Interview

Kirchensteuer auf Kapitalerträge: „Es wird keine neue Steuer geben, nur das Erhebungsverfahren ändert sich“

20.11.2014 09:48

Mit Beginn des Jahres 2015 wird sich das Verfahren zur Erhebung von Kirchensteuer auf Kapitalerträge ändern. Im Zuge der Kommunikation dieses Verfahrens ist der missverständliche Eindruck entstanden, dass die Kirchen damit eine ganz neue Steuer einführen. Karl-Georg Michel hat darüber mit Stefan Frühwald gesprochen. Er ist Leiter des Katholischen Kirchensteueramts in Augsburg.

Leiter des Katholischen Kirchensteueramts in Augsburg: Stefan Frühwald. (Foto: pba/Daniel Jäckel)

Handelt es sich bei der Kirchensteuer auf Kapitalerträge um eine neue Steuer?

Nein, das automatische Verfahren zum Einbehalt von Kirchensteuer auf Kapitalerträge ist keine neue Kirchensteuer. Sofern auf Kapitalerträge Einkommensteuer abgeführt wurde, unterlagen diese auch bisher schon der Kirchensteuer. Ab Januar wird es also keine neue Steuer geben, nur das Erhebungsverfahren verändert sich.

Buchen die Kirchen die Steuer direkt von meinem Sparkonto ab?

Der Staat und die Kirchen haben keinerlei Zugriff auf Sparkonten oder Depots von Steuerbürgern. Wie bisher bereits die Kapitalertragsteuer wird ab Januar auch die Kirchenkapitalertragsteuer von den Banken oder Versicherungen einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Und wenn ich das nicht will?

Dann haben Sie die Möglichkeit, der Weitergabe ihres „Religionsmerkmals“ zu widersprechen, indem Sie beim Bundeszentralamt für Steuern einen Sperrvermerk beantragen. Allerdings werden Sie dann vom Finanzamt automatisch aufgefordert, Ihre Kapitalerträgnisse in der Einkommensteuererklärung anzugeben.

Das neue Verfahren wurde teilweise heftig kritisiert. Hätten die Kirchen die Möglichkeit, es rückgängig zu machen?

Die neue Verfahrensregelung wurde vom Vermittlungsausschuss des Deutschen Bundestags beschlossen. Sie greift ausschließlich die Vorstellungen des Bundesfinanzministeriums und des Bundesdatenschutzbeauftragten auf und wurde auch im Einkommensteuergesetz niedergelegt. Die Kirchen haben keine Möglichkeit, die staatliche Gesetzgebung außer Kraft zu setzen.

Im Rahmen des Übergangsverfahrens seit 2009 haben bereits viele Kunden den Banken ihre Religionszugehörigkeit mitgeteilt, damit die Kirchensteuer auf Kapitalerträge abgeführt werden konnte. Was ändert sich für diese Kunden?

Nichts, sie müssen auch nicht aktiv werden. Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird durch Banken oder Versicherungen automatisch ermittelt und über das Finanzamt an die zuständige Diözese abgeführt.

Wie ist es mit den bisherigen Freistellungsaufträgen?

Die Freibeträge behalten ihre Gültigkeit. Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags bleiben wie bisher steuerfrei.

Gilt das auch im Falle von Nichtveranlagungsbescheinigungen wegen geringer Einkünfte?

Ja, sofern diese Bescheinigungen Banken und Versicherungen vorliegen, führen diese weder Kapitalertragsteuer noch Kirchenkapitalertragsteuer ab.