Heimat sein in der Fremde - Die Beraterinnen des SkF sind mit den Schicksalen von Flüchtlingsfrauen konfrontiert

29.10.2015 10:11

Eleonore Wolf und Cornelia Hoffmann sind seit 15 Jahren in der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Neu-Ulm tätig. Ihre neue Herausforderung: Die Beratung von Flüchtlingsfrauen. Ein wippendes Motorradschaukelpferd, ein Kuscheltier-Elch auf dem Fensterbrett, Holzstühle im Mini-Format, ein Wickeltisch: Das ist das Erste, was einem im Eingang der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Neu-Ulm in den Blick springt. Gemütlich wirkt das, fast heimelig. Eleonore Wolf und Cornelia Hoffmann wollen für ratsuchende Frauen Heimat sein in der Fremde, ein Ort, an dem sie Vertrauen spüren können. „Rund sechzig Flüchtlingsfrauen haben sich allein heuer bereits an uns gewandt, das sind doppelt so viele wie das gesamte letzte Jahr“, sagt Wolf.

Eleonore Wolf (links) und Cornelia Hoffmann. (Foto: Maria Steber)

Mit steigenden Zahlen rechnen die Beraterinnen auch in den kommenden Monaten. „Frauen, die bei uns Hilfe suchen, haben auf der Flucht schlimmste Erfahrungen gemacht: Manche haben ihre Männer oder Kinder verloren oder sterben sehen. Es kann von Vergewaltigungen bis hin zur erzwungenen Prostitution reichen“, sagt Eleonore Wolf. Darüber sprechen könnten die meisten von ihnen zunächst nicht. „Sie sind traumatisiert, wirken depressiv. Wenn man in dieser Situation auch noch schwanger ist, in ein fremdes Land kommt, ohne die Sprache zu können, und ohne soziales Netz, ist das äußerst bedrückend“, schildert Cornelia Hoffmann.

Die Beraterinnen sind dann froh, auf den Bischöflichen Hilfsfonds Pro Vita zurückgreifen zu können. „Flüchtlingsfrauen, die sich an uns wenden, bekommen in der Regel von uns einen festen Grundbetrag in gleicher Höhe. Das reicht für eine kleine Erstausstattung: Kinderwagen, Kinderbettchen. Dinge, die Mütter nach einer Geburt sofort brauchen“, erklärt Eleonore Wolf.

Die Tatsache, dass es sich um Spendengelder handelt, geben die Beraterinnen auch den Flüchtlingsfrauen weiter: „Wenn wir das erklären, spüren wir eine tiefe Dankbarkeit. Sie wissen die Hilfsbereitschaft der Menschen wirklich sehr zu schätzen“, sagt Hoffmann.

Die Arbeit, die die SkF-Mitarbeiterinnen leisten, ist bei allen Hilfesuchenden vor allem auf Beratung ausgelegt: „Oft geht es um praktische Dinge: Wir stellen Kontakte zu Hebammen her, weisen auf das nächste Krankenhaus hin, klären über Versicherungsfragen auf. Wir verstehen uns als Lotsen für die Frauen“, so Cornelia Hoffmann. Die Beziehung, die dabei entstehe, sei manchmal sehr intensiv. „Wir begleiten bis zum dritten Lebensjahr des Kindes“, erklärt Wolf.

Ihrer Aufgabe stellen sich die Beiden gerne. „Die Schicksale der Menschen gehen einem nahe, aber es ist schön, wenn man Hilfe leisten kann“, sagt Cornelia Hoffman, die dabei auch viel über andere Länder und Kulturen gelernt hat. Eine besondere Dankbarkeit spürt Hoffmann seither auch: in Frieden leben zu dürfen und in Sicherheit.

Maria Steber

Wer die Arbeit von Pro Vita unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende für den Bischöflichen Hilfsfonds tun. Auch das Bistum Augsburg hat den Fonds bereits mit 50.000 Euro aufgestockt. Bischöflicher Hilfsfonds „Pro Vita“Kennwort: „Flüchtlinge“LIGA Bank eGIBAN: DE82 750 903 00 0000 193 909BIC: GEN0DEF1M05