Was sind Exerzitien im Alltag

Bei Exerzitien im Alltag geht es darum, neu in Berührung zu kommen: mit sich selbst, mit anderen, mit Gott. Es ist ein Übungsweg, Gott und den Alltag zu verbinden.  Wenn ich mitten im Leben stehe und Gott dabei einen Platz bekommt, dann trenne ich nicht mehr die Zeit des Gebetes und die Zeit meines Lebens. Gott ist da – mitten in meinem Lebensalltag, meinem von Gott geschenkten Lebensraum. „Gott suchen und finden in allen Dingen“ so sagt es Ignatius von Loyola. Für uns Christen gibt es keine „gottlose“ Zeit. Christsein in der Welt, dazu ermuntern uns die Impulse der Exerzitien im Alltag.

Bild: Ursula Lobmaier

Woher kommen die Exerzitien im Alltag?

In seinen „Geistlichen Übungen“ (Exerzitien/GÜ) kennt Ignatius zwei Weisen, Exerzitien zu begleiten. Die eine wird so gelebt, dass sich die Menschen aus ihrem Alltag zurückziehen und, wie wir heute sagen, in einem Exerzitienhaus „Exerzitien machen“.

Die zweite Weise gilt den Menschen, die viel beschäftigt sind: sie sollen sich mitten in ihrem Alltag täglich eineinhalb Stunden nehmen und sich auf die Grundlagen des Lebens und des Glaubens besinnen, „wozu der Mensch geschaffen ist“ und was ihn davon abhält. (GÜ 19).

Dazu soll der, „der die Übungen gibt“, Hilfen zum Gebet und zur Erforschung des Lebens und des Gewissens geben.

Für Ignatius ist wichtig, „in allem Gott zu suchen und zu finden“ und jeweils im Gebet die Dynamik, die Richtung zu erspüren, wo Gott mehr hinführt, wo er zu mehr Glauben, Hoffen und Lieben und zu mehr Leben ruft. Diese Weise, innere Bewegungen wahrzunehmen und ihre Richtung bzw. Gegenrichtung zu prüfen, nennt er „Unterscheidung der Geister“.

Die „offenen“ Exerzitien in der gewohnten Umgebung des Alltags wurden zunächst in den USA, dann auch in Irland in den Jahren nach 1980 wiederentdeckt und fanden auch in Deutschland vor allem durch die Jesuiten und die Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) erstes Echo.

Sehr schnell wurde das Anliegen aufgegriffen und immer mehr Menschen interessierten sich für die dann so genannten „Exerzitien im Alltag“.

Der Begriff wurde bald auch für andere Formen der Besinnung, vor allem in der Fastenzeit, übernommen. Deshalb ist es wichtig geworden, genau zu fragen, was unter „Exerzitien im Alltag“ jeweils verstanden wird.

   

Was sind „Exerzitien im Alltag“ nach Ignatius, also ignatianische Exerzitien im Alltag?

  • Sie sind ein geistlicher Übungsweg über mindestens vier Wochen, besser noch länger.
  • Wichtiges geschieht auf dem persönlichen Weg des täglichen  Übens, des Betens nach der Hl. Schrift und des Entdeckens der Spuren Gottes im Alltag durch die Einzelnen („Gott suchen und finden in allem“) im Tagesrückblick, der auch „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ (Willi Lambert SJ) heißt.
  • Die kurzen Impulse sollen ins Gebet führen, in die Tiefe. Die Gebetszeit lädt ein, in die Tiefe zu gehen, zu spüren und wahrzunehmen.
  • Die wöchentliche Austauschgruppe dient der Ermutigung und Bestärkung auf dem eigenen Weg durch das Hören von den anderen, durch die Erfahrung der Glaubensgemeinschaft („Kirche im Kleinen“) und gibt Anregungen zur Einübung in die jeweils nächste Woche.

     

Beitrag aus dem Magazin von Kath1TV v. 15.12. zu den Exerzitien im Alltag: