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Interview

Türöffner für Wege der Neuevangelisierung

27.07.2018

Die Leiterin des Instituts für Neuevangelisierung, Dominikanerschwester Dr. Theresia Mende, nahm jüngst gemeinsam mit einer 73-köpfigen deutschsprachigen Gruppe, zum Großteil aus dem Bistum Augsburg, an der internationalen „Divine Renovation-Konferenz. Das Thema im kanadischen Halifax war „Neuevangelisierung“. Mit Nicolas Schnall sprach sie über ihre Erlebnisse sowie mögliche Impulse für die Seelsorge in unserer Diözese.

Warum würden Sie einem Gläubigen eine Reise nach Halifax empfehlen?

In Halifax haben wir erlebt, was eine lebendige Pfarrgemeinde ist. Schon beim Ankommen wurden wir von mehreren Freiwilligen herzlich begrüßt. Man fühlte sich sofort willkommen, als Glied einer offenen Gemeinschaft. Die Atmosphäre im Gottesdienst war sehr lebendig, alle sangen mit. Die Predigten waren zwar länger als in Deutschland, aber trotzdem sehr kurzweilig. Es wurde viel gelacht.

 

In seinem Buch „Wenn Gott sein Haus saniert“ beschreibt Pfarrer James Mallon, der Initiator der Konferenz, neue Wege für eine missionarische Pastoral. Welche neuen „Werkzeuge“ haben Sie denn dafür nun über den Atlantik mit nach Hause gebracht?

Grundsätzlich muss es darum gehen, dass die Pfarrei zunächst eine „Umkehr“ in der Pastoral vollzieht. Von einer Pfarrei, die nur bewahrt und bedient hin zu einer Pfarrei aus lebendigen Jüngern, in der jeder seinen Platz hat und Verantwortung übernimmt. Werkzeuge hierfür sind sicher die Willkommenskultur, die Bildung von Gemeinschaft, die Schwerpunktsetzung auf den Sonntag, gute und lebendige Predigten, aufbauende Musik, aber auch Alphakurse für alle Altersgruppen und nicht zuletzt eine Veränderung in der gängigen Sakramentenpastoral. 

 

Und das lässt sich für die konkrete Arbeit in unseren Pfarreien durchbuchstabieren?

Davon bin ich überzeugt, wenn auch mit einigen für Deutschland notwendigen Anpassungen. Das Schwierigste wird die Änderung im Umgang mit den Sakramenten sein. Wir müssen in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung neue Wege finden, damit danach nicht gleich wieder alle weg sind. Ich bin persönlich zutiefst davon überzeugt, dass die Impulse aus Kanada einen Weg der geistlichen Erneuerung unserer Pfarreien in Deutschland aufzeigen können.

 

Das heißt, Sie wollen aus passiven Mitgliedern aktive machen. Oder um es mit Jesus zu sagen: „Geht … und macht Jünger“. Kann das auf Knopfdruck von heute auf morgen funktionieren? 

Auf Knopfdruck passiert gar nichts. James Mallon hat in seiner Pfarrei einen langen Atem für seinen Weg gebraucht. Es geht ja nicht in erster Linie um Methoden und Werkzeuge, mit denen man ein paar Reparaturen ausführt, sondern um eine innere Umkehr, eine grundsätzliche Richtungsänderung auf Gott zu. 

 

Und dazu hat das Institut für Neuevangelisierung die geeigneten Angebote?

Wir bieten „Mission Possible“ an, die „Missionarische Jüngerschule“ und vor allem den Glaubenskurs „Nehmt Neuland unter den Pflug“, ein Neuevangelisierungskurs für Pfarreien. Das alles kann aber nur der Türöffner für einen Weg der Neuevangelisierung in den Pfarreien sein – mit Neuland-Pfarrzellen, Anbetungsabenden mit Lobpreis und missionarischer Sakramentenpastoral. Künftig sollen sogenannte Beta-Kurse hinzukommen. Dabei sollen Absolventen der Alphakurse die Chance erhalten, spezifische Inhalte des katholischen Glaubens wie Sakramente, Kirche, Marienverehrung tiefer kennenzulernen.