Katholische Schwangerenberatung

Traumatisiert, auf der Flucht und schwanger

08.07.2016 11:23

Sie sind seit 15 Jahren ein Team: Eleonore Wolf, Cornelia Hoffmann und Karin Gröner beraten und unterstützen werdende Mütter und Eltern, die sich an die katholische Schwangerenberatung wenden. „Und immer wieder kommen neue Fragen auf“, sagt Karin Gröner. Im vergangenen Jahr auch durch die steigende Zahl der Rat suchenden Asylbewerberinnen, insbesondere im Raum Günzburg.

Schwanger und von den schrecklichen Erlebnissen auf der Flucht traumatisiert, angekommen in einer fremden Kultur, ohne die Sprache zu kennen, ohne soziales Netz und ohne sichere Bleibe: „Die aus ihrer Heimat geflüchteten Frauen können meist nicht über ihre Erlebnisse sprechen. Aber in den Beratungen spüren wir, was sie durchgemacht haben“, sagt Cornelia Hoffmann. Sie berät die werdenden und jungen Mütter und ihre Partner oder Eltern bei den Außensprechtagen der Neu-Ulmer Schwangerschaftsberatung in Günzburg. Dort wirkte sich aus, dass 2015 die Zahl der Asyl suchenden Familien und Frauen im Landkreis deutlich angestiegen war.

Schutz in einem neuem Gesellschaftssystem 

Frauen und Paare aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen suchten für sich sowie für ihre ungeborenen und geborenen Kinder „Schutz in einem für sie völlig neuen Gesellschaftssystem“, sagt Cornelia Hoffmann. Aus dem Bischöflichen Hilfsfonds können die Beraterinnen akute finanzielle Engpässe unbürokratisch ausgleichen und den werdenden Müttern zum Beispiel Geld vermitteln für eine Baby-Erstausstattung.

Für Flüchtlingsfrauen übernehmen die Beraterinnen zudem die Rolle von „Kulturmittlerinnen“, so Cornelia Hoffmann. Sie erklären das hiesige Hilfesystem, das Gesundheitswesen, die Vorsorge-Untersuchungen für Mutter und Kind. Sie stellen außerdem den Kontakt zu Hebammen her. Cornelia Hoffmann hebt auch die gute Zusammenarbeit mit der Asylberatung der Diakonie hervor.

Insgesamt ist im Bereich der Neu-Ulmer katholischen Schwangerschaftsberatung die Zahl der Anfragen erneut deutlich gestiegen. In 379 Fällen leisteten die Beraterinnen – zumeist sehr umfangreiche – Unterstützung. Das ist einerseits Zeichen dafür, dass Schwangerschaft und Elternschaft viele Fragen aufwerfen und Frauen sowie Paare in schwere Krisen stürzen können. Andererseits zeigt es auch, dass die katholische Einrichtung großes Vertrauen genießt – unabhängig von Konfession oder Religion der werdenden Mütter. „Wir stellen fest, dass gerade auch muslimische Schwangere und ihre Familien gezielt zu uns kommen“, sagt Eleonore Wolf, Leiterin der
Beratungsstelle des Sozialdiensts katholischer Frauen (SkF) in Neu-Ulm. Als diese vor 15 Jahren in der heutigen Form an den Start ging, begegneten ihr viele mit Skepsis: Wer würde im Schwangerschaftskonflikt bei einer Stelle anklopfen, die sich aus dem staatlichen Beratungssystem ausgeklinkt hat und keinen Schein für einen Abbruch ausstellt? Die Sorge war offenbar unbegründet.

Ungewollte Schwangerschaft 

Nicht wenige Frauen, die ungewollt schwanger wurden, „wenden sich bewusst an den SkF, weil sie sich wünschen, dass sie in ihrer Entscheidung für das Kind bestärkt werden – mitunter auch gegen den Druck ihrer Umgebung“, so Eleonore Wolf. Sie und ihre Kolleginnen Karin Gröner und Cornelia Hoffmann sind ein erfahrenes, eingespieltes Team, aber: „Wir haben es immer wieder mit neuen Problemlagen zu tun.“ Die Fragen reichen von sozialrechtlichen Themen über Pränataldiagnostik, Kinderwunschbehandlung, Schwierigkeiten in der Beziehung bis hin zur Trauerbegleitung nach Verlust des ungeborenen Kindes oder Babys. Der Trend, dass die Probleme der Ratsuchenden vielschichtig sind, halte an. Etliche stellten beim ersten Besuch Fragen zum Elterngeld. Wenn die geklärt sind, kommen oft handfeste Probleme auf den Tisch: Nicht selten muss eine Trennung bewältigt und eine Perspektive für Alleinerziehende erarbeitet werden. Nach wie vor habe mehr als die Hälfte der Schwangeren, die Unterstützung brauchen, keine abgeschlossene Berufsausbildung. „Wir benötigen daher weiterhin dringend Teilzeit-Ausbildungen“, betont Eleonore Wolf. Riesiger Bedarf besteht auch bei bezahlbaren Wohnungen. Der Anteil der Alleinerziehenden, die oft intensive Begleitung bis zum dritten Lebensjahr des Kindes benötigen, liegt seit Jahren konstant bei 23 Prozent.

Nicht nur, aber auch wegen der geflüchteten jungen Mütter, bietet der SkF in Günzburg mittlerweile auch Säuglingspflegekurse auf Englisch und mit viel Bildmaterial an. Nach dem Umzug der Neu-Ulmer Beratungsstelle in neue Räume am alten Standort konnte das Kurs- und Beratungsangebot insbesondere im Zusammenhang mit den „Frühen Hilfen“ stark erweitert werden. Dazu gehören entwicklungspsychologische Beratung und Hilfe für Eltern mit Schreibabys. (zg)

Die Schwangerschaftsberatungsstelle des Sozialdiensts katholischer Frauen (SkF) am Johannesplatz 2 in Neu-Ulm ist zu erreichen unter der Telefonnummer 0731/86133 oder per e-mail unter schwangerenberatung.neu-ulm@skf-augsburg.de. Außensprechtage sind in Günzburg im Sozialzentrum Zankerstraße 1 a dienstags von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, Telefon 08221/4045.