Rosenkranz

01.10.2014 13:49

Der Rosenkranz ist eine alte Form des Gebetes. Heute gerät er manchmal in Vergessenheit

„Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir,…“ 
Wenn diese Worte durch die Kirche hallen, meist von einem Seitenaltar aus, und man sich auf die Suche nach dem Ursprung der Worte macht, stößt man oft auf wenige Menschen. Sitzend beten sie, in der Hand eine Kette aus Perlen – der Rosenkranz. Oft sind die Menschen im gesetzten Alter, wenig bis kaum sieht man junge Menschen, die sich am Rosenkranzgebet beteiligen.

Im Oktober – dem Rosenkranzmonat – führt mich meine Suche genau zu dieser anscheinend nicht vorhandenen Gruppe von Menschen. Junge Menschen, die einen Zugang gefunden haben zum Rosenkranzgebet. Drei Jugendliche – Manuel (18), Daniela (18) und Bernadette (18) – stellen sich meinen Fragen rund um die Gebetskette. Alle drei leben derzeit in Augsburg im Basical, dem Orientierungsjahr für junge Christen. Was sie mir erzählt und beigebracht haben und was der Rosenkranz mit erholsamem Schlaf zu tun hat, können Sie im folgenden Interview nachlesen. Viel Vergnügen!

Was ist für dich Rosenkranzgebet?

Manuel: Rosenkranzgebet ist für mich zur Ruhekommen und mit

 

Daniela, Manuel und Bernadette stellten sich den Fragen rund um ihre Beziehung zum Rosenkranz

 

Maria zusammen meine Gedanken, meine Sorgen aber auch alles was gut ist in meinem Leben vor Gott zu bringen und es Gott zu übergeben.

Daniela: Ja, so ähnlich geht es mir auch. Wenn ich nicht beten kann oder einfach nicht weiß, was ich beten soll, dann hilft mir der Rosenkranz dabei, weil er fest ist. Er bringt mich immer zur Ruhe, wenn ich mir Sorgen mache. Ich glaube auch, dass die Mutter Gottes mich vielleicht besser verstehen kann, weil sie eine Frau ist. Zumindest fällt mir manches dadurch leichter.

Bernadette: Ich finde es einfach schön wenn man in der Natur draußen den Rosenkranz betet, zum Beispiel beim Spazierengehen im Wald. Die Natur beruhigt dich schon und der Rosenkranz noch viel mehr.

 

Ich finde es stark was ihr sagt: Betrachtung des Lebens, Ruhe finden, Fürbitte. Wie seid ihr an diesen Punkt gekommen, an dem ihr jetzt steht? Könnt ihr euch an ein Erlebnis erinnern, mit dem das angefangen hat?

Manuel: Ich glaub man muss ins Gebet reinwachsen. Am Anfang fällt es schwer sich hinzusetzen und Rosenkranz zu beten aber irgendwann wächst man da rein und wird dabei immer ruhiger. Man lernt das Gebet einfach dadurch kennen.
Ich hab ihn auf den Prayerfestivals kennenlernt. Da betet man immer Rosenkranz. Meine Eltern haben ihn auch gebetet, aber da war ich nie so richtig dabei und hatte darauf keine Lust. Bei der Jugend 2000 hab ich mitbekommen, dass das Gebet ja doch irgendwie cool ist. Also habe ich selber angefangen ihn zu Hause zu beten.

Bernadette: Ich kenne das Rosenkranzgebet schon von klein auf. Wir haben in der Familie immer am Abend zusammen gebetet.
  
 Deine Eltern mit dir? 
Bernadette: Ja unsere komplette Familie. Als allmählich alle ausgezogen sind, hat es sich etwas verlaufen. Aber bei den Pfadfindern habe ich ihn wieder gebetet.

Daniela:  Ich kenne ihn auch durch meine Familie. Wir haben ihn zwar nicht so regelmäßig gebetet, aber immer in bestimmten Zeiten. Zum Beispiel in der Adventszeit: Da haben wir ein Gesätz des Rosenkranzes gebetet und Lieder gesungen. Das fand ich total schön. Es war dunkel und wir haben viele Kerzen angezündet.
Seit ich 10 bin, geh ich jedes Jahr mit einem alten Freund meines Opas auf eine Wallfahrt nach Altötting. Einige Jugendliche und er gehen gemeinsam dahin. Jeden Tag beten wir den Rosenkranz. Er hat uns beigebracht, dass es wichtig und dass es schön ist, jeden Tag ein Gesätz zu beten. In meinem Freundeskreis hat sich das weiterentwickelt. Manche wollten versuchen, jeden Tag Rosenkranz zu beten und ich hab mich ihnen angeschlossen. Das ging sogar soweit, dass wir uns am Abend angerufen und zu viert miteinander am Telefon gebetet haben. Am Anfang noch nicht jeden Tag, aber später klappte das sehr gut. Das sind sehr wertvolle Erfahrungen für mich.

 

Ihr habt gesagt, dass ihr hineingewachsen seid und dass man das auch muss. Wenn ihr zurückdenkt an die Zeit, wo ihr den Rosenkranz kennengelernt habt: Welche Punkte sind euch dabei schwer gefallen?

Bernadette: Also ich hatte früher nicht soviel Lust immer jeden Abend zu beten, vor allem wenn man gerade schön beim Spielen war.

Also hat dich das Beten gestört? 
Bernadette: Ja einfach, das es Zeit in Anspruch genommen hat, als man etwas anderes machen wollte. Und dann ist Rosenkranz beten ja immer das Gleiche. Wenn man da zerstreut ist, kann man ihn nicht richtig betrachten und es fällt einem sehr schwer, weiter zu machen. Wenn man aber dabei sein kann, also mit den Gedanken, dann macht einem das Gebet viel Freude.

Du hast gesagt man muss etwas betrachten. Was brauchst du dafür, um das zu können? 
Bernadette: Ja ich mach das halt so: wenn es heißt „der für uns gegeißelt worden ist“, stelle ich mir Jesus vor, wie er für mich geschlagen wird, damit ich in den Himmel komm.

Das kostet Kraft oder? 
Bernadette: Ja.

Manuel: Fantasie auch.

Ist es anstrengend, Rosenkranz zu beten? 
Bernadette: Manchmal ja.

Manuel: Anfangs ja.

Daniela: Also ich find, dass es nicht nur am Anfang schwerfällt, sondern auch jetzt. Im Basical beten wir um 15 Uhr Rosenkranz und manchmal denkt man: „Ich hätte jetzt schon lieber Lust was anderes zu tun.“ Zum Beispiel wenn es auf dem Sofa grad nett ist und man lieber ratschen möchte. Dann muss man sich jetzt in die Kapelle bewegen.

Manuel: Manchmal kommt dann die Tiefschlafphase, manche schlafen ein während dem Rosenkranz.

Bernadette: Also er!

Manuel: Ich hab halt festgestellt: ich kann mich in der Kapelle super gut entspannen. Wenn ich Rosenkranz bete, kann ich sehr gut schlafen und hab einen richtig friedlichen Schlaf. Ich hab noch nie so schön geschlafen, wie beim Rosenkranz.

Weil er langweilig ist? 
Manuel: Nein, nein! Weil er beruhigend ist, man vergisst einfach alle Sorgen und alles andere auch!

 

Es kostet Kraft, es ist anstrengend, manchmal schläft man dabei ein. Daniela bei dir ist durchgeklungen, dass es viel mit Disziplin zu tun hat, das Beten: Auf dem Sofa ist es so nett, in die Kapelle muss ich mich bewegen,... Das sind ja Klischees, die man Jugendlichen gern zuschreibt: bewegungsmüde, faul, motivationslos. Wie schafft ihr das trotzdem? Wie kommt ihr vom Sofa in die Kapelle?

Bernadette: Erstensmal ist es in der Gemeinschaft viel leichter. Man kann sich gegenseitig dazu motivieren. Alleine ist es schwieriger, da kommt es manchmal vor, dass man es ausfallen lässt.

Daniela: Es ist wie in einer Beziehung zu einem Freund. Sie wird stärker, wenn man Zeit in sie investiert. So ist es auch mit Gott. Meine Beziehung zu ihm wird stärker, wenn ich mir Zeit für ihn nehme. Und manchmal merkt man eben, dass man sich mehr Zeit für sich genommen hat, aber keine für die Beziehung. Da muss man sich einfach mal aufraffen.

Und wenn es dann doch mal ausfällt? 
Bernadette: Ja ich denk, dass Jesus nicht sauer ist, wenn man es mal ausfallen lässt. Er weiß, dass wir Menschen sind und dass wir Hochs und Tiefs haben. Aber wichtig ist, es nicht immer ausfallen zu lassen. Es sollte nicht zur Gewohnheit werden.

Daniela: Das Gebet darf aber auch nicht zur Dienstleistung werden. „Ich muss das Gott jetzt geben, sonst ist er sauer auf mich.“

Manuel: Genau! Ich denke, du musst keinen Rosenkranz beten, aber es bringt dich selber weiter, wenn du es tust.

Bernadette: Das basiert ja auf Freiwilligkeit! Man kann sagen – das haben wir hier im Basical gelernt – dass ganz alltägliche Dinge Gebet sind, einfach aus Liebe zu Jesus.

Manuel: Ja das geht uns ja allen irgendwie so, dass man in jeder Situation ins Gebet hineinwächst und irgendwann in jeder Situation irgendwie betet.

 

Für mich wär noch interessant, welcher der Rosenkränze dich persönlich am meisten anspricht?

Bernadette: Also mich spricht am meisten der schmerzhafte Rosenkranz an. Er spiegelt das Leid von Jesus wieder, das er für mich ausgehalten hat. Ich versuche mich in ihn hineinzuversetzen, was er gedacht und gefühlt hat, als er geschlagen und verspottet wurde. Das könnte uns auch passieren, dass wir für unseren Glauben verspottet werden.

Kennst du diese Situtaion? 
Bernadette: Ja das kam schon ab und zu in der Schule vor. Oder das man Angst hat wie Jesus am Ölberg.

Daniela: Also bei mir ist es der Freudenreiche. Da kann ich mir immer etwas rausziehen. Ich betrachte wie Maria Ja sagt, wie sie sich auf den Weg macht und nicht zuerst an sich denkt, sondern an ihre Cousine Elisabeth.

Manuel: Für mich ist es auch der Schmerzhafte. Irgendwie weil er mir hilft zu begreifen was Gott, was Jesus für mich getan hat. Was er da durchleiden musste. Das kann man sich manchmal wie ein Film vorstellen. Was er erleiden musste, damit es uns gut geht.

Bernadette: Und das viele Menschen ihm das nicht mal danken oder ihn überhaupt kennen oder an ihn glauben.

Und trotzdem lässt er sich ans Kreuz schlagen! 
Bernadette: Ja, obwohl wir manchmal so undankbar sind.

Manuel: Ich mein, wer würde für einen Sterben, der einen dafür verspottet.

Bernadette: Er ist ja auch für diejenigen gestorben, die ihn ans Kreuz geschlagen haben. Das ist schon schwer, wenn man aus Liebe zu jemandem stirbt, der einen hasst.

 

Was würdest du jemandem raten, der entweder den Rosenkranz noch nicht gebetet hat oder der ihn nicht so gern betet?

Daniela: Das wichtigste ist, dass man es einfach ausprobiert. Dann kann man danach entscheiden, ob es etwas für einen ist. Wenn man ihn nicht so mag, dann kann man gut kleine Betrachtungshefte nehmen und dazu lesen. Das hilft ziemlich viel, gerade wenn man einsteigt.

Bernadette: Ich würde empfehlen, sich einen Freund oder eine Freundin zu suchen und mit jemandem zusammen zu beten. Allein ist immer schwerer als zusammen. Oder man kann füreinander eine Gebetsgemeinschaft bilden: Einer betet für mich und ich für ihn.

Manuel: Ich würde versuchen zu erklären, wieso der Rosenkranz für mich ein Schatz ist und warum es sich lohnt ihn zu beten. Man kann da Gott wirklich näher kommen, man kann beten lernen mit Maria.

Daniela: Ich würde auch von meinen Erfahrungen erzählen, wo ich schon sowas wie kleine Wunder erlebt habe und wie mir der Rosenkranz geholfen hat.

Manuel: Zum Beispiel wenn man grad voll gestresst ist, dann bringt einen der Rosenkranz echt runter und er schenkt Frieden.

Ich danke Daniela, Bernadette und Manuel ganz recht herzlich für dieses offene und interessante Gespräch. Danke, dass ich bei euch etwas lernen durfte!