Porträt

Ein Sachse in Schwaben - Eine BR-Redakteurin erinnert sich

07.06.2019 07:00

Elisabeth Möst stammt aus dem Bistum Augsburg. Als Redakteurin des BR ist sie Bischof Konrad unmittelbar nach seiner Ernennung mehrmals begegnet. In diesem Gastbeitrag schildert sie ihre ganz persönlichen Eindrücke – bis hin zu einem etwas überraschenden Anruf des Bischofs ...

Bischof Konrad bei der Ministrantenwallfahrt 2010 in Rom. (Archivbild: BR)

Die ganze BR-Redaktion „Kirche und Welt“ war gespannt, wer die Nachfolge von Bischof Mixa antreten solle, die ein schweres Erbe bedeutete: ein zerstrittenes Bistum, unterschiedliche Bedürfnisse, große Hoffnungen. Papst Benedikt XVI. ernannte einen Mann, den kaum jemand auf dem Schirm hatte.

Konrad Zdarsa. Konrad wer? Kaum einer konnte diesen Namen auf Anhieb richtig aussprechen. Beim BR war es Tradition, über einen neuen Bischof ein 45-minütiges Portrait zu drehen. Unser Titel „Der Coup des Papstes“. Ich war eine der Autorinnen, schließlich ging es um mein Heimatbistum, und ich war neugierig auf den Neuen. Doch dieser war nicht scharf darauf, sich tagelang von einer Kamera begleiten zu lassen, fügte sich aber seinem Schicksal. Wir trafen uns in Rom, anlässlich der Ministrantenwallfahrt, im Garten der Weißen Väter. Wir redeten ein, zwei Stunden über Familie, Freunde und Wegbegleiter des künftigen Augsburger Bischofs. Die Zeit verging viel zu schnell.

In Rom habe ich einen humorvollen, reflektierten und kunstinteressierten Bischof kennengelernt. Er erzählte über seine Studienzeit, zeigte, wo er damals wohnte, freute sich über die Audienz mit Papst Benedikt. Tausende Ministranten waren auf dem Petersplatz, 155 aus Görlitz und die jubelten und sangen für ihren Bischof. Von einigen Augsburger Minis wurde er schon erkannt und angesprochen. Sogar die Aussprache seines Namens hatten sie schon geübt. Der damals 66-Jährige ließ sich gerne fotografieren, plauderte mit den jungen Leuten, lachte, vergaß unsere Kamera: Zdarsa fröhlich und entspannt.

Einige Wochen später: Dreh im Bistum Görlitz, dem kleinsten Bistum Deutschlands, tiefe Diaspora. Der Bischof besuchte Jugendliche im Firmunterricht, saß mit ihnen im Kreis, sang zu Gitarrenmusik und bestärkte sie, ihren Glauben zu leben. In seinem Bistum kannte er fast jeden Ministranten persönlich, es waren ja auch nicht so viele. In Augsburg, das wusste er, würde das nicht mehr so möglich sein. Bei den Drehs trafen wir immer wieder dieselben engagierten Katholiken. Man kennt sich. Was schnell klar wurde: Konrad Zdarsa liebt seine Heimat, Sachsen, vor allem Dresden.

Der Ruf nach Augsburg kam auch für ihn völlig überraschend. Denn erst drei Jahre zuvor wurde er Bischof des Bistums Görlitz und wäre das auch gerne geblieben. Doch der Papst rief und er fügte sich, freute sich aber – so mein Eindruck – vor allem auf die Menschen und auf die neue Aufgabe. Der Empfang in Augsburg war herzlich, Zdarsa bei Interviews durchaus schlagfertig. Ob er sein Amt als Herkulesaufgabe sehe, wurde er gefragt: Herkules sei nicht nur kräftig und stark, sondern auch listig und schlau, konterte der Bischof.

Ein Sachse nach Schwaben – ob der „Coup des Papstes“ ein gelungener war? Fakt ist: In Augsburg haben wir Medienschaffende einen scheuen und zurückhaltenden Bischof erlebt. Anders die persönlichen Begegnungen, ein interessierter und eloquenter Gesprächspartner. Gerne erinnere ich mich an einen überraschenden Anruf zu meinem Namenstag. Nach der Amtseinführung haben sich unsere Wege nur noch selten gekreuzt. Richtig heimisch geworden, meine ich, ist Bischof Konrad in meinem Heimatbistum wohl eher nicht.

Nun führt ihn sein Weg wieder zurück, von Schwaben nach Sachsen. Und dort wird man an der Elbe sicher häufiger auf einen entspannten und zufriedenen Konrad Zdarsa treffen. Für diesen neuen Lebensabschnitt wünsche ich alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen, schöne Erinnerungen an die Augsburger Jahre und endlich wieder Zeit zum Rästelraten, vielleicht sogar mit seinem ehemaligen Justiziar, der inzwischen auch schon im Ruhestand ist.

Elisabeth Möst