ANSELM VON CANTERBURY

Erzbischof, Kirchenlehrer
Namensdeutung: von Gott beschützt (germ.-althochdt.)
Namenstage: Anselm, Anselme, Anselmo, Anseaume, Anssi, Ansam, Selm
Gedenktag: 21. April

Lebensdaten: geboren um 1033 in Aosta, gestorben am 21. April 1109 in Canterbury

Lebensgeschichte: Anselm war das älteste Kind einer adeligen, ehemals sogar mächtigen Familie aus Burgund und der Lombardei. Seine kultivierte und tief religiöse Mutter ließ ihn von Benediktinern erziehen, doch als er mit 15 Jahren um die Aufnahme in den Orden bat, erwirkte sein Vater, der um seinen weltlichen Erben fürchtete, die Ablehnung seitens der Mönche. Nach einer religiösen Krise, die ihn schwer krank werden ließ, und besonders nach dem Tod der Mutter führte Anselm ein ausschweifendes Leben, entfremdete sich vollends dem Vater und zog in Begleitung eines Dieners über die Alpen nach Frankreich. Nach drei Jahren erreichte er die Benediktinerabtei von Bec in der Normandie, wo ihn der Prior und Lehrer Lanfrank tief beeindruckte. Anselm wurde sein bester Schüler und Assistent, trat als Novize dem Kloster bei und wurde mit 27 Jahren zum Priester geweiht. Drei Jahre später wurde Anselm selber zum Prior und zum Lehrer an der Klosterschule ernannt. Die anfängliche Gegnerschaft seiner älteren und bei dieser Besetzung übergangenen Mitbrüder überwand er durch eine so sorgfältige Amtsführung, dass sie ihn 1079 einstimmig zu ihrem Abt wählten.
Bis dahin hatte Anselm durch das Studium der Heiligen Schrift, nächtelanges Gebet und Meditation sowie durch die Arbeit an seiner Erziehungsmethode zwei seiner philosophisch-theologischen Hauptwerke geschaffen: das Monologion, in dem er den Zusammenhang der Glaubenswahrheiten mit der Vernunft nachweist, und das Proslogion mit dem Programm des Glaubens, der nach Vernunfterkenntnis sucht, wobei diese umgekehrt einen Ungläubigen auch zu überzeugen vermag. Im Proslogion findet sich auch der berühmte „Gottesbeweis“ Anselms: Man kann Gott als das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, die Wirklichkeit nicht absprechen, ohne dem Begriff Gottes und das heißt sich selber zu widersprechen. Dabei ist Anselm nicht als Rationalist misszuverstehen. Er wünschte nur, „einigermaßen Gottes Wahrheit zu begreifen, die mein Herz glaubt und liebt. Denn ich suche nicht zu begreifen, um zu glauben, sondern ich glaube, um zu begreifen.“ Weitere Werke begründeten Anselms Ruf, zogen Studenten – und Novizen – aus ganz Frankreich, England und anderen Ländern an und machten Bec zu einem der geistigen Zentren Europas.
Inzwischen war Lanfrank Erzbischof von Canterbury geworden und berief Anselm wieder zu seinem Helfer, und auch dort wurde er nach Lanfranks Tod zu dessen Nachfolger und 1093 zum Bischof geweiht. Im normannisch besetzten England bekämpfte die Kirche wie auf dem Kontinent den Anspruch der Herrscher, kirchliche Ämtereinsetzungen (Investituren) vorzunehmen sowie deren Einkünfte einzubehalten. Trotz der Auseinandersetzungen, die Anselm unter anderem ins Exil nach Frankreich und Italien führten, verfasste er zahlreiche weitere Werke – darunter besonders Cur Deus homo –Warum Gott Mensch wurde über die Menschwerdung und Kreuzigung Christi als Weg der Sühne für die Sünden der Welt – oder führte auf Synoden das Wort, wodurch er auch kirchen- und dogmengeschichtlich eine große Rolle spielt.
Endgültig konnte er erst 1107 auf seinen Bischofssitz in Canterbury zurückkehren, wo er zwei Jahre später am Mittwoch der Karwoche starb.

Verehrung: Anselm wurde in der Kathedrale von Canterbury bestattet, sein Grab wurde allerdings im von König Heinrich VIII. entfachten Klostersturm zerstört. Seine Heiligsprechung wurde besonders von seinem späteren Nachfolger Thomas Becket betrieben, der den gleichen Kampf um die Souveränität der Kirche und den Vorrang des Erzbistums Canterbury focht, und kam 1163 zum Abschluss. Papst Clemens XI. erhob Anselm 1720 zum Kirchenlehrer. Als Wegbereiter der gläubig-denkerischen Kunstwerke des Mittelalters wird er als Doctor Magnificus – glänzender Lehrer verehrt.

Darstellung: als Erzbischof oder Abt, mit Buch für Gelehrsamkeit oder Schiff für die Unabhängigkeit der Kirche

 

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Konrad von Parzham, Ordensmann