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Predigt zur Diakonenweihe 2017

07.10.2017

- es gilt das gesprochene Wort

 „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht. Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“ (vgl. Lk 10,23f)

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Kandidaten für die Weihe zum Ständigen Diakon!

Erst vor kurzem wieder bei einer der letzten Firmfeiern habe ich meine Ansprache mit dieser Seligpreisung unseres Herrn an die Jünger eingeleitet. Bei den Firmungen lege ich dieses Evangelium nach Lukas mit dem Jubelruf unseres Herrn zugrunde.
Heute aber wird es uns von der Leseordnung der Kirche vorgelegt:
Das Sakrament der Firmung und die Weihe zum Diakon unterscheiden sich durchaus nicht unwesentlich voneinander. Das bedeutet aber nicht, dass sie einander etwa nicht konsequent entsprechen. In ihrem tiefsten Grund aber entsprechen sie nicht nur einander, sondern sind einander gleich. Denn immer, wenn das Evangelium verkündet, die Sakramente der Kirche gespendet werden, spricht Jesus Christus, handelt an uns Jesus Christus, der auferstandene, der lebendige und zum Vater erhöhte Herr.

Wir dürfen ihm unsere armselige Person, unsere Stimme, unsere Gaben und Fähigkeiten zur Verfügung stellen, dürfen uns in seinen Dienst rufen und dazu befähigen und weihen lassen. Und darum, liebe Weihekandidaten für den Ständigen Diakonat der Kirche, haben wir uns heute in unserer Kathedrale versammelt, dazu sind Sie mit Ihren Lieben, Ihren Ehefrauen, Ihren Freunden und Verwandten hierhergekommen, um sich von der Kirche durch Handauflegung und Gebet des Bischofs zum Ständigen Diakon weihen zu lassen. Nach großem Einsatz von Kraft und Zeit, aber im Geiste beseelt und von Gott und den Menschen getragen und begleitet, sind Sie an das Ziel ihres Strebens gelangt, um Ihr endgültiges „Ja“ zu sagen und die Diakonenweihe zu empfangen.

Einen Beleg dafür, dass der Hl. Franziskus, dessen wir erst vor wenigen Tagen gedacht haben, auch Diakon gewesen sei, habe ich nirgends gefunden, in keiner Biographie habe ich davon gelesen. Aber auf die ausdrückliche Bestätigung seines Charismas durch die Kirche, auf die ausdrückliche Gutheißung und Sendung seiner neuen Gemeinschaft durch Papst und Bischof kam es ihm an. Und er empfand diese Bestätigung nicht nur als eine Erlaubnis, ein Gewährenlassen seines neuen Weges, sondern verstand dies als Auftrag zu einer proaktiv wahrzunehmenden Aufgabe.
„Zur Unterstützung des Klerus sind wir gesandt, für das Heil der Seelen, damit das, was ihnen abgeht, durch uns ersetzt werde“, – pflegte er zu sagen.
Wenn also der Hl. Franziskus seinen Dienst und den seiner Ordensgemeinschaft so als diakonischen Dienst verstanden hat, können wir umgekehrt davon ausgehen, den Dienst eines Diakons der Kirche auch als einen zutiefst franziskanischen Dienst anzusehen.

„Der Diakon empfängt die Gabe des Heiligen Geistes, und in dessen Kraft steht er als Helfer dem Bischof und seinem Presbyterium zur Seite: im Dienst des Wortes, des Altares und der Liebe ist er für alle da.“ – heißt es in einer Art Modellansprache des Weiheritus und darauf folgend werden die einzelnen Aufgaben des diakonischen Dienstes aufgezählt. Dann aber werden seine kirchliche Verortung und Begründung erklärt mit den Worten: „Aufgrund apostolischer Überlieferung durch Handauflegung geweiht und dem Altare eng verbunden, versehen die Diakone im Auftrag des Bischofs oder des Pfarrers den Dienst helfender Liebe.
Ohne den Dienst an Tischen, wozu die ersten Diakone der Kirche erwählt und bestimmt waren, also ohne den caritativen Dienst im engeren oder weiteren Sinne ist der geweihte Diakon nicht zu verstehen. Wo und wie immer er eingesetzt ist, im Dienst der Kirche unterscheidet er sich in jedem Fall von jedem noch so ehrenwerten und hochzuschätzenden sozialen Dienst. Denn im Tiefsten gibt er weiter, was er zuvor ohne alles Verdienst empfangen hat, und soll einem Jeden, der seine Hilfe braucht, als dem begegnen, dem er selbst immer ähnlicher, immer mehr gleichgestaltet werden soll, – Jesus Christus, der sich ihm in der Weihe zum Diakon endgültig vertraut gemacht hat.
Mit derselben Freude, die er über den Sieg des Auferstandenen empfangen hat, und der gleichen Ehrfurcht, die ihn vor dem unvorstellbaren Gott erfüllt, soll er in kindlicher Freude und ehrfürchtigem Staunen Christus und den Menschen und in den Menschen Christus begegnen.

Das ist die verlässliche Basis für sein kirchliches Tun, ob er nun das Evangelium verkündet oder die Gaben für das eucharistische Opfer bereitet und schließlich den Leib und das Blut Christi den Gläubigen austeilt. Daraus erwächst auch die Autorität, mit der er im Auftrag des Bischofs Ungläubige und Gläubige ermahnen und in der Lehre der Kirche unterweisen soll.
 Damit wird er auch zum Vorbild, wenn er Gebetsgottesdienste leitet und den Brautleuten beisteht und sie segnet, wenn sie sich in feierlicher Eheschließung durch ihr „Ja“-Wort vor Gott und den Menschen füreinander verbürgen, wenn er die Taufe, das Sakrament der Wiedergeburt zum neuen Leben spendet, aber auch wenn er den Sterbenden die Wegzehrung bringt und die Verstorbenen zur letzten Ruhe bestattet. Die unablässige Suche nach Gott und die Treue in Betrachtung und Gebet lassen ihn seiner Verantwortung bewusst und seiner Berufung treu bleiben.

Auch Sie, verehrte, liebe Anwärter für den Dienst des Diakons, brauchen nicht im eigenen Namen aufzutreten. Sie dürfen und sollen aber in der Freude darüber wachsen, dass Ihre Namen im Himmel verzeichnet sind (vgl. Lk 10,20).
Undenkbar ist, dass sich das existenzielle Zeugnis, die Berufung zum diakonischen Dienst etwa nur auf den innerkirchlichen Raum begrenzen lassen. So wie schon in der frühen Zeit der Kirche ziemlich bald die Diakone von Dienern an den Tischen zu wachen Verkündern des Evangeliums geworden sind – wie der Diakon Philippus – und ihren Glauben im Martyrium bezeugt haben – wie der erste heilige Märtyrer Stephanus – so bleibt der Diakon auch Diener des Wortes im zivilen Raum, Diener des Wortes im umfassendsten Sinn, nämlich des Wortes, das um unseretwillen Fleisch angenommen und unter uns gewohnt hat.

Der Umgang und die Begegnung mit Ihren nächsten Mitmenschen, mit Ihrer Ehefrau und Familie, Freunden und Bekannten, aber auch mit den Menschen, die noch nicht so recht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen, wird Sie davor bewahren, geistig abzuheben und sich der irdischen Wirklichkeit zu entfernen. Sie brauchen auch nicht immer nur zu geben, sondern dürfen, ja, müssen auch immer wieder im Übermaß empfangen, wie Sie ja selbst mit Ihrem Leitwort bekennen: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (vgl. Neh 8,10) .
Und erst recht, wenn Sie möglicherweise in noch höherem Maße als Ihre geplagten Mitmenschen auch die Mühseligkeit und die Last des Amtes verspüren sollten, dürfen Sie ebenso wie den Jubelruf und die Seligpreisungen unseres Herrn auch seine Einladung als unmittelbar an Sie gerichtet wissen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“(Mt 11,28ff)    Amen