Brauchtum

„Viele Orte, die unbekannt und ein bisschen ungewöhnlich sind“ - Ein Buch über kirchliches Brauchtum unter freiem Himmel

08.12.2017 10:51

Herr Professor Hilpert, was ist die Idee hinter Ihrem Buch?

Also eigentlich sollte es ja gar kein Buch werden, sondern ein Kalender. Dort wollte ich für meine kleine Tochter religiöse Orte sammeln, die wir das Jahr über besuchen wollten. Es sollten Orte oder Ereignisse im Freien sein, zum Beispiel eine Hubertusmesse im Wald. Am Ende ist daraus dann ein Buch geworden.

Professor Markus Hilpert lehrt an der Uni Augsburg Kulturgeographie. Mit „katholisch draußen“ lädt er die Leser zu einer kulturgeschichtlichen Reise durch unser Bistum und darüber hinaus ein. (Foto: Daniel Jäckel / pba)

 

  ... das sich inbesondere an Kinder richtet?

Gar nicht, es ist ein Buch für alle: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es ist ein Buch für Leute, die Familie haben. Es ist aber auch ein Buch für Menschen, die gern ungewöhnliche Gottesdienste besuchen. Es ist ein Buch für Leute, die gerne in der Natur sind. Die Zielgruppe ist sehr breit.

 

Jetzt ist es Herbst, die Tage werden kürzer. Ist es auch ein Buch für alle Jahreszeiten?

Das war überraschend für mich. Ich habe gedacht, die Termine fangen im Mai an und hören spätestens im September wieder auf.  Aber mein Buch reicht von Januar bis Dezember.

 

Sie sind Kulturgeograph an der Uni Augsburg. Hat das Buch auch damit etwas zu tun?

Ja natürlich. Ich interessiere mich schon rein beruflich für unsere Kulturlandschaft. Dieses Wissen ist in das Buch mit eingeflossen. In dem Buch gibt es viele Orte zu entdecken, die eher unbekannt sind und auch ein bisschen ungewöhnlich.

 

Unsere Kulturlandschaft ist stark von der Volksfrömmigkeit geprägt. Ist das eine Besonderheit?

Wenn Sie sich die Wallfahrtsorte genauer anschauen, auch die kleinen, und diese in einer Deutschlandkarte eintragen, fällt in Bayerisch-Schwaben und auch in anderen Regionen Süddeutschlands eine große Dichte auf. Das sind Orte, an denen auch das religiöse Brauchtum noch stark ausgeprägt ist.

 

Ist das auch eine Chance für die Pastoral? 

Die Volksfrömmigkeit verändert sich. Und auch die Akteure, die die Volksfrömmigkeit betreiben, ändern sich. Vor allem kommen völlig neue Akteure hinzu: Das können auch schon mal Heimatvereine sein, Burschenschaften oder die politische Gemeinde. Volksfrömmigkeit vermischt sich mit Kultur und Heimat. Darin liegt auch eine Chance. Die Grenzen werden weicher, und das erleichtert der Kirche den Zugang zu den Menschen.

Fragen von Karl-Georg Michel

 

 

Markus Hilpert, katholisch draußen. Brauchtum unter freiem Himmel rund ums Jahr mit frommen Outdoor-Tipps für die ganze Familie zwischen Ries und Allgäu. Paulinus Verlag Trier, 2017, ISBN 978-3-7902-1923-4, EUR 12,90.