für allemal von ihrem Herrn getrennt?

Predigt zum Aschermittwoch 2015

20.02.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

Vor nun schon fast 30 Jahren habe ich im französischen Elsaß meinen Mitbruder besucht, mit dem zusammen ich in Rom studiert habe. Als ich ihn nach Taizé fragte und ob wir nicht einmal dorthin fahren sollten, schaute er mich mit großen Augen an und fragte mich: Wo ist Taizé? Wo ist Taizé in Frankreich? Natürlich wusste er, wo Taizé lag und ist auch mit mir dorthin gefahren. Seine Fragen waren ja nur rhetorisch gemeint und sollten zum Ausdruck bringen, dass von der Bewegung um Taizé offensichtlich im religiösen und gesellschaftlichen Leben Frankreichs kaum etwas zu spüren war. Davon erzählte ich vor wenigen Wochen der Jugend 2000, die zum Prayerfestival im Memmingen zusammengekommen war. Am Schluss meiner Ansprache habe ich mir allerdings erlaubt, die vergleichbare Frage zu stellen, nämlich: Wo ist die Jugend 2000? Wo ist die Jugend 2000 in Bayern und Schwaben, wo ist die Jugend 2000 für Deutschland? Worauf ich einige Tage später einen Brief von einer Frau bekam, die sich von diesen durchaus ernst gemeinten Fragen nicht gerade angenehm betroffen fühlte.

Predigt zu Mariä Lichtmess 2015

02.02.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

die Kirchengegner und die Ungläubigen mögen wohl beinahe gejubelt haben, als sie die Überschrift jenes Leitartikels der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unmittelbar nach Weihnachten zur Kenntnis genommen hatten. Unter der Überschrift, die Spätzeit des Christentums habe begonnen, kündigte da ein (kath.) Journalist den unmittelbar bevorstehenden Kollaps der Kirche in Deutschland an und verglich sie in ihrem Zustand obendrein noch mit der späten DDR. Aber ganz so, wie es sich die Feinde der Kirche vorgestellt hätten, war der Artikel nun doch nicht gemeint.

Predigt zum Jahresabschluss 2014 im Hohen Dom

31.12.2014

- es gilt das gesprochene Wort - 

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Der letzte Tag des Jahres ist wie kein anderer dafür geeignet, Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen, aber auch uns zu besinnen, dankzusagen und zu bitten. Noch in meiner Kindheit wartete der Pfarrer Jahr für Jahr bei der Jahresschlussandacht mit den Zahlen der Pfarrstatistik auf. Immer waren es überschaubare Zahlen, die die Substanz der kleinen Diasporagemeinde nicht wesentlich berührten. Kirchenaustritte waren an einer Hand abzuzählen.
Dagegen sind doch alle unsere Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften und schon gar nicht unser Bistum zahlenmäßig unter keinen Umständen mit der Diaspora zu vergleichen. Aber eben auch nicht die in diesem Jahr zu verzeichnenden Kirchenaustritte. Allzu viele sind es, die den verhängnisvollen Entschluss gefasst und umgesetzt haben. Hier und heute ist weder Ort noch Zeit, noch haben wir nur annähernd die Möglichkeit, die vielfältigen Ursachen oder Gründe zu erforschen. Unabhängig davon steht aber fest: Unter welchen Bedingungen Kirche auch immer lebt – ob in der Diaspora oder in einem immer noch bestehenden volkskirchlichen Milieu – wahre Zugehörigkeit zur Kirche kann sich nicht mehr nur im Zahlen der Kirchensteuer, sondern muss sich zuerst und vor allem durch ein lebendig wahrgenommenes Glaubensleben erweisen. Auch eine künftige kleine Herde wird keine nur soziologisch geschrumpfte Größe sein können, sondern muss eine theologische Größe derjenigen sein, die sich bei aller bestehenbleibenden Sündhaftigkeit entschieden haben, ihren Glauben zu leben.

Predigt in der Christmette 2014 im Hohen Dom

24.12.2014

- es gilt das gesprochene Wort -

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus! 

Mein Herr und mein Gott – Das sind die letzten Worte eines Menschen nach dem Evangelium des Johannes, bei dem das, was uns soeben feierlich verkündet worden ist, zum Ziel gekommen ist.

Worte eines Menschen, der noch einmal durch die Anfechtung seines Glaubens hindurchgegangen ist. Die tiefste, größte Anfechtung wohl überhaupt mit dem Zweifel an der Göttlichkeit des Menschensohnes, eine Anfechtung, die wohl kaum einem von uns erspart bleibt und aus der wir immer wieder heil hervorgehen sollen.