Krankenpastoral

Eine Form gelebter Caritas

29.11.2019 09:00

„Warum ich? Wieso jetzt?“ – Fragen wie diesen begegnet Angelika Maucher immer wieder. Sie leitet die Kranken- und Krankenhausseelsorge unseres Bistums. Ihre Abteilung besteht aus rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Eine Form gelebter Caritas“, beschreibt sie das Wirken der Krankenpastoral.

Angelika Maucher, Leiterin der Kranken- und Krankenhausseelsorge. (Foto: Karl-Georg Michel / pba)

In der etwas sperrigen Doppelbezeichnung dieser Abteilung des Seelsorgeamts, die überall im Bistum tätig ist, wird bereits deren Aufgabenfeld deutlich. Angelika Maucher: „Wir sind für die Kranken genauso da wie für deren Familien, aber auch für das Personal in Kliniken und Krankenhäusern.“

Eines ist ihr dabei ganz wichtig: „Wir sind in unserer Seelsorge, in unserem Dienst am Menschen nicht so normiert wie sonst das Gesundheitswesen“, betont sie. „Wir durchbrechen sozusagen das System. Bei uns muss sich nichts rechnen. Jeder Mensch hat seinen je eigenen Wert, unabhängig von seinem Gesundheitszustand oder seiner Leistungsfähigkeit.“

Deshalb sei die Arbeit ihrer Teams sehr geschätzt, gerade auch vom Pflegepersonal. „Viele sind froh, dass wir uns als Kirche Zeit für die Menschen nehmen können. Unser Dienst ergänzt die anderen Berufe im Gesundheitswesen.“ Krankheit betreffe ja den ganzen Menschen: „Körper, Seele und das soziale Umfeld. Oft werden dadurch Lebens- und Glaubensfragen aufgeworfen.“

Angelika Maucher spricht aus Erfahrung. Jahrelang war sie selbst in der Klinikseelsorge tätig. „Mit Aushalten und da sein, auch wenn man vieles nicht erklären kann. Selbst dann, wenn der bisher gelebte Glaube, wenn das eigene Gottesbild in Frage gestellt wird“ – das ist ihr sehr wichtig. 

Und noch etwas: Die Abteilung ist auch für Ehrenamtliche und kranke Menschen über den Krankenhausaufenthalt hinaus da. Hier sind Frau Maucher Vernetzungen wichtig, zum Beispiel mit Sozialstationen, ambulanten Palliativ- und Hospizdiensten, auch mit der Trauerpastoral. Im Krankenhaus sei es einfacher, nah am Menschen zu sein, weil Kirche dann dort ist, wo  Kranke sind. In den Pfarreien und Ortschaften sei es oft schwerer, die Menschen zu erreichen. „Wissen wir überhaupt, wer Beistand braucht, für wen ein Besuch hilfreich wäre oder wem wir die Krankenkommunion bringen können?“, fragt sie deshalb.

Aber genau dazu seien wir als Christen in die Welt gesandt. „Ich war krank und ihr habt mich besucht“, zitiert sie aus den Seligpreisungen. Deshalb werden Ehrenamtliche geschult und begleitet. Mit dem Haus Tobias in Augsburg gebe es sogar ein eigenes Bildungs- und Begegnungszentrum mit einem vielfältigen Angebot im Bereich Aus- und Fortbildung, fachliche Begleitung, Netzwerk Traumahilfe und Seelsorge für Berufe im Gesundheitswesen. 

Karl-Georg Michel