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Predigt zur Priesterweihe in St. Sebastian 2018

28.10.2018

-         es gilt das gesprochene Wort

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
liebe Ehefrauen, Familien, Freunde und Verwandte unserer Weihekandidaten,
liebe Weihekandidaten für den priesterlichen Dienst!

In irgendeinem alten Gebets- und Gesangbuch der Pfarrgemeinde, aus der ich stamme, mag er vielleicht noch zu finden sein. Der Gebetszettel mit einem Gebet um geistliche Berufe, um Berufungen zum Priestertum der Kirche. Auf dem Außenteil das Bild eines Priesters am Altar mit der Hostie in der erhobenen Hand. Im Innenteil das Gebet, das von Papst Pius XII. verfasst worden ist. Jeden Samstag hat es unser Pfarrer zusammen mit den Gläubigen nach der Feier der Hl. Messe gebetet. An den weiteren Inhalt kann ich mich kaum noch erinnern, aber eines habe ich nicht vergessen: In einer Art Aufzählung wurde gebetet um die Berufung von Menschen verschiedenster, bisweilen sogar recht gegensätzlicher Herkunft. Und als gewissermaßen klassisches Beispiel der Berufung wurde dabei die Bekehrung des Apostels Paulus genannt.

Als Ministranten hatten wir Wochendienst, und waren an jedem Tag zum Dienst am Altar eingeteilt. Der mit mir zusammen regelmäßig diesen Dienst versah, hatte schon einige Jahre vor mir den Weg zum Priestertum begonnen. Ihm habe ich seinerzeit auch die Frage gestellt, unter welchen Voraussetzungen man denn überhaupt wagen könne, diesen Weg zu beschreiten. Ich hatte ja inzwischen einen Metallberuf erlernt und war immer noch jung genug, um mir die Frage zu stellen, auf welche bestmögliche Weise ich künftig mit meinen Gaben und Fähigkeiten Gott und den Menschen dienen könnte.

Und ich stehe nach wie vor zu dem, was ich in meiner frühen Verkündigung vor allem an junge Leute immer wieder betont habe. Auch wenn keineswegs jeder Junge Priester werden und jedes Mädchen in einen Orden eintreten sollte, so müsste sich doch jeder junge katholische Christ einmal mit der Frage auseinandergesetzt haben, wozu ihn Gott mit seinen Gaben und Fähigkeiten im Leben einmal brauchen könnte.

 

Denn niemand kann sich ja einfach so entscheiden, „den Beruf des Priesters zu ergreifen“ – wie es noch der Vertreter der Pressestelle bei seiner Befragung der Kandidaten formulierte – wenn er nicht von Gott dazu berufen ist, wenn er nicht seinen Ruf gehört hat und bereit ist, ihm zu folgen. Und auch unter dem Begriff des „vir probatus“, der mittlerweile sogar bei manchen Nichtlateinern zu einer Art Schlagwort bei der Diskussion über den Priestermangel geworden ist, werden bisweilen doch recht vordergründige Ziele gemeint, die mit dem geistlichen Verständnis vom Priestertum der Kirche und seiner Wirksamkeit eher wenig zu tun haben.

 

Wann ist denn einer für das Priestertum erprobt? Etwa, wenn er schon ein höheres Maß an Jahren erreicht hat? Oder wenn er erst durch längere Zeit hindurch ein Suchender war? Oder gar wenn er vom sogenannten Leben erst einmal so richtig gebeutelt worden ist?

 

Jeder Mensch sollte sich doch einmal gänzlich unabhängig von einem religiösen Bekenntnis fragen lassen und versuchen, wenigstens sich selbst eine ehrliche Antwort darauf zu geben: Ob er nämlich akzeptieren kann, dass sich auf dieser Erde eben nicht alles erfüllt, was ihm in seinen Vorstellungen so vorschwebt. Und ob es nicht zutiefst menschenwürdig ist, um eines Gutes willen, das einer als höchstes erkannt hat, andere durchaus erstrebenswerte Güter hintanzustellen oder gar darauf zu verzichten.

Die Frage nach der priesterlichen Berufung ist aber zuerst und vor allem eine Frage nach dem Glauben aller Gläubigen, nämlich ob sie auf diesem Grund annehmen und glauben wollen, dass Gott seine Kirche auch in Zukunft auf Menschen gründen will, die den Ruf zur Nachfolge Christi, den Ruf zum geistlichen Dienst in der Verkündigung der Frohen Botschaft und zugleich bei der Vergegenwärtigung des Opfers Jesu Christi gehört haben und bereit sind, auf den Vorrang aller anderen noch so erstrebenswerten menschlichen Entfaltung zu verzichten.

Die Wortverkündigung dieses 30. Sonntag im Jahreskreis erscheint wie für den Tag der Priesterweihe zweier Diakone, die schon durch viele Jahre hindurch im Dienst der Verkündigung des Evangeliums gestanden und sich geistig und geistlich intensiv auf das Priestertum der katholischen Kirche vorbereitet haben, eigens ausgewählt.

Auch wenn es sich dabei nicht um die zentrale Aussage des Evangeliums vom blinden Bartimäus handeln mag, ist es doch mehr als bemerkenswert: ausgerechnet die, die sich da zunächst über den Blinden ärgern und ihm den Mund verbieten wollen, sind es schließlich, die ihn ermutigen, aufzustehen und loszugehen, weil Jesus ihn gerufen hat. Und der, der sich gerufen weiß, vermag alle bisherigen menschlichen Versicherungen hinter sich zu lassen – geringer dürfen wir die ausdrückliche Erwähnung vom Wegwerfen des Mantels nicht einschätzen. Nach solch einer Geschichte seiner Berufung, durch den Glauben zum Sehen, zum Schauen gelangt, reiht er sich ein in die Schar aller anderen Jüngerinnen und Jünger, die Jesus folgen.

Biblisch schattet sich da vor, was das Hochgebet bei der Eucharistiefeier zur Weihe der heiligen Öle am Gründonnerstag verkündet: Christus hat das ganze Volk Gottes ausgezeichnet mit der Würde eines königlichen Priestertums, aus ihm hat er in brüderlicher Liebe Menschen erwählt, die durch Auflegung der Hände teilhaben an seinem priesterlichen Dienst. Lange bevor dieses Gebet formuliert wurde, versichert es uns das Wort des lebendigen Gottes, das uns heute aus dem Hebräerbrief verkündet wurde: Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron. Aaron, so dürfen wir uns erinnern, der doch dem Mose beigesellt wurde, um an seiner Stelle zu reden.

Jesus Christus aber, der Abgesandte des Vaters, hat die Apostel in die Welt gesandt, um durch sie und ihre Nachfolger das Amt des Lehrers, Priesters und Hirten fortzuführen. Die Presbyter aber sind zu Mitarbeitern der Bischöfe bestellt. Mit diesen im priesterlichen Amt verbundenen sind sie zum Dienst am Volk Gottes berufen.

 

Die heutige Priesterweihe, liebe Schwestern und Brüder, ist also keineswegs als das Ergebnis in Zeiten des Priestermangels vielleicht verständlicher, aber letztlich doch eher recht kurzschlüssiger, pragmatischer Überlegung einer Ortskirche anzusehen. Die Dispens von der priesterlichen Verpflichtung zur Ehelosigkeit wurde vom Heiligen Vater nach eingehender Prüfung und im Einklang mit dem Wesen des kirchlichen Gesetzes gemäß seiner schon in viel früherer Zeit geübten Anwendung gewährt.

Die Priester sollen Christus dienen, dem Lehrer, Priester und Hirten, der seinen Leib, die Kirche, zum heiligen Tempel auferbaut und zum Gottesvolk macht.

Christus, dem ewigen Hohenpriester gleichgestaltet und den Bischöfen als Helfer im Priesteramt verbunden, werden sie zu wahren Priestern des Neuen Bundes geweiht, damit sie das Evangelium verkünden, das Volk Gottes leiten und dem Gottesdienst vorstehen, vor allen beim Opfer des Herrn.

 

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Weihekandidaten, wenn Ihr nun in die Gemeinschaft der Presbyter aufgenommen werdet, nehmt Ihr teil am Lehramt Christi, unseres Herrn und Meisters. Und was Euch bereits bei der Weihe zum Diakon mit der Überreichung des Evangeliars ans Herz gelegt wurde, wird heute nur noch vertieft:

Verkündet allen das Wort Gottes, das Ihr selbst mit Freude angenommen habt.

Ergreift im Glauben, was Ihr in den heiligen Schriften lest,

verkündet, was Ihr glaubt,

und erfüllt im Leben, was Ihr verkündet.

Ihr werdet teilhaben am Priesteramt Christi, um die Menschen zu heiligen. Denn durch Euren Dienst wird das geistliche Opfer der Gläubigen vollendet in der Einheit mit dem Opfer Christi, das durch Eure Hände bei der Feier des Heiligen Opfers Christi vergegenwärtigt wird.

Durch die Taufe gliedert Ihr Menschen in das Volk Gottes ein, durch das Sakrament der Buße lasst Ihr ihnen im Namen Christi und der Kirche die Sünden nach. Durch die Salbung mit dem heiligen Öl richtet Ihr die Kranken auf. Mit dem Stundengebet lobt Ihr den Herrn, sagt ihm Dank und tretet stellvertretend und bittend für das Volk Gottes ein und die ganze Welt.

Schließlich habt Ihr teil am Hirtenamt Christi, der das Haupt der Kirche ist. Dem Bischof gehorsam und verbunden mit ihm, erfüllt Ihr diesen Auftrag. Im Bild des Guten Hirten kommt die Verheißung des Alten Bundes, dass Gott sich wie ein Hirt und Vater um sein Volk kümmert, zur Vollendung.

Ganz und gar unabhängig voneinander habt Ihr Euch bereits durch Euren bisherigen Einsatz dazu bekannt und es ausdrücklich bezeugt: Mit Eurer Freude auf den gemeinsamen Weg mit den Schwestern und Brüdern in der Pfarrei auf Christus hin und auf das Wachsen in der Freundschaft mit ihm. Mit Eurem Willen, durch Euren Dienst als Priester dazu beizutragen, dass durch die Verkündigung der Frohen Botschaft möglichst viele zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus gelangen.

Aber eben auch durch Eure bleibende Bereitschaft, einmal zum Diakon geweiht, sich nach dem Beispiel des Guten Hirten nicht bedienen zu lassen, sondern zu dienen, und Euch Jesus Christus nicht nur in der Verkündigung des Wortes und bei der Feier der Hl. Eucharistie mit Eurer ganzen Person zur Verfügung zu stellen, sondern ihn auch immerfort selber im Gebet zu suchen und ihm noch in den Geringsten seiner Brüder und Schwestern, den Hilfsbedürftigen und Elenden aller Art gleichsam auf sakramentale Weise zu begegnen. Immer aber ohne nur ein einziges Mal unser gemeinsames ewiges Ziel aus dem Blick zu verlieren und alles, was Euch mit dem Priestertum aufgetragen und zum Lobe Gottes und zum Heil der Menschen aufgegeben worden ist, um der Rettung des Volkes Gottes und um des Himmelreiches willen zu tun.   Amen