BDKJ

Café Schülertreff: Jugendlichen ein Stück Heimat geben

29.11.2019 09:00

Das Café Schülertreff des BDKJ Stadtverband Augsburg ist eine Einrichtung der offenen Jugend- und Bildungsarbeit. Jugendliche aus den Schulen des Georgsviertels finden dort nach dem Unterricht einen Raum zur Begegnung, Freizeitangebote und Ansprechpartner bei Problemen. Das gemeinsame Mittagessen in den Räumlichkeiten „Auf dem Kreuz“ wird jeden Tag frisch zubereitet. Das Bistum Augsburg unterstützt das Projekt finanziell. 

Das Mittagessen wird jeden Tag frisch zubereitet. Michael Thum und Franziska Seefried behalten am Herd den Überblick. (Fotos: Maria Steber / pba)

Das Nudelwasser kocht bereits und der Wirsing ist auch schon geschnitten. Mit einem kleinen Küchenmesser schält Praktikantin Johanna die Zwiebeln, während der Dampf aus den beiden Kochtöpfen die kleine Küche im Augsburger Georgsviertel in ein Nebelmeer verwandelt. „Wir kochen heute Pasta mit Wirsing und Parmesan“, erklärt Michael Thum mit einem prüfenden Blick auf die beiden Herdplatten und einem Fingerzeig auf den Menüplan der Woche. Als Erzieher in Ausbildung absolviert er gerade sein Anerkennungsjahr im Café und ist als „Küchenchef“ für den mittaglichen Speiseplan zuständig. „Normalerweise helfen auch die Jugendlichen beim Schneiden der Zutaten mit, heute eher weniger“, sagt er und lacht. Aus den Nebenräumen ertönt das Aufeinanderklacken der Billardkugeln und Quietschen der sich drehenden Kickerstäbe. In zwei Gruppen liefern sich die Jungs wilde Duelle.       

„Das gemeinsame Kochen und Essen ist ein wichtiger Programmpunkt in unserer Einrichtung. Es werden dabei Kontakte aufgebaut und jeder kann sich ganz unkompliziert einbringen“, betont Matthias Gleich, pädagogischer Leiter des Cafés. „Wir wollen den Jugendlichen einen Raum bieten, in dem sie sich entfalten können und ihnen zeigen, dass sie willkommen sind, so wie sie sind“, erläutert Gleich die Ziele des Schülertreffs. Vier Haupt- und rund 30 Ehrenamtliche sind dafür regelmäßig im Einsatz.  

„Als wir das Schülercafé 1983 gegründet haben, wollten wir einen offenen Treff für junge Menschen zur Begegnung und zum Austausch schaffen. Mittlerweile kommen Jugendliche aus 35 Nationen zu uns. Wir möchten ihnen ein Stück Heimat geben und Wegbegleiter sein für die Zukunft“, betont Annemarie Leis, Geschäftsführerin des BDKJ Diözesanverbands Augsburg sowie Vorstands- und Gründungsmitglied des Cafés. 

Billardspielen, Lesen oder einfach nur Abhängen: Für die Jugendlichen ist hier immer etwas geboten.

Die Betreuer selbst sehen sich als Begleiter und Unterstützer der Heranwachsenden: „Wir erfüllen oft eine Art Mittlerrolle. Die Jungs und Mädchen kommen mit Problemen in der Schule oder Ausbildung zu uns, haben Schulden oder erfahren Gewalt zuhause. Wir verstehen uns als deren Ansprechpartner und vermitteln auch mal an Beratungsstellen weiter“, sagt Franziska Seefried, pädagogische Mitarbeiterin. 

Flankiert wird dieses breite Beratungsangebot von einem bunten Freizeitprogramm. Neben der Hausaufgabenbetreuung, die täglich angeboten wird, überlegen sich die Betreuer zusammen mit den Schülern immer wieder neue Angebote für den offenen Betrieb am Nachmittag: „Es gibt zum Beispiel Musikworkshops oder gemeinsame Fußballspiele in der Sporthalle. Kürzlich haben wir Kürbisse ausgehöhlt und vor Weihnachten backen wir Plätzchen oder basteln zusammen“, so Seefried. 

Für die pädagogische Mitarbeiterin Katharina Pflügel ist der Schülertreff ein guter und wertvoller Ort: „Das Schöne hier ist, die Jugendlichen zu begleiten und deren Entwicklungsprozesse beobachten zu dürfen. Sie zeigen eine große Dankbarkeit uns gegenüber. Das ist sehr bereichernd.“          

In der Küche haben sich die Nebelschwaden gelichtet, der Wirsing ist gar. Und dort ist jetzt auch Julian (14) aufgetaucht. Er kommt jeden Tag ins Café. Warum? „Einfach cool hier“, sagt er nur kurz und schleicht schon wieder davon Richtung Billardtisch und Couch. Dort wartet sein Kumpel auf ihn: „Zum Chillen“.  

Maria Steber