Notfallseelsorge

Es geht um mehr als einen Schnupfen - Hildegard Dorn ist seit kurzem Notfallseelsorgerin im Allgäu - Auf ihr neues Ehrenamt hat sie sich intensiv vorbereitet

01.06.2017 17:04

„Wir haben Zeit für Sie,“ beruhigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notfallseelsorge (NFS) den aufgewühlten Angehörigen gleich zu Beginn ihres Einsatzes. Er hat gerade seinen Partner bei einem tragischen Unglücksfall verloren. „Hingehen, Dasein, Aushalten“ erklärt Maria Haslach, NFS-Systemleiterin für das Dekanat Kempten, den Leitspruch für ihre Arbeit. Diese wichtigen Aufgaben übernimmt nun auch die 49-jährige Hildegard Dorn aus Altusried.

Foto: Sabine Verspohl-Nitsche (pdke)

Gemeinsam mit rund 30 anderen hat sie im Frühjahr den Kurs für Notfallseelsorger abgeschlossen und wird nun behutsam in dieses Ehrenamt eingeführt. Anfangs begleiten erfahrene Notfallseelsorger und Kriseninterventions-Mitarbeiter die Neuen bei ihren Einsätzen. „Ich stand schon dreimal im Plan, aber bisher gab es noch keinen Alarm“, berichtet die in vielen Ehrenämtern engagierte Gemeindeangestellte.

Die Mutter von vier erwachsenen Kindern und Oma eines Enkels ist als Pfarrgemeinderätin auch Mitglied im Dekanatsrat Kempten. In diesem Gremium stellte die Religionslehrerin Maria Haslach aus Oy-Mittelberg im vergangenen Jahr den neuen Notfallseelsorge-Kurs vor. Die gelernte Industriekauffrau und Hauswirtschafterin musste nicht lange überlegen. Hildegard Dorn trug sich für den NFS-Kurs ein, den der Leiter der Notfallseelsorge im Bistum Augsburg, Diakon Dr. Edgar Krumpen, leitete.

Die Notfallseelsorge beruht auf dem christlichen Gottes- und Menschenbild, sie arbeitet ökumenisch und erfüllt den Auftrag Christi, Menschen in Not unabhängig von deren Glaubensüberzeugung beizustehen. Auf Kreisebene organisieren Systemleiter unter anderem Teamabende, Fortbildungen, Supervision und die Bereitschaftsdienste. Maria Haslach macht seit über drei Jahren die monatliche Planung für das seit 22 Jahren bestehende Kemptener Team, in dem Ehrenamtliche der Johanniter, des Bayerischen Roten Kreuzes sowie der katholischen und der evangelischen Notfallseelsorge mitarbeiten und rund um die Uhr bereit sind.

Notfallseelsorger betreuen zeitnah akut seelisch traumatisierte Menschen und sorgen sich auch nach Katastrophen um Betroffene. „Der Kontakt mit den Hinterbliebenen soll erfolgen, bevor sie sich abends schlafen legen“, hat Hildegard Dorn während der intensiven Kurszeit gelernt. Denn die Notfallseelsorge könne helfen, die traumatisierende Wirkung des Ereignisses zu verringern. Besonders beeindruckt hat sie das Modul über die psychologischen Hintergründe für posttraumatische Belastungsstörungen sowie der Einblick einer Muslima in deren Trauerarbeit.

Ein bisschen nervös ist sie vor ihrem ersten Einsatz dennoch: „Schließlich weiß ich, dass es um mehr geht als um einen Schnupfen.“

 Sabine Verspohl-Nitsche

Die Notfallseelsorge im Bistum Augsburg bietet regelmäßig Ausbildungskurse an. Informationen gibt es unter: www.notfallseelsorge-augsburg.de