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Religiöses Buch des Monats Augsut 2018

31.07.2018

Wolfgang Sauer: Die Mitte des Lebens finden.

Herder Verlag  2018, 16,00 €,   ISBN: 9783451380709

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Im Guten wie im Schlechten ist die Heilige Messe den meisten Katholiken zur Routine geworden. Wolfgang Sauer stellt diese Routine in seinem Buch in Frage – nicht, um es besser zu wissen, sondern um den Leserinnen und Lesern zu einem tieferen Verständnis des Geschehens zu verhelfen. Auf persönliche, konkrete und durchaus auch emotionale Weise teilt er mit ihnen die Einsichten, die ihm im Laufe seiner inzwischen 45 Dienstjahre als Priester zugewachsen sind, u.a. als Seelsorger für Priesteramtskandidaten, Hochschulseelsorger in Heidelberg und Direktor der katholischen Journalistenschule ifp in München. Seine Gedanken ordnet er unter Überschriften wie „Unser tägliches Brot“, „Herr, ich bin nicht würdig“, „Zu seinem Gedächtnis“. Christsein bedeutet in Sauers Augen, sein Leben in der Grundhaltung der Dankbarkeit zu führen. Diese „eucharistische Existenz“ wurzelt im Staunen über das Leben selbst und in der Dankbarkeit für die liebende Zuwendung Gottes zu allen Menschen – mit ihren Fehlern und Schwächen.

 

Nicht Selbsterniedrigung, sondern Selbstannahme

Christsein     bedeutet in Sauers Augen, sein Leben in der Grundhaltung der Dankbarkeit zu     führen. Diese „eucharistische Existenz“ wurzelt im Staunen über das Leben     selbst und in der Dankbarkeit für die liebende Zuwendung Gottes zu allen     Menschen – mit ihren Fehlern und Schwächen. Im Bewusstsein dieser     Unzulänglichkeit liegt im Übrigen auch der tiefere Sinn des Gebets „Herr     ich bin nicht würdig ...“. Nicht Selbsterniedrigung, sondern     Selbsterkenntnis und Selbstannahme finden darin ihren Ausdruck, ist Sauer     überzeugt. Darin liege „eine ganz besondere Form von Würde und     Selbstachtung“, weil der Mensch in der Eucharistie erfahre, dass Gott ihn     trotz „der Brüchigkeit seiner Existenz und der scheinbar vergeblichen     Auflehnung gegen das Ungeordnete in seinem Leben“ liebe. Eucharistische     Existenz bedeutet darüber hinaus „ein Leben mit ausgebreiteten Armen“ zu     führen, um diese grenzenlose Liebe Gottes empfangen und weitergeben zu     können. „Christen sollen Künstler des Teilens sein“, fordert Sauer deshalb.     Der Gedanke, dass der Alltag des Christen eine Fortsetzung der     Eucharistiefeier mit anderen Mitteln sein muss, zieht sich daher wie ein     roter Faden durch das Buch. Jesu Aufforderung „Tut dies zu meinem     Gedächtnis“ bezieht sich Sauer zufolge eben nicht nur auf die Wiederholung     des letzten Abendmahles, sondern fordert zur Nachahmung seines Lebens auf,     also zu lieben, bis es wehtut.

 

Eucharistie bleibt     ein Geheimnis, ein Mysterium.

So klar Sauer auch seine Gedanken zu verschiedenen Aspekten     der eucharistischen Existenz formulieren kann, so bewusst ist er sich doch,     dass die Eucharistie auch ein Mysterium ist. Das Geschehen entzieht sich     letztlich der begrifflichen Festlegung. Oder mit Thomas von Aquin:     „Gottheit tief verborgen, betend nah‘ ich dir“. Dennoch darf diese Einsicht     nicht zur Ausrede werden, meint Sauer, auf eine denkerische Annäherung an     das Geheimnis der Eucharistie zu verzichten. Dazu lädt er ausdrücklich auch     seine Leserinnen und Leser ein, die seine Gedanken kreativ weiterdenken     sollen. Auf diese Weise kann aus Routine wieder ein Gefühl für die     tröstende Kraft und das befreiende Geheimnis der Eucharistie wachsen. (Borromäusverein)