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Predigt bei der Weihe zum Ständigen Diakonat 2018

06.10.2018

-         es gilt das gesprochene Wort

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,

liebe Schwestern und Brüder in Christus,

liebe Ehefrauen, Verwandte und Freunde unserer Weihekandidaten,

liebe Kandidaten für die Weihe zum Ständigen Diakon unserer Kirche!

 

Was denn gerade das Thema sei im Volke, dem sie begegneten und mit dem sie zu tun hätten – und was denn sie gern als Thema setzen und dem Volke Gottes nahebringen möchten – das habe ich vor einigen Tagen die etwa 40 jungen Mitbrüder gefragt, die ich im Laufe der vergangenen Jahre habe zum Priester weihen dürfen, bevor wir das Abendgebet der Kirche gebetet und dann zum gemeinsamen festlichen Mahl zusammengetroffen waren. Sie können sich gewiss vorstellen, dass da recht unterschiedliche, durchaus von der Länge des bisherigen Dienstes abhängige Antworten gegeben wurden. Aber völlig unabhängig voneinander wurde auch die Zielstellung ihres Dienstes benannt, nämlich den Menschen Jesus Christus nahezubringen, sie mit Jesus Christus in Verbindung zu bringen und sie im Leben mit Jesus Christus zu stärken.

Freilich waren das nur einige, die so antworteten, die möglicherweise auch schon besser an ihrer Stelle und in ihrem Dienst Fuß gefasst haben.

Aber ich habe vergleichbare Auskünfte auch von pastoralen Mitarbeiterinnen erhalten, die Jahr für Jahr in den hauptamtlichen Dienst der Diözese gesandt wurden. Und in keinem geringeren Maße von Kandidaten für das Weiheamt, für die Weihe zum Priester oder zum Diakon, wie auch von Ihnen, verehrte, liebe Kandidaten für die Weihe zum Ständigen Diakon der Kirche.

Erst vor kurzem habe ich solche zutiefst geistliche Motivation für Ihren Weg und Ihren Entschluss, sich zum Diakon weihen zu lassen und diesen Dienst zu tun, aus den kurzen Statements der Pressestelle unseres Bistums entnommen.

Und das können wir nicht aufmerksam und intensiv genug zur Kenntnis nehmen. Da dominierten keineswegs bei unseren jungen Mitbrüdern und dem ihnen anvertrauten Gottesvolk, aber auch nicht bei den hauptamtlich im pastoralen Dienst tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Priestern und Diakonen jene Themen, von denen vielleicht bestimmte Medien erwarten, dass sie gegenwärtig nur so in aller Kopf und Munde sind und zwangsläufig auch die Kraft und die Einsatzbereitschaft in der Verkündigung und im Weinberg des Herrn lähmen oder in Frage stellen.

Vielmehr noch als in vergangenen Zeiten wird uns heute klar: Es ist Zeit der Entscheidung, und wenn wir auch wenige sind und möglicherweise auch immer noch weniger werden. Schon länger noch ist Zeit der Aussaat. Die Zeit der Gschaftlhuberei ist vorbei, auch wenn das vielleicht noch keineswegs alle in der Kirche bemerkt, geschweige denn beherzigt haben. Und diese Zeit, die Zeit der Aussaat und der Entscheidung, das ist unsere Zeit.

Drei gestandene Männer, die schon ein gutes Stück des Glaubensweges und der Glaubensvertiefung durchschritten haben, sollen heute zum Ständigen Diakon der Kirche geweiht werden. Heute sollen sie das definitive JA zum Dienst an Gott und den Menschen sprechen, von dem sie sich schon durch die Zeit ihrer Ausbildung hindurch haben leiten lassen. Und ihrem künftigen Dienst als Ständiger Diakon der Kirche sollen auch ihre Familien, ihre Ehefrauen ausdrücklich zustimmen, sodass der Dienst in der Kirche und das glaubwürdig gelebte Zeugnis in Beruf, Ehe und Familie gleichsam die beiden Brennpunkte der Ellipse des diakonischen Dienstes bilden.

Und das ist nicht unsere Erfindung, sondern wohlbegründet im Wort des lebendigen Gottes und in der Frohen Botschaft unseres Herrn Jesus Christus, die wir soeben vernommen haben. Wie die Leviten des Aaron, die Diakone der jungen Kirche und die Jünger des Herrn sollen sie auch heute konkrete Dienste und Aufgaben übernehmen, deren die Kirche bedarf, die sie aufbauen und zusammenhalten.

Begabt mit dem heiligen Geist und in seiner Kraft sollen sie dem Bischof und dem Presbyterium helfend zur Seite stehen: - im Dienst des Wortes, des Altares und der Liebe.

Im Gottesdienst verkünden sie das Evangelium in Vortrag und Predigtauslegung, bereiten die Gaben für das eucharistische Opfer und teilen den Gläubigen den Leib und das Blut Christi aus. Im Auftrag des Bischofs sollen die Diakone Ungläubige und Gläubige ermahnen und in der Lehre der Kirche unterrichten, Gebetsgottesdienste leiten, die Taufe spenden, die Brautleute trauen und segnen, den Sterbenden die Wegzehrung bringen und die Verstorbenen zur letzten Ruhe bestatten.

Und wie es nahezu feierlich und eigens abgesetzt von der Aufzählung der vielfältigen Dienste formuliert wird:

Aufgrund apostolischer Überlieferung durch Handauflegung geweiht und dem Altare eng verbunden, versehen die Diakone im Auftrag des Bischofs oder des Pfarrers den Dienst helfender Liebe. In all dem sollen sie schließlich mit Gottes Hilfe so handeln, dass man in ihnen wahre Jünger Jesu Christi erkennt, der nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.

Lassen wir es uns immer wieder sagen und vergewissern wir uns immer wieder neu:

Wenn wir das Evangelium verkünden und Gottes Wort auslegen, dann sind es doch nicht wir, sondern dann ist es doch der auferstandene und erhöhte Herr, der zu den Menschen spricht. Durch seine Gnade erwählt, dürfen wir ihm unsere Person und Ausbildung, unser Wissen und unsere Stimme zur Verfügung stellen.

Und nicht etwa einmalig in lange zurückliegender und immer weiter zurückliegender Zeit, sondern hier und heute donnert geradezu die Weisung des Herrn in den kleinlichen Streit seiner Auserwählten darüber, wer denn von ihnen wohl der Größte sei, mit den Worten: Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende.

Jesus verurteilt damit ja nicht nur eine anonyme Ideologie, ob sie nun als Selbstherrlichkeit oder Klerikalismus daherkommen mag, sondern er spricht zu lebendigen Personen, zu dir und zu mir, zu einem jeden einzelnen von uns.

Der Diakonat ist die eine Münze, deren zwei Seiten, die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten nur von lebendigen Personen gelebt und gleichzeitig ausgezahlt werden können.

Es ist wahr, dass der Weg der Kirche der lebendige Mensch ist, wie der Hl. Papst Johannes Paul II. gesagt haben soll, aber das ist eben immer eine lebendige Person, die einen Namen trägt und ein Schicksal hat und eine ewige Perspektive.

In den vergangenen Wochen und Monaten bin ich immer wieder mit der Person des Hl. Franziskus konfrontiert worden: Bei der Familienwallfahrt unseres Bistums nach Assisi und bei der Eröffnung einer Grundschule in Neuburg an der Donau. Erst vor zwei Tagen haben wir ja den Gedenktag des Hl. Franziskus begangen.

Dabei wurde auch mir noch mehr bewusst, was erst kürzlich ein evangelischer Kirchenhistoriker öffentlich feststellte: Dass wir nämlich über den Hl. Franz nur das wissen, was wir wissen sollen (oder sagen wir vielleicht lieber: wissen wollen?). Schon die erste Lebensbeschreibung habe ihn vor allem als Heiligen dargestellt, wovon kein nüchterner, historisch präziser Bericht zu erwarten gewesen sei. Später aber seien seine Lebensbeschreibungen genutzt worden, um Politik im eigenen Orden zu machen. Immer – so der Wissenschaftler – wurde in ihn hineinprojiziert, was man brauchte und haben wollte, bis hin zum Ökologen und Friedensstifter.

Gerade für ihn als evangelischen Theologen aber sei es eine besondere Entdeckung gewesen, dass der Hl. Franz nicht zum Kirchenkritiker taugte. Bis zum Lebensende nämlich habe er seine Brüder dazu aufgefordert, den Priestern gehorsam zu sein.

Und entspricht es denn nicht auch der Erfahrung, die wir heutzutage in einem noch oft genug als katholisch bezeichneten Bayern machen, wenn der Hl. Franziskus in seiner Zeit erlebte, dass die durchaus vorhandene Christlichkeit seiner Umgebung, ja, seines Elternhauses, eben nicht dem entsprach, was er aus der Bibel hörte? Insofern hätten sich die Spannungen seiner Zeit auch in ihm abgebildet – so der Historiker – aber eine ganz eigene, eng am Evangelium orientierte Form gefunden.

Auf die Frage des Korrespondenten, was denn der Hl. Franziskus seiner Zeit gegeben habe, antwortete der protestantische Kirchenhistoriker zunächst mit einem einzigen Wort: Authentizität, und fügte dann hinzu: Authentizität, die unserer Welt der Fake News (warum sagen wir eigentlich nicht: einer verlogenen Gesellschaft?) gut täte, einschließlich seiner Kritik daran, dass Menschen, die sich nur noch durch Ökonomie verzwecken lassen, den Sinn und Halt ihres Lebens verlieren. Immer noch erinnere ich mich an eine Rede des schon verstorbenen ehemaligen sächsischen Finanzministers, Karl Josef Schommer, in der er vor der Ökonomisierung der Caritas warnte.

Verehrte liebe kommende Mitbrüder im geistlichen Dienst!

Geben Sie unserer Zeit Authentizität! Und sollte vielleicht in früherer Zeit einmal eine andere Argumentationsrichtung angezeigt gewesen sein: Versäumen sie keine Gelegenheit, bei Ihrem Dienst helfender Liebe im Auftrag des Bischofs oder des Pfarrers in Wort und Tat immer wieder deutlich werden zu lassen, dass Sie aufgrund apostolischer Überlieferung der Kirche durch Handauflegung geweiht, dem Altare eng verbunden sind. Dem Altar eng verbunden sein heißt aber zuinnerst Jesus Christus verbunden sein und stetig darum bemüht, ihm ähnlicher und ähnlicher zu werden und gegebenenfalls sogar bereit, mit ihm zu leiden.

Was sich in der Zuordnung der Leviten zu Aaron und seinen Söhnen schon im Alten Testament vorschattet, findet in der Verheißung unseres Herrn an diejenigen, die in allen seinen Prüfungen bei ihm ausgeharrt haben, seinen tiefsten Ausdruck.

Bei der ausdrücklichen Nennung von Prüfungen unseres Herrn kann ich gar nicht anders, als an die gegenwärtige Situation unserer Kirche zu denken.

Trotz aller bisweilen recht vordergründig und oberflächlich erscheinender Vorschläge zur Aufarbeitung, Bewältigung und Prävention wage ich auch auf die Situation, die sich aus den schweren Vergehen einiger von uns an Kleinen und Schutzbedürftigen in den vergangenen Jahrzehnten ergeben hat, anzuwenden, was ich erst kürzlich bei der Sühneandacht für den Hostienfrevel in Gersthofen gesagt habe:

Unser Zorn und unsere Trauer über den unerhörten Frevel, der da von Dienern der Kirche an Gottes Menschen begangen worden ist, und die schwere Anfechtung, die das für uns alle bedeutet, dürfen dennoch in keinem Verhältnis zur Ermutigung und Stärkung, ja, zur Kraft und Erneuerung stehen, mit denen wir auch aus dieser Erschütterung hervorgehen werden. Ausschließlich und allein aber, wenn wir in lebendiger Verbindung  mit Jesus Christus stehen, in ihm bleiben und bereit sind, mit ihm zu leben und zu dienen, zu lieben und zu leiden, weil uns nichts, aber auch gar nichts von seiner Liebe zu trennen vermag.

Diese Gewissheit den Menschen in Wort und Tat zu vermitteln, liebe Weihekandidaten, soll Ihre erste und vornehmste Aufgabe sein.   Amen