Interview

Frauen verändern das Gesicht der Kirche

19.12.2018 10:01

„Kirche im Mentoring“ ist ein Projekt der Deutschen Bischofskonferenz, das Frauen für die Übernahme von Führungspositionen fit machen will. Kirchliche Mitarbeiterinnen werden dabei ein Jahr lang von einer erfahrenen Führungskraft begleitet. Die Diözese Augsburg startete das Programm in diesem Sommer mit zwei „Tandems“. Heidelinde Hentschke und Dr. Ulrich Hörwick sind eines davon.

Eines von zwei „Tandems“ in der Diözese Augsburg: Heidelinde Hentschke und Dr. Ulrich Hörwick (Foto: Simone Zwikirsch / pba)

 

Frau Hentschke, Herr Dr. Hörwick, wie wichtig sind Frauen in Leitungspositionen für die Kirche?

Hörwick: So wichtig, wie überall anders auch. Mir scheint es unstrittig, dass das Gelingen einer Leitungsposition nicht geschlechterabhängig ist. Besonders die Kirche wird als Organismus wahrgenommen, der seit 2000 Jahren von Männern regiert wird. Darum ist es jetzt sicher an der Zeit, Positionen auch hier, ohne geschlechterspezifische Unterscheidung, nach Fähigkeiten zu besetzen.

Hentschke: Ich denke auch, dass Frauen in Leitungspositionen, sei es innerhalb oder außerhalb der Kirche, das Gesicht einer Organisation verändern. Sie bringen andere Talente und Wahrnehmungen mit als Männer. Da ist es doch nur klug, das eine mit dem anderen zu ergänzen.

 

War das der Grund, warum Sie sich für das Mentoring-Programm beworben haben?

Hentschke: Nein, nicht direkt. Als Ausbildungsleiterin bin ich ja schon in einer, wenn auch kleinen Leitungsposition. Mir ging es bei dem Programm eher darum, innerhalb meiner Funktion durch einen Mentor begleitet zu werden, zu wachsen und von Erfahrungen zu profitieren.

 

Wie funktioniert das Mentoring-Programm genau?

Hörwick: Es gibt zunächst den Rahmen der Deutschen Bischofskonferenz. Dieser sieht drei große Treffen auf Bundesebene vor, die hauptsächlich zur Reflexion dienen. Wir hier treffen uns regelmäßig und arbeiten an konkreten Ereignissen, die Frau Hentschke in ihrem alltäglichen Leitungshandeln begegnen. Ich von meiner Seite speise zusätzlich typische Leitungsthemen ein, von denen ich glaube, dass sie wichtig sind. Und aus beiden Teilen schneidern wir eine gute Mischung.

Hentschke: Teil des Programms ist auch ein sogenanntes Mentee-Projekt, an dem ich im Laufe des Jahres arbeite und bei dem mir Dr. Hörwick beratend zur Seite steht. In meinem Projekt geht es um die Einführung des Freiwilligen Sozialen Jahres in der Pastoral und den Pfarreien.

 

Sie beide sind ja ein geschlechterübergreifendes Tandem. Widerspricht es nicht der Idee des Programms, dass eine Frau von einem Mann gecoacht wird?

Hentschke: Ich sehe das eher als eine Bereicherung, auch die männliche Sicht der Dinge in den Blick nehmen zu können.

Hörwick: Mir geht es ähnlich. Ich finde es spannend und auch gut, eine Rückmeldung aus weiblicher Sicht zu bekommen. Das ist doch wertvoll. Dazu gehört natürlich auch ein ordentliches Maß an Professionalität, die Unterschiede annehmen zu können und damit konstruktiv ins Gespräch zu kommen. Aber auch das ist Leitungslernen.

 

Frau Hentschke, Sie als eine der beiden ersten „Mentees“ im Bistum: Was würden Sie Frauen mit auf den Weg geben, die die Karriereleiter nach oben klettern wollen?

Hentschke: Ich glaube, das ist eine sehr persönliche Sache. Das eine, was ich mitgeben kann ist, sich grundsätzlich mit dem Führungs- und Leitungsgedanken zu beschäftigen und zu überlegen, ob man sich das zutraut. Und wenn man das für sich bejahen kann, auch mal die Chance zu ergreifen und sich auf so eine Stelle bewerben.

Hörwick: Hier möchte ich noch etwas anfügen, was für Männer und Frauen in gleicher Weise gilt: Ich glaube nicht, dass es wesentlich ist, sich zu fragen, wie man die Karriereleiter aufwärts kommt. Für mich ist es viel wesentlicher zu fragen, was für Talente, Fähigkeiten und Stärken ich habe, wozu ich mich fähig und willens fühle und was ich inhaltlich voranbringen möchte. Leiten heißt in erster Linie dienen. Und wer nicht in eine Diensthaltung treten will, ist beim Leiten an der falschen Stelle. 

Simone Zwikirsch

 

Heidelinde Hentschke ist Ausbildungsleiterin für Gemeindereferentinnen im Bistum Augsburg. Dr. Ulrich Hörwick leitet die Stabstelle „Errichtung und Entwicklung von Pfarreiengemeinschaften“. Das zweite Tandem bilden Marlene Gölz, Bildungsreferentin der KJG und Maria-Anna Immerz, Theologische Referentin im Generalvikariat und Diözesanbeauftragte für Rundfunk und Fernsehen.