11:23:15
11:23:15
11:23:15

Religiöses Buch des Monats Februar 2018

30.01.2018

Alois Prinz: Bonhoeffer. Wege zur Freiheit. Stuttgart, Gabriel 2017. – 270 S.; 16,99 €

 „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag ...“. Diese Zeile stammt aus Dietrich Bonhoeffers wohl bekanntestem Text, den er 1944 kurz vor Weihnachten im Gefängnis schrieb. Das Gedicht zeugt von tiefem Gottvertrauen angesichts eines drohenden Todesurteils – und von dem Funken Hoffnung, dass das Kriegsende diesem Urteil zuvorkommen könnte. Es kam anders und das Gedicht wurde Teil von Bonhoeffers Vermächtnis.

Alois Prinz beschreibt sehr eindrucksvoll, wie Bonhoeffer allmählich in diese Haltung hineinwuchs. Aus einer protestantischen, gutbürgerlichen Familie stammend begann er sein Theologiestudium mit großem Ehrgeiz und hatte bereits 1927, nach nur vier Jahren, seinen Doktor und 1930 die Qualifikation für eine Professur in der Tasche und hielt seine Antrittsvorlesung – gerade mal 24 Jahre alt!

 

In diesen Jahren zeichnete sich sein Lebensthema ab. Wie gehören die Wirklichkeit Gottes und die Wirklichkeit der Welt zusammen? Das war für Bonhoeffer alsbald keine akademische Frage mehr, sondern – beflügelt durch seine Erfahrung als Vikar und Studentenseelsorger – eine ganz praktische Frage. Wie handelt man als Christ richtig? Anfang der vierziger Jahre arbeitete er an einem Buch zu dieser Frage, „das wichtigste Buch seines Lebens“, wie Alois Prinz schreibt, doch es wurde nie fertig.

Die politische Entwicklung im Deutschen Reich und innerhalb der evangelischen Kirche, die von den Nationalsozialisten in kurzer Zeit „gleichgeschaltet“ wurde, brachte Bonhoeffer zur „Bekennenden Kirche“, für die er zu einer zentralen Figur wurde, und in Kontakt mit dem Widerstand. Diese Verbindung zusammen mit einigen kritischen Äußerungen führten 1943 zur Festnahme durch die Gestapo. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer erhängt.

Doch Bonhoeffers Bedeutung besteht nicht allein darin, dass er aus christlicher Überzeugung Widerstand gegen Hitler geleistet hat. Alois Prinz arbeitet an vielen Stellen der Biografie heraus, dass Bonhoeffers theologische Ideen heute noch große Wirkung entfalten können. Er war auf der Suche nach einem Gott, der mit allen Dimensionen des menschlichen Lebens verwoben ist, ein Gott „mitten im Leben“. Diesen Gott fand Bonhoeffer in der Spur Jesu im „Sein für andere“. Dieses „Sein für andere“ ist eine Absage an jede Form von Weltflucht und alle Versuche, das Christliche auf bestimmte, unpolitische Lebensbereiche zu beschränken. Man müsse wie Jesus selbst leben, „als gäbe es keinen Gott“. An diesem Paradox, das Bonhoeffer in seinen Briefen aus dem Gefängnis formulierte, hat man gewiss lange zu kauen, aber es lohnt sich, wie sich überhaupt eine Beschäftigung mit Dietrich Bonhoeffer lohnt, um herauszufinden, wie man heute als Christ leben kann.

Das Faszinierende an Alois Prinz‘ hervorragender Biografie ist die Leichtigkeit, mit der er das Leben und die Ideen Dietrich Bonhoeffers schildert. Die Leser/innen begegnen einem Menschen, der seinen eigenen Weg gesucht und gefunden hat – und andere Menschen dazu inspirieren kann. Gerade deshalb eignet sich Prinz‘ Biografie nicht nur für Erwachsene, sondern ausdrücklich auch für Jugendliche ab etwa 15 Jahren. (Borromäusverein)

https://www.michaelsbund.de/