Katholische Schwangerenberatung

Schwanger, aber nicht ratlos

07.07.2016 13:31

Seit 15 Jahren beraten sie im Namen der katholischen Kirche Schwangere und junge Eltern – und gewinnen mittlerweile offenbar verstärkt auch das Vertrauen von Menschen anderer Konfessionen. „Wir stellen fest, dass gerade auch muslimische Schwangere und ihre Familien gezielt zu uns kommen“, sagt Eleonore Wolf, Leiterin der Beratungsstelle des Sozialdiensts katholischer Frauen (SKF) in Neu-Ulm.

Ein Grund dafür dürfte unter anderem auch die gestiegene Zahl an Flüchtlingen sein. So suchten im vergangenen Jahr 70 Asylbewerberinnen – und damit doppelt so viele wie im Vorjahr –, die schwanger und mit kleinen Kindern aus ihrer Heimat geflohen sind, die Beratungsstelle am Johannesplatz auf. Insgesamt leisteten die drei Beraterinnen Eleonore Wolf, Cornelia Hoffmann und Karin Gröner in 379 Fällen Unterstützung.
Für Flüchtlingsfrauen übernehmen die Beraterinnen auch ein Stück weit die Rolle von „Kulturmittlerinnen“, erzählt Cornelia Hoffmann: Sie erklären das hiesige Hilfesystem, das Gesundheitswesen, die Vorsorge-Untersuchungen für Mutter und Kind. Sie stellen außerdem den Kontakt zu Hebammen her. Bei den Gesprächen spürten die Beraterinnen häufig, dass die Frauen viel durchgemacht haben und schwer traumatisiert sind. Nicht nur, aber auch wegen der geflüchteten jungen Mütter, biete der SKF Säuglingspflegekurse auf Englisch und mit viel Bildmaterial an.
Seit dem Umzug vor zwei Jahren in die neuen Räume am alten Standort gibt es in der Beratungsstelle zudem Platz für Gruppenstunden. So konnte das Kurs- und Beratungsangebot stark erweitert werden.
Als das Beratungstrio vor 15 Jahren an den Start ging, begegneten ihm noch viele Menschen mit Skepsis: Wer würde im Schwangerschaftskonflikt bei einer Stelle anklopfen, die sich aus dem staatlichen Beratungssystem ausgeklinkt hat und keinen Schein für einen Abbruch ausstellt? Doch aus der Skepsis entwickelte sich offenbar Vertrauen – diesen Eindruck hinterlassen zumindest die aktuellen Zahlen. Nicht wenige Frauen, die ungewollt schwanger wurden, „wenden sich bewusst an den SKF, weil sie sich wünschen, dass sie in ihrer Entscheidung für das Kind bestärkt werden – mitunter auch gegen den Druck ihrer Umgebung“, sagt Eleonore Wolf.
Von Anbeginn an arbeitet sie mit den Beraterinnen Karin Gröner und Cornelia Hoffmann sowie den Verwaltungsangestellten Ursula Miller und Siglinde Hötzel zusammen. Sie sind ein erfahrenes, eingespieltes Team. „Aber wir haben es immer wieder mit neuen Problemlagen zu tun“, weiß Karin Gröner. Die Fragen reichen von sozialrechtlichen Themen über Pränataldiagnostik, Kinderwunschbehandlung, Schwierigkeiten in der Beziehung bis hin zur Trauerbegleitung nach Verlust des ungeborenen Kindes oder Babys. Der Trend, dass die Probleme der Ratsuchenden vielschichtig sind, halte an, so die Beraterin.
Am Anfang geht es meist ums Geld
Viele stellten beim ersten Besuch Fragen zum Elterngeld. Wenn die geklärt sind, kommen oft handfeste Probleme auf den Tisch: Nicht selten muss eine Trennung bewältigt und eine Perspektive für Alleinerziehende erarbeitet werden. Der Anteil der Alleinerziehenden, die oft intensive und mehrjährige Begleitung benötigen, liegt seit Jahren konstant bei 23 Prozent. (az)