JOHANNES CHRYSOSTOMUS

Patriarch, Kirchenlehrer
Namensdeutung: Gott ist gnädig (hebr.)
Namenstage: Johannes, Jan, Janis, Juan, Jean, John, Giovanni, Hans, Hannes, Johann, Yannik, weibl.: Johanna, Juana, Jeanne, Jean, Giovanna
Gedenktag: 13. September

Lebensdaten: geboren 347 in Antiochien (heute Antakya, Türkei), gestorben am 14. September 407 in Komana Pontika (beim heutigen Tokat, Türkei)

Lebensgeschichte: Johannes war der Sohn eines hohen Offiziers, der gleich nach seiner Geburt starb. Seine einflussreiche Mutter namens Anthusa gab ihn in die Schule des bedeutenden Rhetors Libanios. Johannes wurde der Meisterschüler dieses nichtchristlichen Gelehrten, schloss sich jedoch dem Theologen Diodor von Tarsus an, empfing 369 die Taufe und wurde 373 als Lektor in den antiochenischen Klerus aufgenommen. Nach vier Jahren in einem Kloster und zwei Jahren Eremitenleben konnte er die Heilige Schrift auswendig, hatte sich aber durch Fasten und Schlafentzug die Gesundheit so nachhaltig ruiniert, dass er nach Antiochia zurückkehren musste. Dort wurde er 381 zum Diakon und fünf Jahre später zum Priester geweiht.

Aus seiner Zeit als Prediger an der Bischofskirche stammen die meisten seiner bald berühmten Ansprachen, die gleich stenographisch festgehalten wurden. Johannes fesselte seine Zuhörer besonders mit Gelegenheitspredigten zu bestimmten Stadtereignissen, die er mit gelungenen Metaphern und religiösen Bezügen versah. Legendär waren seine zündenden Katechesen für Taufbewerber sowie seine zupackende Auslegung biblischer Bücher. Acht Homilien richteten sich „Gegen die Juden“, offenbar, weil diese an ihren hohen Feiertagen Synagogenbesuch von zahlreichen Christinnen bekamen. Für die Nachwelt war die Wirkung dieser Homilien über ihren eigentlichen Anlass hinaus jedoch verheerend.

397 wurde Johannes vom Eunuchen Eutropios, dem obersten Kammerherrn des Kaisers Arcadius, zum Patriarchen von Konstantinopel ernannt. Dort wirkte er segensreich in Seelsorge, Caritas und Mission, fiel aber den Intrigen der Reichshauptstadt und dem Streit der theologischen Schulen bzw. der Rivalität mit Alexandrien zum Opfer. Als sich die Kaiserin Eudokia von seinen Predigten gegen das Luxusleben der Vornehmen persönlich angegriffen fühlte, sorgte sie bei der eigens einberufenen, sogenannten „Eichensynode“ 403 für seine Absetzung und Verbannung.

Weil eine Fehlgeburt der Kaiserin und ein Erdbeben als göttliche Sanktionen gedeutet wurden, durfte Patriarch Johannes zwar gleich wieder nach Konstantinopel zurückkehren, wurde aber zwei Monate später endgültig verbannt und an die äußerste Ostgrenze des Reichs verbracht. Durch zahlreiche Briefe an seine Anhänger blieb er jedoch so einflussreich, dass er nach drei Jahren noch weiter weg verbannt wurde. Auf dem Marsch zu seinem neuen Exil am Schwarzen Meer verstarb er an Erschöpfung.

Verehrung: Patriarch Johannes wurde in Komana Pontika bestattet und 30 Jahre später feierlich nach Konstantinopel umgebettet. Kreuzfahrer entwendeten 1204 seine Reliquien aus der Apostelkirche und verbrachten sie nach Rom. Papst Johannes Paul II. gab sie 2004 an die orthodoxe Kirche zurück. Seither liegen sie in der Istanbuler Georgskathedrale. Sein Schädel entging dem Raub und kam 1655 vom Berg Athos nach Moskau, wo er heute in der Christ-Erlöser-Kathedrale liegt.

Johannes, dessen Beiname „Chrysostomus – Goldmund“ zum ersten Mal 553 in der „Verfassung“ Papst Vigilius’ auftaucht, wird mit Basilius dem Großen und Gregor von Nazianz als Hierach der Orthodoxie verehrt. Auch die Göttliche Liturgie trägt seinen Namen. Die Westkirche verehrt ihn als einen der vier Kirchenväter des Ostens.

Darstellung: als Erzbischof mit Evangeliar oder Schriftrolle, mit Bienenkorb, Engel, Taube, Pfanne oder Kelch

Patron: der Beter, Prediger und Redner bzw. Dozenten, gegen Epilepsie

  

Weitere Heilige des Tages:
Notburga, Dienstmagd
Tobias, Sohn des Tobit