Porträt

„Die Kirche war immer mein Ein und Alles"

16.12.2014 16:35

Anton Kofler ist seit 71 Jahren Mesner in der Pfarrei Hochgreut im Allgäu. Er ist der dienstälteste Mesner im Bistum. Dreimal hat er bereits das goldene Mesnerkreuz erhalten. Doch Auszeichnungen bedeuten ihm nicht viel, die Kirche hingegen alles. Der Kirchenverwaltung war er damals zu jung, am Dreikönigstag 1944, als alles begann. 15 Jahre war Anton Kofler da alt, heute ist er 86. Weitergemacht hat er einfach trotzdem, sagt er.

Anton Kofler ist seit 71 Jahren Mesner in Hochgreut. (Foto: Maria Steber)

Seit 71 Jahren ist Kofler im kleinen Dorf Hochgreut aktiv, das nur unweit von Kempten auf einer kleinen Anhöhe liegt: Er bereitet dort Dinge für den Gottesdienst vor, hilft dem Pfarrer beim Anlegen des Messgewandes, schmückt die Kirche, läutet die Glocken. Viel Unterstützung bekomme er heute von seinem Neffen, seiner Schwester und Schwägerin, früher sei das noch anders gewesen: „Dreimal am Tag bin ich in die Kirche hochgesprungen, da war ich noch fit“, sagt er, ein schelmisches Grinsen begleitet seine Worte.

Dieses Grinsen huscht vor allem dann über sein Gesicht, wenn er Geschichten von früher erzählt: „Ich musste als junger Mesner immer zur Krankensalbung, dem ‚Versehgang‘ mitgehen. Wie in einer Prozession sind wir da mit dem Allerheiligsten durch die Dörfer gelaufen, manchmal bis zur einer halben Stunde lang.“

Auch wenn Anton Kofler sehr religiös erzogen wurde, sein Mesneramt hatte er einem Zufall zu verdanken. „Als unser Mesner damals im Krieg war, wollte ich eigentlich nur aushelfen. Als er nicht zurückkam, habe ich weitergemacht, bis heute.“

Schwierig sei dabei vor allem eines gewesen: die vielen Aufgaben mit seinem eigentlichen Beruf des Maurers zu verbinden. „Zwei Gottesdienste plus Taufen und Andachten am Sonntag. Dazu die vielen anderen Dinge, die erledigt werden mussten, das war viel, aber ich war trotzdem immer zur Stelle“, betont er. Wie viele Pfarrer er in seiner Zeit erlebt habe? Anton Kofler überlegt, zählt mit den Fingern die einzelnen Namen auf. „Um die zehn müssten es gewesen sein“, sagt er schließlich.

Eines ist Anton Kofler wichtig: „Man muss als Mesner schon ein gläubiger Mensch sein. Wenn man mit dem Glauben nichts anfangen kann, kann man das nicht machen“, ist er überzeugt. Er selbst habe immer Freude an Jesus gehabt und an der Gottesmutter. „Immer wenn etwas schwierig war, habe ich zu ihr gebetet, das Vertrauen gehabt, dass die Muttergottes hilft“, sagt er und blickt auf das große Holzkreuz in der Ecke des Wohnzimmers und die hölzerne Josephsfigur darunter. Als Kommunionhelfer, Mitglied des Pfarrgemeinderats sowie der Kirchenverwaltung sei ihm neben seinem Amt als Mesner wenig Zeit geblieben. Diese wenige Zeit habe er zum Lesen genutzt. Zehn Bände des Lexikons für Theologie und Kirche stehen in seinem Wohnzimmerregal.

Maria Steber