Was erwartet Sie auf unseren Touren?

 

Das Gebirge ist ein wundersamer Ort. Es kann uns erinnern an Fragen, die uns gerade jetzt oder schon lange begleiten. Und es kann uns einweisen in Erfahrungen der Stille, Einsamkeit, Weite und Tiefe unseres Daseins - Erfahrungen, die jeden ernsthaften spirituellen Weg begleiten.

Exerzitien haben eine lange Tradition. Unter dem Begriff „Exercitia spiritulia“ fasst die asketische Sprache des Mittelalters Übungen zusammen, die der Vertiefung des geistlichen Lebens dienen. Neben dem Gebet, der Meditation biblischer Texte und der Auseinadersetzung mit der eigenen Lebenswirklichkeit, sind die Erfahrungen der Einsamkeit und Stille wesentliche Elemente dieses geistlichen Weges. Exerzitien brauchen Zeit. Die klassischen ignatianischen Exerzitien dauern 4 Wochen, aber schon Ignatius hat davon abweichende Formen als legitime Adaptationen vorgesehen.

Bei Bergexerzitien führt dieser Weg der geistlichen Vertiefung durchs Gebirge. Das Gehen und Steigen ist ein integraler Teil der Exerzitien. Zwei grundlegende Annahmen bilden die Voraussetzung für die Möglichkeit von Bergexerzitien:

Erstens: Die Berge sind ein Ort, der sich in besonderer Weise für den Prozess einer spirituellen und damit immer schon existentiellen Auseinandersetzung mit Fragen der eigenen Lebenswirklichkeit und Gotteserfahrung eignet. Im Sinne der Annahme einer wechselseitigen Bezogenheit und Einflussnahme von dem, was wir vorhaben und dem Ort, an dem wir es zu tun gedenken, ist es gut, den Weg der geistigen Suche durch die Berge führen zu lassen.

Zweitens: Das tägliche Unterwegssein im Gebirge, das Steigen und lange Gehen, ist eine Bewegung, die den Exerzitienprozess intensivieren kann.

Das Gebirge ist ein wundersamer Ort. Auch, vielleicht sogar besonders, um der Frage nach Gott zu folgen. Aus diesem Grund gibt es Bergexerzitien.

Helmut Betz und Knut Waldau. Hier, am Stempeljoch im Karwendel,  begannen die ersten Bergexerzitien 2001 (Foto: Manfred Albang, September 2019) 

"Die Stille ist in den Bergen oft ungeheuer gegenwärtig und raumfüllend. Stille ist kein Mangel an Schall, kein Ausbleiben von Geräuschen, kein Ausdruck eines Fehlens  so wie die Dürre ein ausgeprägter Mangel  an Flüssigkeit ist. Sie ist ganz im Gegenteil ein Zustand der Fülle, etwas, das einen Raum ausfüllt und sogar das Auftreten von Lauten und Tönen überdauern kann. Manchmal bleibt es still, auch wenn Geräusche wahrnehmbar sind. In Augenblicken scheint es, als ließe sich in den Berge diese Stille sogar hören."