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Portale

Das Nordportal, dessen Originalskulpturen sich im Inneren des Domes befinden, zeigt im Bogenfeld in drei Reliefreihen Stationen aus dem Leben Mariens: Verkündigung, Geburt Christ, Anbetung der Könige; darüber den Tod Mariens im Kreise der zwölf Apostel und Christus, die Seele seiner Mutter in Händen haltend; zuoberst die Krönung der Gottesmutter. Die Portalhochwand wird durch das „Thron Salomonis“ - Thema sowie zwei Tugendfiguren und sechs Propheten bestimmt. Das Türgewände trägt Figurenkonsolen mit den Heiligen Elisabeth von Thüringen, Kaiserin Adelheid (wegen ihrer Unterstützung beim Bau des ottonischen Domes) sowie Ulrich und Afra. Am Mittelpfeiler steht eine Muttergottes, auf deren Konsole der Stifter des Portales, Konrad von Randegg, zwischen Engeln und der Beginn der Bauinschrift angebracht ist (1343).


Südportal des Mariendomes
Südportal des Mariendomes

Die Skulpturen gehören deutlich erkennbar zwei verschiedenen Zeiten an. Die zum Thron Salomonis gehörenden Bildwerke tragen die Handschrift der am Südportal tätigen Künstler.

Das Südportal öffnet sich als Vorhalle, in deren Mitte wiederum die Patronin des Domes auf dem Mittelpfeiler steht. Das dreireihige Bogenfeld verkündet ausführlich die Geschichte Mariens mit einer Überfülle von kleinen Figuren unter zierlichen Baldachinen (Beginn: unten links): Joachim im Tempel, Verkündigung an Anna und Joachim, Begegnung an der goldenen Pforte, Geburt Mariens, Mariä Tempelgang, Maria bei den Tempeljungfrauen, der blühende Stab Josephs, Eheschließung, Verkündigung, Heimsuchung, Maria eröffnet sich Joseph, Christi Geburt, Beschneidung; mittlere Reihe: Anbetung, Darstellung im Tempel, Kindermord, Flucht nach Ägypten, Götzensturz in einem ägyptischen Tempel, die Eltern suchen Jesus, Jesus bei den Schriftgelehrten, Tod Josephs, Tod Mariens, Apostel tragen Mariens Sarg, Bestattung; obere Reihe: Himmelfahrt und Krönung.

Ikonographisch zugehörig sind dicht gedrängt 36 Sitzfiguren der Vorfahren Christi auf Baldachinkonsolen in den Archivolten zu sehen. In der Quertonne darüber erkennt man 24 Propheten und Patriarchen. Die Türgewände nehmen die Apostel auf mit den Wappenschilden Augsburger Zünfte und Stifterfamilien, die maßgeblich an der Errichtung des neuen Ostchores beteiligt waren. Der Sockel des Hl. Andreas im östlichen Gewände trägt das Wappenzeichen der Baumeisterfamilie Parler. Auf der Stirnseite des westlichen Strebepfeilers steht eine Schutzmantelmadonna, daneben eine nicht identifizierbare gekrönte Heilige; als Pedantgruppe eine erneuerte Verkündigung. Darüber sieht man vier Bischofsfiguren und zuoberst das Jüngste Gericht (erneuert). Reste farbiger Fassungen lassen die ursprüngliche Pracht dieses Marienportals nur mehr erahnen (1356). Die Löwenkopfgriffe auf den neugotischen Türen sind Abgüsse der bronzenen Originale aus dem 12. Jh. Der Stil der Figuren geht auf die Frauenkirche (Heiligkreuzmünster) in Schwäbisch Gmünd zurück, die seit 1351 durch Heinrich Parier einen neuen Chor erhielt. Dessen Portale entsprechen in der Disposition dem Augsburger Südportal.

Text von Msgr. Werner Schnell aus „Der Dom zu Augsburg“,
Kunstverlag Peda Passau, Sankt Ulrich Verlag Augsburg; 1997.
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