Domkapitel

„Althergebrachter Dienst seit frühester Zeit“ - Domkapitular Dr. Thomas Groll über die Funktion des Domkapitels

01.06.2017 17:16

Seit rund zwei Monaten gehört Dr. Thomas Groll dem Domkapitel der Diözese Augsburg an. Bereits in seiner Promotionsschrift setzte sich der Hochschulpfarrer und Bistumshistoriker mit der Geschichte des Augsburger Domkapitels auseinander. Romana Kröling hat mit ihm über sein neues Amt und das Bayerische Konkordat gesprochen. Es wurde vor 200 Jahren unterzeichnet und regelte die Aufgaben der Domkapitel neu.

Akademikerseelsorger und Bistumshistoriker: Domkapitular Dr. Thomas Groll. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Vor kurzem wurden Sie zum Domkapitular ernannt. Was sind Ihre neuen Aufgaben?

Neben der Beibehaltung meiner bisherigen Tätigkeitsbereiche als Hochschulpfarrer, Akademikerseelsorger und Bistumshistoriker – die ich durch meine Wahl und Ernennung sehr wertgeschätzt sehe – übernehme ich die allen Domkapitularen zukommenden Rechte und Pflichten: Eine der Aufgaben eines Domkapitulars ist die Mitwirkung an feierlichen Gottesdiensten in der Domkirche, etwa bei Pontifikalgottesdiensten, im Kapitelamt, in der Konventmesse und im Chorgebet. Die Wahrnehmung liturgischer Funktionen in einem besonderen Gewand ist ein althergebrachter Dienst seit frühester Zeit. Zur violetten Chorkleidung kommt das Kapitelkreuz am schwarz-goldenen Band.

Das Domkapitel hat aber nicht nur eine liturgische Funktion?

Richtig, denn das Domkapitel ist auch in der Leitung und Verwaltung der Diözese tätig, wobei es unter anderem die Funktion des Konsultorenkollegiums übernimmt. Die Aufgaben in der Diözesanleitung sind den Domkapiteln bei der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse nach der Säkularisation im Konkordat zwischen Bayern und dem Heiligen Stuhl von 1817 zugewachsen; dieser Vertrag wurde 1821 umgesetzt. Wiederum seit ältester Zeit übernimmt das Domkapitel in der bischofslosen Zeit, der sogenannten Sedisvakanz, die Leitung der Diözese. Es wählt innerhalb von acht Tagen einen Diözesanadministrator, gegebenenfalls auch einen Diözesanökonomen, und ersetzt in dieser Zeit den Priesterrat.

Wird in einigen Diözesen nicht sogar der Bischof vom Domkapitel gewählt?

In Deutschland haben die Domkapitel außerhalb Bayerns das Recht der Bischofswahl aus den drei vom Päpstlichen Stuhl benannten Kandidaten. In Bayern dürfen sie bei Rücktritt oder Tod des Bischofs und unabhängig davon alle drei Jahre Kandidatenlisten nach Rom senden – wie auch die Bischöfe.

War das schon immer so?

Nein, denn bis zur Säkularisation hatten auch in Bayern die Domkapitel das Recht der seit vielen Jahrhunderten ausgeübten kanonischen Bischofswahl. Mit der Neuorganisation im schon genannten Konkordat von 1817/21 zog der bayerische König das Nominationsrecht der Bischöfe an sich. Außerhalb Bayerns gab es keine katholischen Regenten und so konnte dort ein Mitwirkungsrecht der Domkapitel gesichert werden. Nach dem Ende der Monarchie 1918 konnten die Domkapitel im neuen bayerischen Konkordat von 1924 nicht mehr an ihr altes Recht anknüpfen.