Jugendarbeit

Übers Handy ins Gebet finden

06.08.2020 09:22

Rote Herzchen, Daumen, ein gelbes Lachgesicht: Um diese Symbole drehte sich in den Zeiten des Lock-Downs viel. Auch vor der Jugendarbeit im Bistum Augsburg machten die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht Halt. Die Verantwortlichen in den Jugendstellen und Verbänden wussten mit vielen kreativen Ideen damit umzugehen und verloren den Draht zu den Jugendlichen nicht: über Soziale Medien, Internet, Telefon oder Post. Dabei sind viele Aktionen entstanden, die gekommen sind, um zu bleiben.

Kekse backen per Videoanleitung: Die Pfadfinderinnen haben ihr Pfingstzeltlager einfach auf daheim verlagert. (Foto: PSG Diözesanverband Augsburg)

„Wir haben während der Ausgangssperre vor allem auf Instagram und Telefon gesetzt“, blickt Pfarrer und Schulseelsorger Tobias Wolf von der Jugendstelle Memmingen auf die vergangenen Monate zurück. „Unser Online-Angebot haben wir deutlich ausgeweitet, indem wir uns neue Formate überlegt haben: zum Beispiel die Talk-Reihe ‚Check it out‘. In Live-Interviews haben wir uns unterschiedlichen Themen genähert, wie etwa ‚Gott und Leid‘.“  

Wie gut dies bei den Jugendlichen ankam, zeigen die Klickzahlen: „Wir haben deutlich an Abonnenten gewonnen“, freut sich der Jugendseelsorger. Nur offline wird es in der Jugendstelle auch nach der Corona-Krise nicht mehr weitergehen: „Am Abend vor den Realschul-Prüfungen haben wir einen Segnungsgottesdienst angeboten. Die Jugendlichen fanden es toll, dass sie nicht extra zu einer Messe fahren mussten, sondern auf einfache Weise übers Handy ins Gebet finden konnten.“ Auch nächstes Jahr heiße es deshalb an dieser Stelle wieder online statt offline, so Wolf.  

Ins Netz „verlagern“ mussten auch die Pfadfinderinnen der PSG ihr Pfingstzeltlager. „Wir haben ein Portal aufgemacht, auf dem wir Aktionen zum Herunterladen eingestellt haben: Bastel- und Backanleitungen, spirituelle Impulse oder Anleitungen zum Yoga. Zusätzlich gab es einen ‚Google-Linkraum‘ für Live-Meetings: die Auftakt- und Schlussveranstaltung, Abend- oder Morgenlob“, erklärt Franziska Hankl, Diözesanvorsitzende der PSG. Für Zeltlager-Charme haben die Mädels selbst gesorgt: „Sie haben daheim Höhlen gebaut oder im Wohnzimmer gezeltet“, berichtet Hankl, die im Online-Angebot einen positiven Nebeneffekt bemerkt hat. „Durch Meetings im Netz kann man mehr Leute erreichen, auch Ehemalige, weil Fahrten wegfallen“. Richtige Gruppenstunden könne das Netz trotzdem nicht ersetzen, ist sie überzeugt.            

Von einer „digitalen Schwemme“ während des Lock-Downs berichtet auch Wolfgang Böck von der Jugendstelle Weilheim. „Uns war es wichtig, nicht nur das digitale Element zu betonen, sondern auch Greifbares zu ermöglichen. Wir haben deshalb viel per Post verschickt: Streichholzschachteln mit Glücksbringern oder QR-Codes, die zu Impulsen führten.“ Die Wies-Wallfahrt wurde dagegen ins Netz verlegt. „Einige haben sogar Public-Viewings organisiert“, freut sich der Pastoralreferent. Sein Resümee der vergangenen Monate: „Vieles war intensiver, langsamer und sehr wertvoll.“  

Keine gelben Smileys, sondern lachende Gesichter in real: Darüber konnte sich Tobias Wolf die vergangenen Wochen freuen. Als die Ausgangssperre gelockert war, hat er eine „JuGo-Tour“ ins Leben gerufen: Jugendliche aus den Dekanaten Mindelheim und Memmingen konnten sich melden, wenn sie eine Messe in ihrer Pfarrei feiern wollten. Fast zehnmal wurde er gebucht. Was er dabei gespürt hat? „Einen großen Hunger nach Glauben. Und da denke ich einfach nur: Cool!“           

Maria Steber