JULIANA VON LÜTTICH

Ordensfrau, Mystikerin
Namensdeutung: aus dem Geschlecht der Julier (lat.)
Namenstage: Juliana, Julie, Juliette, Julienne, Liane, Giuliana, Gilian, männl.: Julian, Julius, Jules
Gedenktag: 5. April

Lebensdaten: geboren am 13. November 1193 in Retinne bei Lüttich, Belgien, gestorben am 5. April 1258 in Fosses-la-Ville bei Namur, Belgien

Lebensgeschichte: Julienne war aus einer wohlhabenden Bauernfamilie und wurde nach dem Tod ihrer Eltern als Fünfjährige in die Obhut des Konvents der Augustinerinnen des Mont Cornillon oberhalb von Lüttich gegeben. Mit 14 Jahren wurde sie dort als Ordensschwester aufgenommen und erhielt eine gediegene Bildung. Sie las die Kirchenväter wie den heiligen Augustinus im lateinischen Original und konnte die Predigten des heiligen Bernhard von Clairvaux über das Hohelied auswendig aufsagen.

Ab 1209 hatte Julienne, die die heilige Eucharistie besonders verehrte, häufige mystische Schauungen wie die eines leuchtenden Mondes, den ein dunkles Band in zwei Hälften teilte. Christus selbst, heißt es in ihrer Vita, offenbarte ihr den Sinn der Vision: Der schwarze Streifen bezeichne ein fehlendes liturgisches Fest der Eucharistie, für dessen Einführung Julienne sich einsetzen solle. Etwa hundert Jahre zuvor war im sogenannten Abendmahlsstreit die reale Gegenwart Christi im Sakrament des Altares unterstrichen worden, und seit 1200 begann sich die rituelle Elevation der konsekrierten Hostie bei der Messfeier durchzusetzen.

1222 wurde sie Priorin des Augustinerinnenklosters, was sie in die gesellschaftliche Lage versetzte, einflussreiche Menschen wie den Fürstbischof von Lüttich und besonders den Erzdiakon Jacques Pantaléon von Troyes, den künftigen Papst Urban IV., für ihren Auftrag zu gewinnen. Juliana schuf selbst das Offizium des künftigen Fronleichnamsfestes, das 1246 zum ersten Mal in Lüttich gefeiert wurde.

Die Bürger von Lüttich allerdings wandten sich gegen die Einführung eines neuen Festes, weil sie der Bevölkerung keinen Feiertag gönnten. Weil zudem einige Geistliche die mit einem Fest verbundenen Kosten scheuten und überdies Schwestern über die Strenge ihrer Priorin klagten, wuchs die Opposition gegen Juliana, die mit einigen Gefährtinnen den Konvent verlassen musste und sich in der Zisterzienserinnenabtei Val-St-Georges von Salzinnes niederließ – außerhalb des Fürstbistums Lüttich. Sie starb am 5. April 1258 und wurde in der Zisterzienserabtei von Villers-la-Ville bestattet.

Verehrung: Juliana wird besonders im Zisterzienserorden verehrt, der mit dem Bistum Lüttich den 1869 lokal eingeführten Gedenktag am 7. August begeht.

Darstellung: mit Monstranz oder mit unvollständigem Mond

 

Weitere Heilige des Tages:
Crescentia Höß, Oberin, Mystikerin
Katharina Tomás, Mystikerin
Vinzenz Ferrer, Ordenspriester, Volksprediger