GREGOR VON NAREK

Mönch, Mystiker, Kirchenlehrer
Namensdeutung: der Wachsame (griech.)
Namenstage: Gregor, Gregory, Greg, Greger, Grégoire, Gregorio, Grigur, Grigoli, Joris
Gedenktag: 27. Februar

Lebensdaten: geboren vor 950 im armenischen Königreich Vaspurakan (heute Osttürkei), gestorben um 1010 im Kloster Narek am Vansee (Osttürkei)

Lebensgeschichte: Gregors Vater Chosrov war mit der königlichen Familie verwandt und wurde nach dem Tod seiner Frau Priester und später Bischof des Kantons Andzewancik. Dieser bedeutende Sammler und Kommentator der armenischen Liturgie wurde wegen seiner Hierarchiekritik und Sympathie für das Bekenntnis der byzantinischen Kirche abgesetzt. Zur Erziehung gab er Gregor und einen weiteren Sohn namens Johannes in die Obhut ihres Großonkels Ananias, der als umfassend gelehrter Gründungsabt von Narek sein Kloster zum intellektuellen und kulturellen Zentrum des Landes geformt hatte.

Ab 977 Mönchspriester, unterrichtete Gregor an der Klosterschule. Nach einer Überlieferung hätte er ein einsiedlerisches Leben in den Höhlen des Vansees geführt. Demgegenüber verraten die Werke des hochgelehrten Mönchs eine umfassende Kenntnis der griechischen Wissenschaften und der Zeitläufte. Offenbar mystisch begabt, verfasste er neben zahlreichen Liedern und Gebeten unter anderem einen Kommentar zum Hohenlied, ein theologisch bedeutsames Marienlob sowie einen theologischen Traktat zur Abwehr der damals einflussreichen manichäischen Sekte der Thondrakiten. Vermutlich stand Gregor wie schon sein Vater im Verdacht, dass er insgeheim an eine Gottesunmittelbarkeit glaubte, ohne einer kirchlich-sakramentalen Vermittlung zum Heil zu bedürfen.

Sein Hauptwerk, das „Buch der Klagen“, das die Armenier schlicht den „Narek“ nennen, entstand mit Schreibhilfe seines Bruders kurz vor seinem Tod und richtet sich in 10.000 poetischen und meditativen, sehr persönlich gehaltenen Versen bekenntnishaft an Gott, dessen Gnade und Barmherzigkeit die Annäherung des sich seiner Unwürdigkeit bewussten Dichters ermöglichen. In allen seinen Werken kommt Gregors Sehnsucht nach Verschmelzung mit dem göttlichen Wesen zum Ausdruck.

Verehrung: Gregor wurde im Kloster Narek bestattet, das 1915 im Zuge des türkischen Massakers an den Armeniern zerstört wurde. Gregors Nachruhm als Dichter bei den Armeniern ist unvergleichlich. So gut wie jeder Haushalt besitzt ein Exemplar des „Narek“ – übrigens auch der zweithäufigste armenische Jungenname. Papst Franziskus erhob Gregor von Narek bei den Feiern zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern am 12. April 2015 zum 36. Kirchenlehrer – dem zweiten orientalischen nach Ephräm dem Syrer und dem ersten, der zu Lebzeiten nicht in Gemeinschaft mit der Kirche von Rom stand.

  

Weitere Heilige des Tages:
Anne Heighame Line, Märtyrin
Gabriel Possenti, Ordensmann