„Das neue Gotteslob wird einen Schatz an Gesängen bieten“

Pfarrer Ulrich Müller (links) und Pater Stefan Kling mit Druckfahnen des Gotteslobs. Foto: Maria Steber

Am ersten Adventssonntag, zu Beginn des kommenden Kirchenjahres, wird das neue Gotteslob eingeführt. Was hat sich geändert? Was ist wirklich neu am „neuen“ Gotteslob? Pfarrer Ulrich Müller, Liturgiereferent im Bistum Augsburg, und Pater Stefan Kling, Leiter des Amts für Kirchenmusik, geben Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Wird das gemeinsame Gebet- und Gesangbuch wieder Gotteslob heißen?

Ja, das neue Gebet- und Gesangbuch wird wieder Gotteslob heißen. Aussehen und Format werden allerdings anders sein: Der Einband der Kirchenausgaben wird hellgrau sein, den Einband der Ladenausgaben gibt es in unterschiedlichen Varianten. Das Format ist etwas größer als bisher.

Warum hat man überhaupt ein neues Gotteslob zusammengestellt?

Das alte Gotteslob wurde 1975 eingeführt, seither hat sich viel verändert: Viele der Gesänge aus dieser Zeit empfindet man heute eher als „spröde“ oder emotionslos. Die Texte der Andachten waren eher „verkopft“, so dass man sie vielfach gar nicht genutzt hat. Heute gibt es neue Themen und neue Fragen in der Kirche, die nun, in der Zusammenstellung des neuen „Gotteslob“, beachtet und aufgenommen wurden. Das geistliche Liedgut hat sich im Laufe der Zeit stark ausgeweitet, bei Feiern wie zum Beispiel Taufen oder Beerdigungen hat sich durch die Einführung der entsprechenden neuen liturgischen Bücher einiges verändert, neue gottesdienstliche Feiern sind entstanden. Wortgottesfeiern, verschiedene Formen der Tagzeitenliturgie und andere neue liturgische Feiern sind jetzt im neuen Gotteslob mit abgebildet.

Was wird sonst noch neu sein?

Neue Geistliche Lieder werden eine größere Rolle spielen.Außerdem wurden Lieder aus dem 19. Jahrhundert neu bzw. wieder aufgenommen. Und es gibt besser singbare Kehrverse. Das neue Gotteslob ist auch deutlich auf die Glaubensweitergabe hin akzentuiert, durch Bereiche wie Hausgebete, Bibelschule oder katechetische Texte.

Wann geht das neue Gotteslob an den Start, wann wird es zum ersten Mal eingesetzt?

Am 1. Adventssonntag wird das Buch in Freiburg von der Deutschen Bischofskonferenz offiziell eingeführt. Wann das Gotteslob im Bistum Augsburg erscheinen wird, kann noch nicht gesagt werden.

Gibt es auch „alte Schlager“ wieder?

Die „Augsburger Klassiker“ sind natürlich wieder mit drin, zum Beispiel „Am Pfingstfest um die dritte Stunde“ oder „Ein Haus steht wohl gegründet“.

Welche Lieder sind nicht mehr im Gotteslob zu finden?

Entfallen sind Lieder aus den 1970er Jahren, die eher als spröde und wenig sanglich empfunden wurden. Dasselbe gilt für manche Gesänge, die in vielen Gemeinden von den Gläubigen nicht wirklich angenommen worden sind. Deshalb sind im Gotteslob Lieder wie „Das ist ein köstlich Ding “ nicht mehr zu finden - oder aber die Liedtexte sind mit anderen Melodien vertont worden (z. B.: „Segne dieses Kind“).

Welche Lieder bleiben erhalten?

Die klassischen Kirchenlieder, und zwar aus allen Jahrhunderten. In unserem Diözesanteil bleiben so 55 Prozent der alten Lieder erhalten, z. B.: „O komm, o komm Emmanuel“, „Herr, du bist das Brot des Lebens“ oder „Unser Leben sei ein Fest“. Manche Lieder, die bisher im Diözesanteil standen, finden sich im neuen Gotteslob im Stammteil, z. B. „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ oder „Erde singe, dass es klinge“. Rund 45 Prozent der Lieder werden also neu sein. Im Diözesanteil sind dies z. B. „Halleluja, lasst uns singen“, „Vertraut den neuen Wegen“ oder „Nun gebe Gott uns seinen Segen“.

Viele Lieder müssen erst eingeübt werden. Gibt es dazu Gesangstunden?

Das Einstudieren von Liedern wird vielfältig ausgestaltet werden: über Kirchenchöre, Proben vor den Gottesdiensten und derlei. Die Organisten haben da eine wichtige Aufgabe: Das neue Gotteslob wird einen Schatz an Gesängen bieten, der auch wirklich gehoben werden muss. Die Einführung des neuen Buches braucht viel Geduld und Offenheit in den Gemeinden. Wir sind da aber guter Dinge und stoßen vor Ort in den Dekanaten auf eine positive Resonanz. Wir sind bereits dabei, das Gotteslob in allen Dekanaten vorzustellen, um die Einführung in den Gemeinden entsprechend vorzubereiten. Beim Diözesanen Chortag während der diesjährigen Ulrichswoche nahmen wir das neue Gotteslob in den Blick. Auch bei fast allen Aus- und Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Liturgie und Kirchenmusik geht es momentan um das Gotteslob, damit es in den Gemeinden in seiner ganzen Vielfalt angenommen wird.

Wie steht es im Gotteslob mit „Neuen Geistlichen Liedern“?

Neue Geistliche Lieder sind natürlich repräsentiert, aber auch hier vor allem die „Klassiker“. Als wichtiges Kriterium galt hier vor allem, daß die Lieder auch wirklich gemeindetauglich sind.

Werden im neuen Gotteslob auch Lieder in anderen Sprachen sein?

Ja, aber nur wenige. Lieder in anderen Sprachen haben sich in den Gemeinden als schwierig erwiesen. Das hat sich aus der Erfahrung mit einer Probepublikation in ausgewählten Gemeinden ergeben.

Gibt es auch wieder die lateinischen gregorianischen Messen?

Die gregorianischen Messordinarien und weitere gregorianische Gesänge sind auch im neuen Gotteslob enthalten. Sie gehören selbstverständlich zum jahrhundertealten Gesangsschatz der Kirche. Hilfreich ist, dass diese Gesänge im neuen Gotteslob zum besseren Verständnis mit einer Interlinearübersetzung versehen sind.

Wird es auch wieder einen Diözesanteil geben?

Ja, den Diözesanteil, auch Eigenteil genannt, gibt es im neuen Gotteslob wieder. Er wird zusätzlich einen Blick in die Geschichte des Bistums bieten und unsere Bistumsheiligen vorstellen. Es wird dort- neben den Gesängen - auch verschiedene gottesdienstliche Feiern und Gebete geben.

Wie viele Lieder bzw. Nummern werden im neuen Gotteslob zu finden sein? Mehr als 999 … womit dann viele Liedanzeiger überfordert wären?

Nein, es wird nicht mehr als 999 Nummern geben. Ab 700 beginnt der Diözesanteil, die letzte Nummer ist 915.

Wie sieht es in den Gemeinden aus? Gibt es da einen Grundbestand an Büchern, der allen Gläubigen offensteht?

Wir freuen uns darüber und sind sehr dankbar, dass das Bistum die gesamten Kosten für die Gotteslob-Bücher in den Kirchenräumen übernehmen wird. Das ist für die Pfarreien eine große Hilfe und ein Anreiz, das Buch in den Gemeinden einzuführen.

Und wer sich das neue Gotteslob selber kaufen will: Wo kann man es bestellen? Wie hoch wird der Ladenpreis sein?

Das neue Gotteslob wird nach dem Erscheinen der Kirchenausgabe in allen Buchhandlungen zu kaufen sein. Die Normalausgabe kostet 19,95 Euro, die Ausgabe in Großdruck 29,95 Euro.

Was passiert mit den alten Gotteslob-Büchern?

Die „Aktion Hoffnung“ in unserem Bistum hat uns zugesagt, die alten Bücher in einer großen Aktion einzusammeln und als Altpapier zu verkaufen. Der Erlös kommt Zwecken der „Aktion Hoffnung zugute. Der Termin für die Sammelaktion wird noch bekannt gegeben.