JOHN HENRY NEWMAN

Ordenspriester
Namensdeutung: Gott ist gnädig (hebr.) – der Hausherr (althochdt.)
Namenstage: John, Johannes, Johann, Jan, Jean, Janis, Hannes, Hans, Yannik, weibl.: Johanna, Jeanne – Henry, Heinrich, Heinz, Heimo, Heiner, Henri, Henning, Hendrik, Enrico, Enrique, weibl.: Henrike, Henriette
Gedenktag: 9. Oktober

Lebensdaten: geboren in London am 21. Februar 1801, gestorben am 11. August 1890 in Edgbaston, Birmingham

Lebensgeschichte: Der Bankierssohn John Henry wuchs in der calvinistischen Tradition („Low Church“) der Kirche von England auf, hatte bereits als Kind die Bibel gründlich gelesen und fand mit 15 Jahren durch einen evangelikalen Lehrer zu einer festen Glaubensgewissheit sowie zur Liebe zur klassischen Antike. Nach dem Universitätsabschluss in Oxford und einigen Jahren als Tutor wurde er 1825 zum Priester der anglikanischen Kirche ordiniert und bald darauf zum Pfarrer der Oxforder Universitätskirche bestellt. Newman, der inzwischen seine evangelikalen Überzeugungen aufgegeben hatte, weil undogmatischer religiöser Individualismus die Rolle der Kirche bei der Weitergabe des geoffenbarten Glaubens verkennt und missachtet und häufig zu Subjektivismus und sogar zu Skeptizismus führt, wurde zu einem Hauptvertreter der „Oxford-Bewegung“ mit dem Ziel, der anglikanischen Kirche wieder die frühchristliche Spiritualität und sakramentale Praxis einzupflanzen („High Church“). Newmans veröffentlichte Predigtreihen zu diesem Thema sowie zur anglikanischen Kirche als Mittelweg („Via media“) zwischen Protestantismus und Katholizismus machten ihn landesweit berühmt – und bei der Hierarchie verdächtig. 1842 zog sich Newman aus dem öffentlichen Leben zurück und konvertierte nach drei Jahren ausgiebiger Studien besonders der altkirchlichen Kirchenväter zur katholischen Kirche, was im damaligen England mit gesellschaftlicher Ächtung einherging. Wiederum ein Jahr später reiste er nach Rom, wo er 1847 zum Priester geweiht wurde und sich der Kongregation der Oratorianer anschloss. Zurück in England, siedelte er Ordensniederlassungen an und wurde, nachdem 1850 die katholische Hierarchie wieder offiziell im Land zugelassen war, durch intellektuelle und stilistische Brillanz zu einem der bekanntesten Gesichter der Kirche in England – sehr zum Missvergnügen einiger Würdenträger, die seine geistige Unabhängigkeit fürchteten und Newman in Rom anschwärzten, und auch zum Verdruss protestantischer Polemiker, die ihn als Verräter, Irrlicht und Fanatiker zu verleumden suchten. Newman arbeitete unermüdlich in Wort und Schrift an der Hebung sowohl des Glaubenswissens als auch des Selbstbewusstseins katholischer Laien – häufig handelte es sich um irische Arbeiter, die im Viktorianischen Zeitalter nicht viel galten. Entlang seiner weiteren Lebensstationen, etwa als Gründungsrektor der katholischen Universität Dublin, und als Reaktion auf persönliche Angriffe oder theologische Probleme entstanden Werke, die ihm weithin, das heißt unter Katholiken wie Protestanten, Anerkennung einbrachten und seinen Ruf als Klassiker zu Lebzeiten begründeten. 1878 kehrte er als Ehrenfellow nach Oxford zurück, und 1879 erhob ihn Papst Leo XIII. zum Kardinal. Ab 1886 schwächte sich seine Gesundheit ab. 1890 verstarb er über Nacht an einer Lungenentzündung im Oratorium von Edgbaston, das er gegründet hatte.

Verehrung: Das 1958 eingeleitete Seligsprechungsverfahren kam 2010 anlässlich der Englandreise Papst Benedikts XVI. zu ihrem feierlichen Abschluss. Seine Heiligsprechung fand am 13. Oktober 2019 durch Papst Franziskus statt.

 

Weitere Heilige des Tages:

Abraham und Sarah, Stammeltern des Volkes Israel
Dionysius von Paris, Glaubensbote, Bischof, Märtyrer
Emanuela Theresia von Bayern, Ordensfrau
Johannes Leonardi, Priester, Ordensgründer
Gunther von Niederaltaich, Laienbruder, Einsiedler