00:34:19
00:34:19
00:34:19

Interview über Sterben, Tod und Bestattungskultur

Die Theologin Gerda Riedl, Leiterin der Hauptabteilung Grundsatzfragen, über einen "Schatz an Begleitung und Trost“

10.02.2017

Frau Prof. Dr. Riedl, kann es sein, dass unsere heutige Gesellschaft ein Problem mit dem Sterben hat? 

Ein Problem mit dem Sterben haben Menschen zu allen Zeiten. Es ist vielleicht die größte Herausforderung, die jeder Mensch in seinem Leben zu bewältigen hat. Während man früher mit Sterben und Tod auf vielfältige Weise konfrontiert war, neigt unsere Gesellschaft zur Ausgrenzung und Verdrängung dieser unausweichlichen Realität.

Und deshalb haben Sie einen Flyer* zur katholischen Bestattungskultur herausgebracht? 

Ja, wir wollten dazu ermutigen, sich darüber Gedanken zu machen, wie weit der persönliche Glaube in einer solchen Extremsituation trägt, welche Konsequenzen das für Sterbebegleitung und dann auch die Feier des Begräbnisses haben kann. Und der Schatz an Begleitung und Trost, der uns in solcher Not zur Verfügung steht, sollte in Erinnerung gerufen werden: Dies gilt nicht zuletzt für die einschlägigen Gebete im Gotteslob, die in konkreten Sterbe- und Trauersituationen schnell verfügbar sind und dann, wenn Worte oft fehlen, ein wenig Halt und Hoffnung geben können. 

Wie könnte denn die Gestaltung der Begräbnisfeier dazu beitragen, den Aspekt der Hoffnung für die Hinterbliebenen zu akzentuieren? 

Wir beten gemeinsam den Totenrosenkranz oder die Totenvesper, stärken damit die trauernden Angehörigen und bitten für den Verstorbenen, dass ihm die Gegenwart Gottes geschenkt wird; wir feiern die heilige Messe für den Verstorbenen als Vorgeschmack auf die himmlische Gemeinschaft und bestatten seinen Leib in einem namentlich gekennzeichneten Grab in der Glaubenshoffnung auf ein Wiedersehen mit ihm. 

Und gleichzeitig ist heutzutage vielerorts ein Wandel der Bestattungskultur festzustellen … 

Motivbild: Sonja Haller / pba
Motivbild: Sonja Haller / pba

Früher war man in einem Trauerfall vieler Entscheidungen enthoben: Es gab bei der Überführung des Leichnams eine Aussegnungsfeier, bis zum Begräbnis versammelten sich Angehörige und Freunde jeden Tag zum Totenrosenkranz, die Gemeinde feierte ein Requiem und anschließend wurde während der Begräbnisfeier der Sarg in die Erde gesenkt. Man machte, was halt üblich war, ohne in jedem Fall die tieferliegende Symbolik dieser Feiern und Gebete bis ins Letzte zu verstehen. Heute ist der Einzelne angesichts der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten bisweilen heillos überfordert: Sterberosenkranz ja oder nein, Erd- oder Feuerbestattung, Requiem oder bloße Trauerfeier in der Aussegnungshalle, anonyme Bestattung oder eine namentlich gekennzeichnete Grablege ... Für uns Christen stellt sich gerade angesichts des Todes die entscheidende Frage: Glaube ich der Verheißung „Dann werden wir immer beim Herrn sein“ (2 Thess 4,17)? Wir – also alles, was und wer mir lieb und teuer ist? Gemeinsam beim Herrn? Glaube ich das? Wenn ja, dann hat das Konsequenzen bis hin zum Umgang mit dem Sterben und dem Tod. 

Die bevorzugte Beisetzung in der katholischen Kirche ist nach wie vor die Erdbestattung. Warum ist das so? 

Sehr früh haben Christen die weit verbreitete Leichenverbrennung strikt abgelehnt: Sie entsprach nicht dem Beispiel Jesu, dessen Leichnam ins Grab gelegt wurde und der vergleichbar dem in die Erde eingesenkten Weizenkorn durch seinen Tod reiche Frucht brachte (vgl. Joh 12,24). Wie der Apostel Paulus betont, gehen wir in der Taufe eine so enge Schicksalsgemeinschaft mit Christus ein, dass wir sagen können: „Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn“ (Röm 6,8 f). Dies drücken wir durch die Erdbestattung besonders sinnfällig aus.

Maria Steber 

 *) Der neue Flyer wurde an alle Pfarreien im Bistum Augsburg verschickt. Er kann vor Ort oder über die Poststelle des Bischöflichen Ordinariats, Fronhof 4, 86152 Augsburg, bezogen werden.