08:52:55
08:52:55
08:52:56

Religiöses Buch des Monats August 2017

25.07.2017

Martina Kreidler-Kos, Christoph Hutter: Mit Lust und Liebe glauben. „Amoris laetitia“ als Impuls für Gemeinde, Partnerschaft und Familie. Ostfildern, Schwabenverlag 2017, 208 S.; 19,00 €

„Es ist gut, den Morgen immer mit einem Kuss zu beginnen.“ Hätten Sie erwartet, so einen Satz in einem päpstlichen Schreiben zu finden? Er stammt aus „Amoris laetitia“, dem Schreiben, in dem Papst Franziskus die Ergebnisse der Bischofssynode zum Thema Familie zusammenfasst und weiterführt. Es steckt in jeder Hinsicht voller Überraschungen.

Dass sich die Lektüre von „Amoris laetitia“ für alle Gläubigen lohnt, wollen Martina Kreidler-Kos und Christoph Hutter – beide im Bistum Osnabrück in der Familienpastoral tätig – mit ihrem Buch zeigen.

Da dem Papst daran gelegen ist, dass jede/r Christ/in ihn versteht, geht es ihnen vor allem darum, das Schreiben in einen größeren Zusammenhang zu stellen, sowohl was andere kirchliche Texte angeht, als auch was die psychologische und soziologische Sicht auf Ehe und Familie betrifft. Hier zeigt sich: der Papst ist up to date. Im ersten Teil blicken sie auf die Familiensynode zurück und fassen die wesentlichen, teils bahnbrechenden Aussagen von „Amoris laetitia“ zusammen.

Im zweiten Teil fragen sie nach der Alltagstauglichkeit der päpstlichen Empfehlungen („Alltagscheck“ genannt) und zeigen damit, dass „Amoris laetitia“ nicht alltagsfern ist, sondern mitten aus dem Leben schöpft.

Im dritten Teil schließen sich praktische Ideen an, die sich auf das Familienleben beziehen. Papst Franziskus sieht in den Familien „Hauskirchen“. Diesen auf den ersten Blick etwas hochtrabend erscheinenden Begriff beziehen Kreidler-Kos und Hutter auf den Familienalltag und zeigen, welche Wertschätzung und Würdigung dieser Alltag dadurch erfährt. Vorschläge für eine Postkartenaktion machen Lust, im eigenen privaten Umfeld wie in der Gemeinde mit den Gedanken von „Amoris laetitia“ hausieren zu gehen.

Papst Franziskus ist mit diesem Schreiben die Quadratur des Kreises gelungen. Er weist Wege, die die Praxis der Kirche nachhaltig verändern können, ohne deswegen die Lehre anzutasten, z.B. was die Unauflöslichkeit der Ehe angeht. Dreh- und Angelpunkt ist die „Logik der Barmherzigkeit“, die es möglich macht, den Einzelfall in den Blick zu nehmen. Kreidler-Kos und Hutter gehen ausführlich darauf ein.

Der Papst fordert den Wechsel von einer Kultur der Ausschließung hin zu einer Kultur der Begleitung und Eingliederung. Er setzt auf das Gewissen der Gläubigen und traut ihnen Wachstum und Reifung zu. Die Autoren zitieren den Wiener Kardinal Schönborn, der bei der Vorstellung von „Amoris laetitia“von einem Klima des Angenommenseins sprach, das dieses Schreiben ausstrahle; niemand müsse sich verurteilt oder verachtet fühlen.

Zu den revolutionären Äußerungen gehört Franziskus Forderung, Menschen zu begleiten, deren Ehen scheitern, und mit „Geschiedenen in neuer Verbindung“ einen liebevollen und eingliedernden Umgang zu pflegen. Davon ausgehend sprechen sich die Autoren für die Entwicklung einer Trennungskultur aus – ohne die Unauflöslichkeit der Ehe in Frage zu stellen, aber um auf eine gesellschaftliche Not zu antworten.

In diesem Klimawandel liegt eine große Herausforderung, die alle Katholiken angeht, wie Kreidler-Kos und Hutter betonen. Deshalb wendet sich ihr Buch nicht nur an die Profis in der Kirche, sondern an alle, die sich für Glaubensfragen interessieren. Eine bereichernde und ermutigende Lektüre, die einlädt, diesen kirchlichen Klimawandel im eigenen Umfeld zu verwirklichen. (Borromäusverein)

 

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

 

Bei Angabe der Quelle ist der freie Abdruck des Textes erlaubt.