HEINRICH SEUSE

Ordenspriester, Mystiker
Namensdeutung: der Hausherr (althochdt.)
Namenstage: Heinrich, Heinz, Heimo, Heiner, Henri, Henry, Henning, Hendrik, Enrico, Enrique, weibl.: Henrike, Henriette
Gedenktag: 23. Januar

Lebensdaten: geboren am 21. März 1297 am Bodensee, gestorben am 25. Januar 1366 in Ulm

Lebensgeschichte: Heinrich von Berg entstammte einer Konstanzer Patrizierfamilie. Um 1310 trat er ins Konstanzer Dominikanerkloster ein – auch seine Schwester wurde Dominikanerin – und führte fortan den Namen seiner Mutter Sus (Seuse, latinisiert Suso), die sein Kloster reich bedacht hatte. Heinrich wurde gründlich ausgebildet, erlitt jedoch mit 18 Jahren ein mystisches Erlebnis, das ihn 20 Jahre lang zu exzessiven Selbstzüchtigungen trieb.

Sein Theologiestudium vollendete er an der Kölner Ordenshochschule, wo Meister Eckhart sein verehrter Lehrer war. Zurück im Heimatkloster, trafen Heinrich Seuse die Folgen von Meister Eckharts Verurteilung wegen „übelklingender“ Aussagen (1329), und er durfte wegen des Vorwurfs der Häresie den Ordensnachwuchs nicht mehr unterrichten.

Zur Verteidigung Meister Eckharts verfasste Seuse das „Büchlein der Wahrheit“, eine theoretische Darlegung der Erfahrung der Nähe Gottes. Eine mehr praktische Anleitung zur mystischen Einung mit Gott entfaltete er im „Büchlein der ewigen Weisheit“, das Seuse später zur besseren Verbreitung auf Latein neu verfasste. Mit 40 Jahren erkannte er die Heilsnotwendigkeit einzig des Mit-Christus-Leidens und ließ von seinen Kasteiungen und vom einsiedlerischen Klosterleben ab.

1336 machte er die Bekanntschaft der Dominikanerin Elsbeth Stagel, die sich mit Fragen zu Meister Eckhart an ihn gewandt hatte. Mit ihr führte er eine tiefschürfende geistliche Freundschaft, die sich auch in seiner autobiographischen „Vita“ sowie in seinem veröffentlichten „Briefbüchlein“ niedergeschlagen hat. Ab 1348 lebte Seuse im Ulmer Dominikanerkonvent, von wo aus er zahlreiche seelsorgerliche Ausflüge an den Oberrhein und ins Elsass unternahm.

Kurz vor seinem Tod 1366 stellte er im sogenannten „Exemplar“ seine mystischen Schriften nochmals zusammen, um ihre Authentizität zu schützen.

Verehrung: Heinrich Seuse liegt in der Ulmer Predigerkirche begraben. Sein Werk beeinflusste die Erneuerungsbewegungen der „Devotio Moderna“ sowie der „Gottesfreunde“ und wurde rasch in Hunderten von Abschriften verbreitet. Es hat sich in der „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen genauso niedergeschlagen wie in den Werken Friedrich Spees und noch im Pietismus. Seit 1604 trägt das humanistische Gymnasium in Konstanz seinen Namen. 1831 wurde Heinrich Seuse von Papst Gregor XVI. seliggesprochen. Seit 1956 gibt es in Ulm die Kirche St. Maria Suso.

Darstellung: als Dominikaner, mit Rosen, einem eingeritzten IHS-Monogramm auf der Brust, mit Hund

 

Weitere Heilige des Tages:
Hartmut, Abt
Nikolaus Groß, Märtyrer