GREGOR DER GROSSE

Papst, Kirchenvater
Namensdeutung: der Wachsame (griech.-lat.)
Namenstage: Gregor, Gregory, Greg, Greger, Grégoire, Gregorio, Grigur, Grigoli, Joris
Gedenktag: 3. September

Lebensdaten: geboren um 540 in Rom, gestorben am 12. März 604 ebendort

Lebensgeschichte, Legende und Bedeutung: Der rechtskundige Gregorius Anicius stammte aus einer römischen Patrizierfamilie, die bereits zwei Kaiser und zwei Päpste gestellt hatte, und wurde 572 Stadtpräfekt von Rom. 575 zog er sich aus der Verwaltung zurück, verwandelte sein Anwesen auf dem Monte Celio in ein Benediktinerkloster und gründete noch weitere Klöster auf seinen Besitztümern. 579 wurde er von Papst Pelagius an den Kaiserhof nach Konstantinopel gesandt, um dort die Belange Roms als Kirchensitz und verwahrloster Kaiserstadt zu vertreten. 585 nach Rom zurückgekehrt, diente Gregor von seinem Kloster aus als Berater des Papstes, bis dieser 590 an einer Pestepidemie verstarb und Gregor dessen Nachfolge antrat. Der eigentlich kränkliche Gregor entfaltete im italienischen Machtvakuum eine beeindruckende politische und kirchliche Aktivität. Er verhandelte eigenmächtig und auf Augenhöhe mit den Langobarden, die das Land beherrschten, organisierte die Verwaltung der Ländereien, die später den Kirchenstaat bilden sollten, wies die Machtansprüche Konstantinopels und Ravennas zurück und sorgte für den Schutz und die Versorgung der Bevölkerung. Der erste Mönch auf dem Papststuhl verstand sich als „Diener der Diener Gottes“ und baute doch wie kein Zweiter die Vormachtstellung des Petrusamtes aus. Es gelang ihm mit Hilfe katholischer Herrscher, die Langobarden und Westgoten vom Arianismus zu lösen, und 597 entsandte er Augustinus, den Abt seines Andreasklosters, mit 39 Mönchen zur erfolgreichen Missionierung der britischen Insel. Gregor, auf den die Biographie des heiligen Benedikt und die Überlieferung von dessen Regel zurückgehen, reformierte die Liturgie dauerhaft durch ein einheitliches Messbuch, gab dem Mönchtum auf Jahrhunderte sein Gepräge und sicherte sich mit zahlreichen Werken den Rang eines Kirchenvaters. Neben zwei großen Abhandlungen zur Schriftauslegung und moralischen Deutung der Bücher Hiob und Ezechiel sind über 100 Predigten und 800 Briefe von ihm erhalten, besonders wirkmächtig waren auch seine Pastoralregel und die Dialoge über das Leben und die Wundertaten der italischen Heiligen. Der römischen Bevölkerung war er als betender Wohltäter teuer. Als er während einer neuerlichen Pestepidemie eine Bittprozession abhalten ließ, erschien der Erzengel Michael auf der kaiserlichen Burg und steckte sein Schwert zurück in die Scheide. Damit war die Pest vorüber, und seitdem heißt die Burg „Engelsburg“.

Verehrung: Gregor wurde in der Peterskirche bestattet und trägt neben Leo I. als einziger Papst den Beinamen „der Große“. 1295 wurde der vielleicht meistverehrte Papst aller Zeiten formell heiliggesprochen. Sein Gedenktag, der immer in die Fastenzeit fiel, wurde im Zuge der Kalenderreform 1969 auf den Jahrestag seiner Papstweihe gelegt.

Darstellung: als Papst mit Tiara, Kreuz, Buch und Feder, Heilig-Geist-Taube oder bei der Befreiung Kaiser Trajans aus dem Fegefeuer

Patron: der Bergleute, der Musiker, des Choralgesangs, der Lehrer, Studenten, Gelehrten, des kirchlichen Schulwesens, der Maurer, Knopfmacher und als Helfer gegen Pest und Gicht