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Predigt zur Priesterweihe 2018

25.06.2018

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Eltern, Verwandte und Freunde unserer Kandidaten für den priesterlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus,

eigentlich hatte ich es nicht vor, diese Überschrift in meiner Ansprache zu erwähnen:
„Bischof weiht zwei Handwerker zu Priestern“ oder so ähnlich. Diese Überschrift der Katholischen Nachrichtenagentur hat mich nicht animiert, den nachfolgenden Bericht zu lesen. Bei der Priesterweihe von drei Diakonen konnte ich eine solche Überschrift nur als eine abträgliche Selektion, wenn nicht sogar als Versuch der Separation verstehen.

Vielleicht sollte es auch ein Hinweis auf den vorangegangenen Berufsweg zweier Weihekandidaten sein und überhaupt auf die unterschiedlich gestalteten Wege der künftigen Priester aufmerksam machen. Sei es, wie es sei.

Aber alle, die bisher zu Priestern geweiht worden sind und künftig geweiht werden, sind nicht etwa nur irdische Handwerker, sondern sie sind Arbeiter im Weinberg des Herrn. Sie sind Arbeiter, von denen unser Herr selber spricht im Evangelium und die auszusenden in seine Ernte wir den Herrn der Ernte bitten sollen.

Die Tatsache, dass immer mehr von denen, die das Priestertum anstreben, schon einen gestandenen Beruf ausgeübt haben, findet bei vielen von uns breite Zustimmung. Aber nicht allein schon eine berufliche Tätigkeit und Verantwortung bilden eine gute Voraussetzung dafür, seine Berufung zum Priester zu erkennen, sondern das Wissen, was heute die meisten unserer Mitmenschen bewegt, wer sie zu vereinnahmen sucht und wo sie Gefahr laufen, sich zu verzetteln oder gar zu verlieren, aber auch die wachsende Erkenntnis, dass da Einer ist, der die Menschen kennt und sie liebt, der ihrem Streben eine Richtung und ihrem Dasein einen Sinn und ein Ziel geben will.

Heute nun, liebe Mitbrüder im Diakonenamt, soll Eure Entscheidung, die Ihr schon bei Eurer Weihe zum Diakon getroffen habt, mit der Weihe zum Priester besiegelt und vollendet werden.

Heute nun soll es allen endgültig offenbar werden, dass viele Gebete um Arbeiter im Weinberg des Herrn erhört worden sind und Ihr Euch habt aussenden lassen. Unserem Herrn und Euch sei dafür ein herzliches Dankeschön gesagt.

Heute sollt Ihr nach langjähriger Ausbildung und Prüfung zum priesterlichen Dienst in die Gemeinschaft der Presbyter aufgenommen werden.

Heute werdet Ihr feierlich zu Mitarbeitern der Bischöfe bestellt und mit ihnen im priesterlichen Amt verbunden zum Dienst am Volk Gottes berufen. Zum Dienst der Lehre und der Verkündigung, zum Dienst der Heiligung und zum Dienst der Leitung.

Christus, dem Lehrer, Priester und Hirten, sollt Ihr dienen, der seinen Leib, die Kirche, zum heiligen Tempel auferbaut und zum Gottesvolk macht.

Christus, dem ewigen Hohenpriester gleichgestaltet und den Bischöfen als Helfer im Priesteramt verbunden, werdet Ihr zu wahren Priestern des Neuen Bundes geweiht, damit Ihr das Evangelium verkündet, das Volk Gottes leitet und dem Gottesdienst vorsteht, vor allem beim Opfer des Herrn. Und nur wer sich vom Herrn durch die Kirche in den Dienst hineinnehmen lässt und zum Vorsteher der Eucharistie geweiht wird, kann den Dienst der Verwandlung tun, die als solche immer auf die große Verwandlung der ganzen Schöpfung hingeordnet ist. So hat auch der Apostel Paulus seine Sendung verstanden, wenn er am Ende des Römerbriefes sagt:

„Ich tat es kraft der Gnade, die mir von Gott gegeben ist, damit ich als Diener Christi Jesu für die Heiden wirke und das Evangelium Gottes wie ein Priester verwalte; denn die Heiden sollen eine Opfergabe werden, die Gott gefällt, geheiligt im Heiligen Geist.“[1]
     
Liebe Mitbrüder im Diakonenamt,

mit großer Freude habe ich Eure Antworten, Eure beinahe wörtlich gleichlautenden Antworten auf die Fragen nach dem Woher, dem Warum und Wozu Eures Entschlusses zum priesterlichen Dienst gelesen. Wenn es da heißt: - dass ich anderen Menschen helfen kann, in einen tiefen, lebendigen Glauben zu finden; - dass ich sie mit Gott und Kirche enger in Verbindung bringen kann; - dass ich sie für Gott gewinnen und in den Herzen das Feuer des Glaubens entfachen kann. Ja, schließlich im Zusammenhang mit dem Bekenntnis Johannes des Täufers: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“[2] – gleichsam die allgemeine Maxime: Weil es eine Grundhaltung des Priesters sein soll, ganz auf Christus und auf Gott zu verweisen.
   
Ja, liebe Schwestern und Brüder,

trotz immer noch hoher Austrittszahlen aus unserer Kirche, entgegen allem statistischen Befund und wider alle Klage: Wir sind doch nicht angetreten, um Kirchen zu füllen und Mitgliederzahlen zu steigern, sondern unsere Sendung und unser Eifer muss darin bestehen, Menschen in eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus zu bringen und den Getauften und Gefirmten zu helfen, das Geschenk zu erschließen, das sie von Gott schon empfangen haben.

Und wenn unsere Kirchen nicht mehr dazu dienen, wenn wir sie dazu nicht mehr oder nur ganz sporadisch aufsuchen, dann sollten wir uns davon trennen und sie irgendeiner Treuhand übergeben. Denn es wäre nicht zu vertreten, mit viel, sehr viel Geld nur steinerne Gebäude zu erhalten, wenn sie nur noch einer regionalen, kunsthistorischen, rein menschlichen Tradition zur Verfügung stünden und nicht der Traditio schlechthin, dem, was Traditio im Eigentlichen bedeutet, nämlich andauernder Lobpreis unseres Schöpfers und Erlösers, Vertiefung des Glaubens und Weitergabe dessen, was wir von Gott empfangen haben. Denn er ist es doch, wie uns erst am vergangenen Sonntag verkündigt worden ist, der das Eigentliche, das Entscheidende an uns schon gewirkt hat und es zur Ernte keimen, wachsen und reifen lässt. Und diese Ernte ist groß, für diese Ernte gibt es nur wenige Arbeiter, die bereit sind, den Samen auszubringen und schließlich die Sichel zur Ernte anzulegen.
   
Liebe Schwestern und Brüder,

haben wir doch den Mut, die erste Frage des sogenannten kleinen Katechismus des katholischen Glaubens zur Kenntnis zu nehmen oder uns daran erinnern zu lassen: Wozu sind wir auf Erden? Und die Antwort: Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen und dadurch in den Himmel zu kommen. Und lassen wir uns auch stärken von der Überzeugung eines unserer Kandidaten für die Priesterweihe: - „dass es gerade in unserer Zeit Priester braucht, die mit ihrer zölibatären Lebensweise direkt auf Gott und das Himmelreich verweisen.“

Wir sind doch keine Pessimisten, wenn wir davon überzeugt  sind und immer wieder leidvoll feststellen müssen, dass sich unser menschliches Leben eben nicht auf dieser Erde erfüllt, auch wenn wir es angesichts der Lebensleistung mancher unserer Mitmenschen und in Anbetracht unser aller Vergänglichkeit dankbar anerkennen möchten. Wenn man doch wenigstens in unserer Zeit, in der man alle möglichen Geschlechterkonstellationen für gültig und legitim erklärt, respektieren wollte, dass die gelebte Ehelosigkeit eine von vielen Menschen im Hinblick auf die priesterliche Verfügbarkeit frei gewählte und tausendfach bewährte Lebensform ist, die den Horizont eines Menschen zu erweitern vermag, und die die letzte Bestimmung eines jeden Menschen schon auf dieser Erde mit Hilfe der göttlichen Gnade prophetisch bezeugt!
   
Liebe Weihekandidaten für das Priesteramt,

am Hochfest des Hl. Johannes des Täufers tun sich Parallelen und Differenzen gleichermaßen auf:

Auch wenn Ihr in persona Christi am Altar durch Euren Dienst das geistliche Opfer der Gläubigen in Einheit mit dem Opfer Christi vollendet, das durch Eure Hände in der Hl. Eucharistie vergegenwärtigt und dargebracht wird, müsst Ihr dennoch wie der Vorläufer des Herrn trotz aller Ehrungen, die Euch von Menschen entgegengebracht werden, mutig bekennen: „Ich bin es nicht.“ Auch wenn Ihr versprecht, den Armen und Notleidenden in ihrer Bedrängnis beistehen zu wollen, so seid es letztlich doch nicht Ihr, die ihnen aus aller Not heraushelfen können. Und dennoch sollt Ihr wie der Apostel Paulus alles vermögen in dem, der Euch die Kraft dazu gibt, und dem Euch täglich enger zu verbinden und selber Opfergabe zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen mit ihm zu werden, Ihr uns allen feierlich versprecht.
  
Mit uns Bischöfen sollt Ihr nicht nur Verkünder der Frohen Botschaft bis an die Grenzen der Erde sein, sondern auch treue Verwalter der heiligen Mysterien des himmlischen Vaters, damit sein Volk durch das Bad der Wiedergeburt erneuert und an seinem Altar genährt wird, die Sünder versöhnt und die Kranken zu ihrer Heilung gesalbt werden.

Erinnern wir uns doch an die Unterscheidung zwischen den Ständigen Diakonen und den Diakonen auf dem Weg zum Priestertum: Der Ständige Diakon wird zum Diakon geweiht und bleibt Diakon. Ihr werdet zu Priestern geweiht und bleibt Diakon. Bedenken wir auch, dass das Geschenk der Hl. Eucharistie auch eine Frucht des Mitleids ist, das unseren Herrn ergriffen hat, als er die Menschen sah, die wie Schafe waren, die keinen Hirten haben. Ihnen und uns hat er sich schließlich selbst zur Nahrung gegeben als das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.
   
Liebe Mitbrüder,

werdet seine Vorläufer und werdet Ihm mehr und mehr ähnlich, dessen Speise es war, den Willen des himmlischen Vaters zu tun!   Amen

    

[1] vgl. Röm 15,15f

[2] Joh 3,30