Vor 200 Jahren starb Clemens Wenceslaus von Sachsen, 1788 – 1812 Fürstbischof von Augsburg

24.07.2012 14:26

Clemens Wenceslaus von Sachsen, „…einer der erfreulichsten Kirchenfürsten der untergehenden Reichskirche…“ (Peter Rummel), verstarb mit fast 73 Jahren am 27.7.1812 in Marktoberdorf, wo er auch beerdigt wurde. Der Ort widmet dem Toten derzeit eine Ausstellung. Der Sterbeeintrag findet sich in den Pfarrmatrikeln von Marktoberdorf, die im Archiv des Bistums Augsburg lagern.

Am 28.9.1739 wurde Clemens Wenceslaus als 13. von insgesamt 14 Kindern des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs Friedrich August und dessen Ehefrau Maria Josepha, einer Tochter Kaiser Josephs I., geboren. 1759 trat er in die österreichische Armee ein, auf deren Seite er an der Schlacht von Torgau teilnahm. Clemens Wenceslaus erreichte den Rang eines General-Feldmarschall-Leutnants, doch entschied er sich 1761 für den geistlichen Stand.

1763 erfolgte seine Wahl zum Fürstbischof von Freising und von Regensburg, 1764 die Priesterweihe und die Wahl zum Koadjutor des Bischofs von Augsburg mit dem Recht der Nachfolge sowie 1766 die Bischofsweihe. 1768 wurde er zum Erzbischof und damit auch Kurfürsten von Trier gewählt und im selben Jahr trat er die Nachfolge des verstorbenen Augsburger Fürstbischofs Joseph Landgraf von Hessen an. Dafür resignierte er die Bistümer Freising und Regensburg. 1770 wurde der „königliche Prinz in Polen“ Koadjutor des Fürstpropstes von Ellwangen, Anton Ignaz von Fugger-Glött und 1787 folgte er diesem im Amt nach.

Der vielseitig gebildete, im Alltag recht anspruchslose Clemens Wenceslaus liebte als Fürst Prachtentfaltung und höfische Feste; er ließ das Schloß im Koblenz, seiner Lieblingsresidenz, erbauen. Zunächst regierte der Kurfürst im Sinne eines gemäßigten aufgeklärten Absolutismus´, wobei er sich um den Abbau der Staatsschulden und die Durchführung lange fälliger Reformen bemühte. Unter dem Eindruck der französischen Revolution schlug er dann einen konservativeren Kurs ein, der 1794 sogar zur Entlassung Johann Michael Sailers als Professor in Dillingen führte.

1792/93 residierte der Kurfürst als Flüchtling vor der französischen Revolutionsarmee in Augsburg und 1794 verließ er - kriegsbedingt - das Erzbistum Trier endgültig. Nach dem Frieden von Luneville mußte Clemens Wenceslaus auf seine bischöflichen Rechte in der linksrheinischen Gebieten des Erzbistums verzichten, und im Zuge der Säkularisation verlor er seine weltlichen Herrschaftsrechte. Allerdings erhielt er eine angemessene Versorgung und die lebenslange Nutzung der Residenz in Augsburg und der Schlösser Hindelang und Marktoberdorf. Kurzzeitig wurde er als neuer Erzbischof von München ins Auge gefasst.

Bereits im Januar 1812 lebensgefährlich erkrankt, dann aber vorübergehend genesen, verstarb er am Morgen des 27. Juli 1812 im Schloß von Marktoberdorf. Auf dem dortigen Friedhof fand er am Chor der Pfarrkirche sein Grab; dieses wurde elf Jahre später mit einer Kapelle überbaut. Sein Herz aber ruht in der Krypta der ehemaligen Klosterkirche von St. Ulrich und Afra in Augsburg.

 

 

Abschrift:

Archiv des Bistums Augsburg, Matrikeln Marktoberdorf 4, Sterbefälle 1772 – 1817, 99:

 

N[ota] b[ene]

 

Den 27ten July 1812(a) dieses Jahrs starb hier in seinem 73ten Lebensjahre

weiland Se[in]e(b) kurfürst[liche] Durchlaucht (c)Clemens Wenceslaus(c1), (d)Kurfürst und(d) Erzbischof von Trier,

(e)Fürstbischof von Ellwang und Augsburg, königlicher

Prinz aus Pohlen (f)p[erge] p[erge](f) mit allen h[ei]l[igen] Sterbsakramenten durch hießigen Local-

Pfarrer H[er]rn Joan[nes] Evang[elist] Ried(2) versehen; sein höchstsel[iger] Leichnam wurde seccirt

und seine Krankheit als Gelbsucht und Scorput befunden: Drey Tage lag er

in der Pfarrkirche auf dem Chore im Paradebethe und wurde endlich am

4ten August durch Fürsten von Hohenloh(3) als Weihbischof in solemner Procession

durch den Markt getragen und(g) in Begleitung des könig[lichen] General-Kreisscom[m]issariats-

personale von Kempten, der angränzenden Landgerichte , des ganzen Forst-

personale, aller Hofchargen, der gesa[m]mten Kapitel-oberdorfischen Geistlichkeit

samt 4 – 5 Deputirten aus 6 umliegenden Kapiteln, geschmükt durch 200

Nationalgardisten zu Fuß und zu Pferd, in Beysein einer außerordentlichen

Menge Volkes an die Chor-Spitze des Pfarrgotteshauses beygelegt-.

Wie sein Wandel, so war sein Tod, d[as] i[st] from[m] und heilig-.

Ecclesia derelicta plorat, viduae ullulant, pupilli gemunt,

pauperes contristantur, pii precantur – ploratus et ullulatus magnus,

et nolunt consolari, quia non est.

Requiescat in pace Dei!

 

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b) Wort doppelt unterstrichen

c-c) Wörter hervorgehoben und rot unterstrichen

d-d) Wörter über der Zeile eingefügt

e) davor Wörter gestrichen

f-f) bedeutet soviel wie: und so weiter

g) Wort über der Zeile eingefügt

 

1) Clemens Wenceslaus, Herzog von Sachsen, 1739 – 1812, 1763 – 1768 Fürstbischof von Regensburg und Freising, 1768 – 1801 Erzbischof und Kurfürst von Trier, 1768 – 1812 Fürstbischof von Augsburg

2) Johann Evangelist Ried, 1745 – 1812, 1800 – 1812 Pfarrer von Marktoberdorf

3) Franz Karl Joseph Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, 1745 – 1819, 1804 – 1818 Weihbischof in Augsburg, 1818 zum Bischof von Augsburg nominiert, starb vor der Inbesitznahme des Bistums