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Porträt

Spezialist der Menschlichkeit - Erwin Helmer, Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), geht nach 40 Jahren in den Ruhestand

27.07.2018

Nah bei den Menschen, den Arbeitern und Benachteiligten: Genau dies wollte Diakon Erwin Helmer in seiner 40-jährigen Tätigkeit bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, der Christlichen Arbeiter- Jugend und der Betriebsseelsorge immer sein. Ende Juli wird er seinen Ruhestand antreten. Doch langweilig wird ihm dabei wohl nicht werden. „Ich werde als Betriebsseelsorger in Augsburg weiterhin aktiv sein und auch in meiner Heimatpfarrei in Weilheim als Diakon im Einsatz bleiben“, schildert Helmer. „Teilabschied“, nennt es Erwin Helmer selbst: „Ich verabschiede mich vom Leitungsamt hin zur Seelsorge. Ich hoffe dadurch mehr Zeit für die Menschen zu haben“, betont er. 

Die Arbeit mit und für die Menschen war für Helmer seit seiner Jugend prägend. Schon als Jugendlicher war er in der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ) aktiv. Dort habe er gelernt, dass der Mensch mehr wert ist als alles Geld der Welt. Ein Gedanke, der ihn all die Jahre hindurch leitete. Die Person hinter der Leistung zu sehen, war sein Ziel in seinem vierzigjährigen Tun. „Mir war immer die Nähe zu den Sorgen, Nöten und Ängsten der Menschen wichtig“, sagt der Diözesanpräses. 

Erreicht hat er dies in vielfacher Weise. „Wir haben uns für den Mindestlohn und die Verbesserung der Leiharbeit eingesetzt, wir unterstützen Beschäftigte, die keinem Tarifvertrag unterliegen, kämpfen für eine Anhebung der Rente und vor allem gegen prekäre Arbeit“, so Helmer. Die Begleitung von Betriebs- und Personalräten sei ebenfalls ein großer Schwerpunkt in der Betriebsseelsorge. „Bei Prozessen vor Gericht stehen wir regelrecht hinter ihnen, denn diese Situation ist äußerst belastend für sie.“

Wenn man Erwin Helmer nach einem besonders schönen Erlebnis fragt, fällt ihm sofort der 25. Mai 2017 ein. „Wir haben zwei verkaufsoffene Sonntage in Augsburg gekippt. Am 25. Mai fiel damals die Entscheidung dazu“, erinnert er sich. „Seither haben mehrere tausend Verkäuferinnen und Verkäufer zwei Sonntage mehr im Jahr frei.“ Ein schelmisches Schmunzeln huscht dabei über sein Gesicht. „Ein riesen Erfolg für uns“, betont der Diakon und schmunzelt erneut. Er schmunzelt oft, wenn man mit ihm spricht. 

In der Bibel sieht Erwin Helmer in vielem die Basis seines Engagements: „Schon beim Propheten Amos gab es die gleichen Probleme wie heute: Reiche werden immer reicher und Arme immer ärmer. Aber Gott steht auf der Seite der Armen“. Die Kirche habe deshalb den Auftrag, sich für die Armen stark zu machen. Als Diakon und Betriebsseelsorger wird Helmer dies auch im Ruhestand tun. Die Kraft dafür schöpft er in seiner Freizeit: beim Gebet, bei seiner Familie und in der Natur.  

Maria Steber