AUGUSTINUS VON CANTERBURY

Erzbischof, Glaubensbote
Namensdeutung: der Erhabene (lat.)
Namenstage: Augustinus, August, Agostino, Austin, Tino, Gusti, weibl.: Auguste, Augusta, Augustine, Stina
Gedenktag: 27. Mai

Lebensdaten: geboren um 530, gestorben am 26. Mai 604 in Canterbury

Lebensgeschichte: Augustinus war Prior des Andreasklosters, das Papst Gregor der Große auf dem römischen Haus seiner Familie gegründet hatte und ihm persönlich gehörte. 595 entsandte Gregor ihn mit 40 Mönchen und Gefährten zu König Æthelberht von Kent nach Südengland. Beda Venerabilis erzählt, Papst Gregor habe auf dem römischen Sklavenmarkt blonde Sachsen aus Britannien bemerkt und darauf beschlossen, sie zu missionieren. Vielmehr antwortete Gregor mit der Englandmission Augustins auf eine Einladung Æthelberhts. Dieser, wiewohl selber Heide, war mit der Merowingerin Bertha verheiratet, die aus der fränkischen Heimat einen Bischof mit nach Kent gebracht hatte. Die Franken teilten den Glauben Gregors und unterstützten den Kurs der römischen Kirche, während die Lombarden in Norditalien arianisch, das heißt antitrinitarisch glaubten und von Schottland und Irland aus der Einfluss des keltischen Christentums in Britannien zunahm. England bot sich als Chance.
Gregor hielt auf Augustinus große Stücke: Dieser lebte nach der Regel des heiligen Benedikt, die Gregor überliefert hat, war ein guter Verwalter des päpstlichen Eigenklosters und obendrein in den Augen Gregors, dieses Titanen der Schriftauslegung, „bibelkundig“. Der erste Missionsanlauf scheiterte jedoch kläglich: Kaum eine Tagesstrecke nach Beginn der Reise machten die Mönche halt und schickten Augustinus nach Rom zurück, um den Papst von dem Vorhaben abzubringen, das ihnen Angst machte. Gregor schrieb ihnen einen Ermutigungsbrief und schickte sie wiederum los. Sie reisten mit Unterstützung der fränkischen Könige und Bischöfe, die ihnen Dolmetscher und weitere Priester stellten, durch das heutige Frankreich – unterwegs soll Augustinus die Bischofsweihe erhalten haben – und kamen 597 in Canterbury an, wo ihnen die Martinskirche zugewiesen wurde. Am Pfingstsonntag desselben Jahres ließ sich König Æthelberht von Augustinus taufen, und in dessen Gefolge wurden Tausende seiner Männer Christen. Augustinus erbaute eine Abtei mit Klosterschule und organisierte eine Kirchenprovinz um Canterbury, der er ab 601 als Erzbischof vorstand. Diplomatisch ungeschickt, blieben seine missionarischen Erfolge aber auf Kent beschränkt. Kurz vor seinem Tod weihte er seinen Begleiter Laurentius zu seinem Nachfolger.

Verehrung: Augustinus, der „Apostel Englands“, wurde in der später nach ihm benannten Abtei St. Augustinus bestattet, die eine große Rolle bei der Kontinentalmission des 8. und 9. Jahrhundert spielte. Nach der normannischen Eroberung von 1066 wurde sein Kult aktiv betrieben und mit dem des Kirchenvaters Augustinus von Hippo verbunden. Sein Grab wurde 1538 während der englischen Reformation zerstört und erst 2012 in der St Augustine’s Church von Ramsgate wiederhergestellt. Dennoch blieb Canterbury das christliche Zentrum der englischen Kirche, und der jeweilige Erzbischof ist traditionell der Primas des Landes.

 

Weitere Heilige des Tages:
Bruno von Kärnten, Bischof
Gertrud von Schaffgotsch, Ordensgründerin
Margareta Pole, Märtyrin