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Westkrypta

Die Simpert-Krypta unter dem Westchor des Mariendoms
Die Simpert-Krypta unter dem Westchor des Mariendoms

Die Westkrypta unter dem romanischen Westchor des Doms - geweiht zu Ehren der Apostelfürsten Petrus und Paulus (Petrusfigur, Tessin 15. Jh.) - wurde im älteren westlichen Teil als Vierstützenanlage mit reicher Nischenbildung (noch im späten Mittelalter standen hier Altäre) in ottonischer Zeit errichtet. Zahlreiche ausgegrabene Fragmente von Stuckornamenten, wie sie von Chorschranken aus bayerischen Kirchen der Karolingerzeit bekannt sind, weisen auf die unter Bischof Simpert überlieferte Bautätigkeit hin. Aus dem karolingischen Dom stammt auch die jetzt als Antependium dienende ehemalige Chorschrankenplatte mit Radkreuz und pflanzlichen Motiven in prächtiger Flechtbandornamentik.

In der östlichen Apsis wird nach frühchristlicher Tradition das mütterliche Gnadenbild des Domes verehrt, eine romanische alpenländische Madonna mit Kind als „Thron der Weisheit“ (in vielen Apsiden seit dem 5. Jh. Zeichen der Menschwerdung Gottes).

Die Mitte des unterirdischen Raumes ist durch eine im Boden liegende Gedächtnisplatte für Bischof Simpert († 807), nach Ulrich und Afra der dritte Patron des Bistums, gekennzeichnet (Künstler: Fons Dörschug). Sein Attribut, ein Wolf mit Kind im Maul, erinnert an ein Wunder, wonach auf Anrufung des Heiligen ein durch einen Wolf geraubtes Kind wieder unversehrt zurückgebracht wird. Von dieser Stelle aus fällt der Blick durch eine nachträglich geschaffene Öffnung im Gewölbe auf den vergoldeten gotischen Schlussstein des Westchores mit dem Bild der Gottesmutter. Freskenfragmente aus dem 13. - 16. Jh. weisen auf eine vollständige Ausmalung der dunklen Räume mit Darstellungen der göttlichen Personen, Mariens und der Heiligen hin. In der jüngeren Ostkrypta wurde eine neue Grablege für die Augsburger Bischöfe geschaffen: unter der ersten Grabplatte mit Himmel-Erde-Symbolik, Ostersonne und Herrlichkeit Gottes ruht Erzbischof Josef Stimpfle (Bischof von Augsburg 1963 - 1992) (Künstler: Felix J. Landgraf).

Text von Msgr. Werner Schnell aus „Der Dom zu Augsburg“,
Kunstverlag Peda Passau, Sankt Ulrich Verlag Augsburg; 1997.
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