City-Pastoral

Die Anti-Stress-Adresse: „Divano“ – ein neuer Ort der Begegnung in Friedberg

29.11.2019 09:00

Wo ist ein Café kein Café, und wo nimmt unter Umständen der Stadtpfarrer selbst die Bestellungen auf? Richtig – im „Divano“, dem neugestalteten Gemeindezentrum der Pfarrei St. Jakob in Friedberg.

Die Leiterin des „Divano“ Christine Schmitz freut sich auf viele Begegnungen und Gespräche. (Fotos: Julian Schmidt / pba).

Einige Tage nach der Eröffnung durch Monsignore Harald Heinrich sitzt Christine Schmitz in „ihrem“ Divano und erzählt von den Begegnungen, die sie bereits hatte. Da ist zum Beispiel die junge Mutter, die zuhause keine Ruhe und mit ihrem Sohn eben diese im „Divano“ findet. Dort können die beiden stundenlang miteinander spielen, plaudern, kuscheln. Zuletzt errichtet der Bub seiner Mutter stolz einen mächtigen Kissenturm: „Das ist der Anti-Stress-Turm, Mama!“

Christine Schmitz muss lachen: Genau so habe sie sich den Betrieb im Divano vorgestellt. Denn dieser Ort ist nicht irgendein Café, sondern das neueste Projekt der Stadtpfarrei St. Jakob. Unter ihrer Leitung sollte im Pfarrzentrum ein Raum geschaffen werden, in dem Jung und Alt, Arm und Reich, Neubürger und Alteingesessen sich ganz offen und frei begegnen können – ein Ort des Zueinander- und Zur-Ruhe-Kommens mitten in der Stadt.

Fünf Jahre Planung, drei Monate Bauphase und tausende Stunden Arbeitszeit stecken in dem Projekt, erklärt Stadtpfarrer Steffen Brühl. Noch unter seinem Vorgänger beschloss der Pfarrgemeinderat, sich für die Menschen am Rand stärker öffnen zu wollen – Menschen, die es auch im reichen Friedberg gibt.

Heute steht mit dem Divano ein elegantes „Café“ im Pfarrzentrum. Kunst, Kultur und „Spirit“ sollen sich zu einer gemeinsamen Einheit zusammenfinden. Hier können Menschen sich ganz ohne Konsumdruck treffen, eine Tasse Kaffee auf Spendenbasis genießen, Zeitung lesen, mit ihren Kindern spielen, alten und neuen Freunden begegnen oder niederschwellig und diskret Hilfe in Anspruch nehmen.

Und wie es mit so einem großen Projekt ist: Es ist noch lange nicht abgeschlossen. Während Christine Schmitz noch die Geschirrschubladen neu einsortiert, nimmt Pfarrer Brühl bereits Bestellungen auf und fragt nach, was man beim Kaffee geschmacklich noch optimieren könnte.

Im Hintergrund lernen Teenager, werden Asylbewerberinnen als ehrenamtliche Hilfskräfte eingelernt, trifft sich die Friedberger Gehörlosengruppe zum Gebärdenstammtisch. Und im namensgebenden Divan-Sitzeck warten schon die Kissen: Vielleicht braucht ja schon bald die nächste Mama einen Anti-Stress-Turm.

Julian Schmidt

 

Das Divano befindet sich in der Pfarrstr. 1 in Friedberg und wurde am 21. November eingeweiht. 

Mehr Infos unter: www.divano-friedberg.de