AEGIDIUS

Einsiedler, Abt, Nothelfer
Namensdeutung: der Schildhalter (griech.)
Namenstage: Aegidius, Egid, Egidio, Giles, Gilles, Gil, Gilg, Idzi
Gedenktag: 1. September

Lebensdaten: geboren um 650, gestorben um 720 in Saint-Gilles-du-Gard bei Nîmes

Lebensgeschichte und Legende: Aegidius, aus dem die Legenda aurea einen athenischen Prinzen gemacht hat, lebte viele Jahre als Einsiedler an der Rhône-Mündung, wo ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch versorgte. Als der westgotische König Flavius (oder Wamba) auf der Jagd einen Pfeil auf die Hirschkuh setzte, doch versehentlich den Einsiedler traf und ihn verbinden und entschädigen wollte, lehnte Aegidius ab: Tugend wachse durch Leiden, weswegen ihm die Wunde bis zum Lebensende blieb, und der König solle ein Kloster stiften. So entstand das Kloster Saint-Gilles-du-Gard, das Aegidius der Benediktsregel unterstellte und das er als heiligmäßiger und wunderwirkender Abt bis zu seinem Tod leitete. Eine Vita aus dem 10. Jahrhundert berichtet, dass Aegidius bei einer heiligen Messe für einen Frankenherrscher – später wurde „Karl der Große“ daraus – die Vergebung einer ungebeichteten Todsünde bewirkte, als ein Engel einen Beichtzettel auf den Altar legte, dessen Aufschrift nach und nach verschwand. In Rom soll ihm der Papst ein hölzernes Kirchenportal geschenkt haben, das Aegidius unter Gebeten in den Tiber warf und bei seiner Rückkehr im heimatlichen Hafen wiederfand.

Verehrung und Brauchtum: Der Aegidiuskult verbreitete sich mit zahlreichen Kirchen- und Klostergründungen über ganz Europa und mit den Kreuzzügen bis in den Libanon. Er gehört als einziger Nichtmärtyrer zu den 14 Nothelfern und wurde besonders in Pestzeiten angerufen. 1562 versiegte die Wallfahrt zu seinem Grab, nachdem seine Reliquien nach Toulouse verbracht worden waren, um sie vor den Hugenotten in Sicherheit zu bringen. Mit ihrer Wiederkehr in die Abtei Saint-Gilles-du-Gard 1862 setzte der Pilgerstrom wieder ein. Im Zusammenhang mit einer Wallfahrt steht auch das Gillamoos-Volksfest bei Abensberg. Im römischen Stadtteil Trastevere lebt seit 1968 die Gemeinschaft Sant’Egidio in der gleichnamigen Kirche.

Darstellung: als Einsiedler mit Pfeil und Hirschkuh

Patron: von Edinburgh, Graz, Klagenfurt, Nürnberg, Osnabrück, Sankt Gilgen, Braunschweig und Wollaberg, für eine gute Beichte, gegen die Pest, Aussatz und Krebs, der stillenden Mütter und der Hirten, der Bettler und Krüppel, bei Dürre, Sturm und Feuersbrunst, in geistiger Not und Verlassenheit, gegen Epilepsie, Geisteskrankheiten und Unfruchtbarkeit

 

Weitere Heilige des Tages:

Josua, Führer des Volkes Israel
Ruth, Ahnfrau Davids
Verena von Zurzach, Glaubensbotin