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Schulwerk

Klassenziel erreicht - Schüler in St. Ottilien stellen Lehrern und Unterricht ein ordentliches Zeugnis aus

01.06.2017

Für die 700 Schülerinnen und Schüler des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums in St. Ottilien ist heuer wohl ein Traum in Erfüllung gegangen. Denn sie durften – und zwar ganz offiziell – erstmals ihre Lehrer bewerten. In St. Ottilien erhalten heuer nicht nur die Schüler Noten, sondern auch die Lehrer: ein „trifft zu“ für den respektvollen Umgang des Mathelehrers oder ein „trifft eher nicht zu“ für dessen faire Benotung. Abgefragt wurden die Bereiche Klarheit, Disziplin, Motivation, Hausaufgaben, Prüfungen und die Schüler-Lehrer-Beziehung. Das erfreuliche Ergebnis: Alle Lehrer haben „das Klassenziel erreicht“.

Schuldirektor Michael Häußinger ist deshalb zufrieden mit dem Verlauf des Projekts, das in den vergangenen Jahren gründlich vorbereitet wurde: „Nicht nur auf die gute Idee kommt es an, sondern auch auf die Umsetzung.“ Wichtig sei ihm von Anfang gewesen, dass alle Beteiligten davon überzeugt sind. Nur was organisch wachse, werde auch wirksam, betont Häußinger.

Die Idee zu diesem Projekt kam aus dem Elternbeirat, das Schulwerk der Diözese war ebenso eingebunden wie Schulpädagogik-Professor Klaus Zierer von der Universität Augsburg und Direktorin Karin Oechslein vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung. 

Und auch die Lehrerinnen und Lehrer zeigten eine große Offenheit. Beim einen oder anderen musste zwar noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, bestätigt Georg Kagerer von der Mitarbeitervertretung, der selbst Lehrer ist. Die anfängliche Skepsis sei aber längst in Akzeptanz umgeschlagen. Und das nicht nur, weil das über die Lehrkraft gefällte Schüler-Urteil den für die Lehrer-Beurteilung zuständigen Schulleitern weder zugänglich noch beurteilungsrelevant ist.

Schuldirektor Michael Häußinger ist es wichtig, zu betonen: „Es geht nicht um Bewertung, sondern darum, über den Unterricht zu reden und dadurch dessen Qualität zu verbessern.“ Welche Rückmeldungen bekämen Lehrer denn sonst außer bei der Abiturfeier oder von Ehemaligen? 

Die Schüler mussten verständlicherweise nicht lange gefragt werden. „Viele haben den Fragebogen als Chance gesehen“, sagt Schülersprecher Julius Echinger aus der 11. Jahrgangsstufe. Zudem lernten sie dadurch, konstruktiv Feedback zu geben. Eine launige Anleitung, wie das genau funktioniert, gaben er und die beiden anderen Schülersprecherinnen Julia Eckert und Sophia Gruber bereits vor Ausfüllen des Fragebogens.

Neben einem Brief an alle Schüler drehten sie einen Kurzfilm und erklärten, wie ihre Mitschüler an die Sache herangehen sollen: Sich nicht beim Lehrer einschleimen, es ihm aber auch nicht heimzahlen. Keine Null-Bock-Stimmung an den Tag legen, nicht bei den Mitschülern abschreiben und sie nicht beeinflussen: fünf Regeln, aus Schülermund und nicht von der Schulleitung verordnet.

Für Joachim Hanke, der als Mitglied des Lehrerkollegiums und Bindeglied zwischen Lehrerschaft, Schulleitung und Schulwerk das gesamte Projekt koordinierte, steht fest, dass die Schüler mit großer Ernsthaftigkeit mitmachten und so die Grundlage für künftige Lehrer-Schüler-Gespräche legten. Es sei ein großes Verdienst dieser vorbereitenden Maßnahmen gewesen, dass es „nur ganz wenige Entgleisungen“ bei den Antworten gab. Geredet wurde jedenfalls viel über das Projekt und dessen Ergebnisse – im Vorfeld auf dem Schulhof, aber auch danach im Unterricht. 

Nicolas Schnall