HILDEGARD VON BINGEN

Äbtissin, Mystikerin, Kirchenlehrerin
Namensdeutung: Kampf und Schutz (althochdt.-germ.)
Namenstage: Hildegard, Hilda, Hilde, Elda, Hilke
Gedenktag: 17. September

Lebensdaten: geboren im Sommer 1098 in Bermersheim, gestorben am 17. September 1179 auf dem Rupertsberg bei Bingen

Lebensgeschichte: Hildegard war das zehnte Kind einer edelfreien rheinfränkischen Familie und kam mit acht Jahren in die Obhut der mit ihr verwandten, 16jährigen Reklusin Jutta von Sponheim. Mit ihr und einer weiteren jungen Frau wurde sie 1112 beim Benediktinerkloster Disibodenberg in eine Klause geschlossen, zu der weitere Frauen stießen, bis daraus eine eigene Gemeinschaft entstand, die Hildegard ab 1136 und trotz ihres kränklichen Naturells als Meisterin führte. Ab 1141 wurden Hildegards Visionen, die sie schon als Kind hatte, „unwiderstehlich stark“, und sie begann, diese sowie ihre medizinischen Erkenntnisse aufzeichnen zu lassen. Gleichzeitig mit der Entfaltung ihres theologischen, prophetischen, dichterischen und naturkundlichen Talents wurde sie zu einer vielgefragten Ratgeberin, an die sich immer höher gestellte Persönlichkeiten wandten. 1151 zog sie mit 18 Schwestern auf den Rupertsberg bei Bingen, wo sie ein eigenes Kloster gründete. Von dort aus unternahm sie mit päpstlicher Genehmigung regelrechte Predigtreisen, die ihr die Beinamen „Prophetissa teutonica – deutsche Prophetin“, „Rheinische Sibylle“ und „Posaune Gottes“ einbrachten. Hildegard redete dem verweltlichten Klerus ins Gewissen und mahnte auch Kaiser Friedrich Barbarossa wegen dessen Unterstützung eines Gegenpapstes. 1165 gründete sie wegen der Überfüllung des Rupertsberger Klosters eine neue Niederlassung in Eibingen bei Rüdesheim und öffnete dieses Haus auch für nichtadelige Frauen. Ihre letzten Lebensjahre waren von einem Streit mit dem Erzbischof von Mainz überschattet, der über das Kloster Rupertsberg das Interdikt verhängt hatte, nachdem Hildegard einen exkommunizierten Edelmann begraben hatte und sich weigerte, seinen Leichnam auf den Schandanger werfen zu lassen.

Verehrung: Hildegards Leichnam kam nach der Zerstörung des Rupertsbergs im Dreißigjährigen Krieg nach Eibingen, wo seit 1904 wieder Benediktinerinnen leben. Ihre Heiligsprechung wurde gleich nach ihrem Tod betrieben, scheiterte aber am Kompetenzgerangel zwischen Rom und Mainz und kam formal nie zum Abschluss. Im Mai 2012 ordnete Papst Benedikt XVI. die Aufnahme der großen Mystikerin in den Heiligenkalender der Kirche an und erhob sie im Oktober 2012 zur Kirchenlehrerin.

Darstellung: als Äbtissin mit Buch und Schreibfeder, diktierend oder Almosen verteilend

Patronin: der Sprachforscher, Naturwissenschaftler und Esperantisten

 

Weitere Heilige des Tages:

Anton Maria Schwartz, Priester, Ordensgründer
Robert Bellarmin, Ordenspriester, Bischof, Kirchenlehrer