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Predigt zur Diakonenweihe 2016

07.05.2016

- es gilt das gesprochene Wort

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Verwandte und Freunde unserer Weihekandidaten,
liebe Weihekandidaten!

Fast hätte ich meine Worte mit einem Ausdruck des Bedauerns beginnen wollen. Nein, – nicht direkt aus Traurigkeit, aber dennoch mit einem leisen Bedauern über unsere Begrenztheit, ja, vielleicht mein eigenes Unvermögen oder auch über meine bloße Unterlassung, bei den sogenannten Skrutinien, also den abschließenden Gesprächen des Bischofs mit den Kandidaten vor der Diakonen- und Priesterweihe keine Notizen gemacht zu haben, nicht mitgeschnitten zu haben. Aber, um es gleich vorweg zu nehmen, alle möglichen weiteren Kandidaten können da ganz beruhigt sein, denn das wird auch in Zukunft nicht geschehen. Denn immerhin handelt es sich bei diesen Gesprächen um etwas ganz, ganz Persönliches, ja dem Forum Internum des Beichtgesprächs Vergleichbares, auch wenn die Inhalte und Gedanken ganz und gar davon verschieden, ja in bestimmter Hinsicht sogar das ganze Gegenteil davon sind. Darum mein wiederholtes Bedauern, weil ich Ihnen allen, liebe Schwestern und Brüder, gar nicht genau und nachhaltig genug weitergeben kann, was ich selber zuvor empfangen habe.

Weitergeben, was wir empfangen haben – solchen Sprachgebrauch kennen wir vom Apostel Paulus, als er über die Stiftung der Feier der Hl. Eucharistie durch Jesus im Abendmahlssaal – also über das Geheimnis des Glaubens schlecht-hin – spricht. Das Ganze ist ein Geschehen, das wir immer wieder einmal in der einen oder anderen Form erfahren, das uns immer wieder einmal auf dem Weg des Glaubens geschenkt wird.

Wenn ich so etwas erlebe, z. B. beim Besuch einer Gemeinde anlässlich der Pastoralvisitation oder einer besonderen Festfeier, dann sage ich der Gemeinde fast jedes Mal, dass diese Stärkung und diese Freude, die wir dabei erfahren, alles andere als eine Einbahnstraße ist. Wer gibt, empfängt, wer in rechter Weise empfangen hat, ist auch in der Lage, wieder etwas zu geben. Das wahrhaft Gute, dass wir tun, kommt auf irgendeine Weise immer wieder auf uns zurück.

Wenn da vielleicht jemand nach dem Gottesdienst auf mich zukommt, um sich für die Predigt zu bedanken, dann tut das schon dem Ego gut, und wir brauchen das ja vielleicht manchmal sogar, weswegen es uns auch immer wieder einmal geschenkt wird. Wenn aber einer noch darüber hinaus den Text der Predigt haben will, dann sage ich mittlerweile fast regelmäßig:
„Wissen Sie, die beste Konsequenz, die Sie aus dieser Erfahrung ziehen können, ist, bei einem nächsten Mal genau wieder so gesammelt und aufmerksam zuzuhören.“

Denn alle Predigt, alle wahre Verkündigung der Frohen Botschaft ist nicht nur keine Einbahnstraße, kann sich nicht nur sogar zu einem lebendigen Dialog entwickeln, auch wenn dabei akustisch nur einer zu vernehmen ist, sondern ist vor allem ein geistgewirktes geistliches Geschehen.

Den bei einer Visitation versammelten Kommunionhelfern und Lektoren einer Pfarreiengemeinschaft – das war übrigens ein ausgezeichneter Einfall des leitenden Pfarrers – diesen Versammelten habe ich neben zwei ganz praktischen Anliegen, die mir für diesen Dienst am Herzen liegen, zuerst und vor allem regelrecht aufgetragen: Beten sie jedes Mal, bevor sie ihren Dienst antreten, zum Hl. Geist. Beten sie zum Hl. Geist in welcher Form und Länge auch immer, aber beten sie bitte vorher zum Hl. Geist. Das möchte ich allen zurufen, die einen solchen Dienst in der Gemeinde tun: Beten Sie zum Hl. Geist, damit durch Ihr Tun, damit durch unser aller Tun in dieser Welt Geistliches geschieht.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn Sie, wie es immer wieder einmal recht vordergründig dahergesagt wird, wenn Sie wirklich die Kirche im Dorf lassen wollen, dann beten Sie doch immer wieder zum Hl. Geist. Nicht, damit Sie das vertraute Gotteshaus behalten können wie vor beinahe unvordenklicher Zeit, den steinernen Bau, in dem Sie, wie schon Ihre Vorfahren die Hl. Taufe empfangen und geheiratet haben, sondern damit auch heute noch durch Sie vor Ort Geistliches geschieht – wofür ja einmal all die schönen Kirchen in unserem Bistum überhaupt errichtet worden sind.

Meine lieben Brüder,
damit im Auftrag unseres Herrn und seiner Kirche und in Vollmacht Geistliches geschieht, sollt Ihr heute durch Handauflegung und Gebet zu Diakonen geweiht werden. Geistliches geschieht nämlich auch dort, wo wir uns auf den Weg machen, Menschen für Christus zu gewinnen, sie in eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus zu bringen und ihnen die guten Gaben Gottes zu vermitteln.
Die Kirche – sie mag nach wie vor von sündigen Menschen bevölkert sein – die Kirche hält ebenso nach wie vor alle Mittel und Möglichkeiten bereit, durch die Menschen in lebendiger Beziehung mit Jesus Christus bleiben können. Die Kirche steht dafür zur Verfügung, dass Geistliches geschehen kann. Dass wir im Geiste Jesu, der der Geist der Liebe ist, und in seinem Namen reden und handeln, bitten und empfangen und freudigen Herzens weitergeben können, was wir empfangen haben.

Es kommt uns ja nur logisch vor, wenn Ihr zuerst zu Diakonen und erst danach zu Priestern geweiht werdet. Aber diese vernünftige Logik hat einen tiefen Sinn:
„Als ich zu euch kam, Brüder“ – so schreibt der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther – „als ich zu euch kam, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen.“ – und fährt dann fort: „Denn ich habe mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.“

Darum werdet Ihr zu Diakonen, zu Dienern Jesu Christi geweiht, nicht um euch langsam an priesterliche Vollmacht und Autorität heranzuführen, sondern um entschieden und von der Kirche dafür ausgerüstet und beglaubigt, Christus darzustellen und in seinem Geist zu handeln. In seinem Geiste handelt Ihr, wenn Ihr Menschen die vielfältigen Gaben Gottes vermittelt oder im Geiste Christi dafür sorgt, sie auf den entscheidenden Wegstrecken ihres Lebens zu begleiten.

Beauftragt und gesandt, im Gottesdienst das Evangelium zu verkünden, bereitet Ihr die Gaben des Volkes für das eucharistische Opfer. Ihr teilt den Gläubigen den Leib und das Blut Christi aus und sollt im Auftrag des Bischofs Ungläubige und Gläubige ermahnen und in der heiligen Lehre unterrichten, Gebetsgottesdienste leiten, die Hl. Taufe spenden, den Brautleuten assistieren, wenn sie sich mit dem Eheversprechen vor Gott und den Menschen für immer füreinander verbürgen, und sie segnen. Den Sterbenden die heilige Wegzehrung bringen und die Verstorbenen zur letzten Ruhe bestatten – so lauten immer noch konkret die Aufgaben des Diakons und werden geradezu feierlich zusammengefasst mit den Worten:

Aufgrund apostolischer Überlieferung durch Handauflegung geweiht und dem Altare eng verbunden, versehen die Diakone im Auftrag des Bischofs oder Pfarrers den Dienst helfender Liebe.

Jesus hat seine Zeichen und Wunder – denken wir nur an die wunderbare Speisung der Vielen in der Steppe – zum Ausgangspunkt seiner noch weit darüber hinausgehenden Verkündigung gemacht. Alle seine Verkündigung vom Reiche Gottes hat er wiederum mit Zeichen und Wundern hinterlegt und bekräftigt. Sein Tun und Reden sind eins und können nicht in eine einseitige Rangordnung gebracht werden. „Was er euch sagt, das tut.“, hat Maria, seine Mutter, die Diener bei der Hochzeit zu Kana aufgefordert, aber das Entscheidende hat schließlich doch ER getan.
Was wir vom Reden und Handeln unseres Herrn sagen können, das müssen wir aber auch wenigstens ansatzweise auf den Dienst seiner Diener und die Person des Diakons anwenden dürfen.

Der Diakon, der ehelose wie der verheiratete, darf nicht stehenbleiben bei seinem Dienst und Auftrag, darf sich nicht einrichten in seiner Aufgabe. Gewissermaßen von Amts wegen muss er immer wieder den Mut aufbringen, loszulassen, Abschied zu nehmen von seinen eigenen Vorstellungen und immer wieder aufzubrechen und für Neues, völlig Unvorhergesehenes bereit zu sein. Gerade auch in dieser Herausforderung und Vorbildhaftigkeit bleibt er Diakon, auch als geweihter Priester.

In welcher Lebensform auch immer, liebe Schwestern und Brüder, wir müssen Christus entgegengehen, Männer und Frauen, Verheiratete und Unverheiratete. Nicht nur die, die aus der heiligen Priesterschaft des Volkes Gottes für den Dienst am Altar ausgewählt wurden, sind um des Himmelreiches willen ehelos, sondern ein jeder, eine jede von uns ist um des Himmelreiches willen, in seinen, in ihren Stand und Beruf gerufen. Es sind Priscilla und Aquila, zwei Laien also, wenn sie wollen, die den redekundigen und hochgebildeten Apollos zu sich nehmen, um ihm, der nur die Taufe des Johannes kannte, den Weg Gottes noch genauer darzulegen.

Mit der Liturgia horarum, dem Stundengebet der Kirche, liebe künftige Diakone, hat Euch die Kirche ein Geländer an die Hand gegeben, an das man sich auch noch als Priester klammern kann, wenn die Füße einmal ins Schlingern geraten. Und das ist nicht das einzige und keineswegs magische Hilfsmittel, auch die Frage unserer äußeren Erscheinung, der Wahrung von Nähe und Distanz, des Lebensstils, der persönlichen Bußpraxis und der geistlichen Begleitung, ja die Wahl des Milieus, in dem wir uns in unserer freien Zeit bewegen, wollen wir dabei keineswegs ausklammern.

Der Repräsentant für Christus muss transparent, durchscheinend auf Christus sein. Und das im ganz normalen, alltäglichen Sprachgebrauch und ohne jede Penetranz, wenn wir nämlich die geistlich-geistige Dimension menschlichen Lebens nicht außer Acht lassen oder gar verdrängen, sondern auch zur rechten Zeit den Namen Jesu aussprechen und auf seine Person verweisen. Wenn wir das Tischgebet auch nach dem Essen noch im Vereinshaus anstimmen, und bei aller Angespanntheit und Terminnot die geistliche, ausdrücklich betende Vorbereitung auf den Dienst am Altar wie auch am Armen, Geschlagenen und Geschmähten, in denen uns Christus begegnet, niemals unterlassen.

Niemand soll behaupten, dass wir am Tag der Diakonen- oder Priesterweihe junge unbedarfte Männer aus der heilen und wohlbehüteten Welt kirchlicher Ausbildung im Priesterseminar nun in die sogenannte Realität des Lebens schicken. Ich bin vielmehr voll Zuversicht und selbst getröstet und erfreut über die Begegnungen mit den Weihekandidaten, wie sie in all den Jahren angetreten sind. Denn ich selbst bin wieder und wieder darin vergewissert worden, dass durch viele unserer Schwestern und Brüder wahrhaft Geistliches geschieht und Jesus Christus der Maßstab ihres Lebens, ihres Redens, Tuns und Lassens ist. Wenn Ihr das, liebe Weihekandidaten, worauf Ihr Euch jahrelang vorbereitet und eingestimmt habt und was Ihr heute feierlich versprecht und wozu Ihr durch Handauflegung und Gebet bestellt werdet, beherzigt und im Leben erfüllt, dann werdet Ihr niemals Herren über unseren Glauben, sondern immer nur Diener unser aller Freude sein. Amen