LEO IX.

Papst
Namensdeutung: der Löwe (lat.)
Namenstage: Leo, Leon, Leonas, Leonid, Lionel, Lew, weibl.: Leonie, Leonore
Gedenktag: 19. April

Lebensdaten: geboren am 21. Juni 1002 in Egisheim (Elsass), gestorben am 19. März 1054 in Rom

Lebensgeschichte: Bruno stammte aus einem elsässischen Grafengeschlecht mit verwandtschaftlichen Beziehungen zu den salischen Kaisern. Mit fünf Jahren wurde er Bischof Berthold von Toul zur Erziehung übergeben, an der Kathedralschule umfassend ausgebildet und als junger Kleriker ins Domkapitel aufgenommen. König Konrad II. berief ihn in seine Hofkapelle und bestimmte ihn 1027 selber zum Bischof von Toul. In Lothringen wirkte Bruno segensreich durch die Ausbreitung der klösterlichen Reformbewegungen von Cluny und Gorze, denen er durch seinen persönlich bedürfnislosen Lebensstil zur Wirkung verhalf. Politisch und militärisch war er ein verlässlicher bis entscheidender Verbündeter der salischen Herrscher.

Kaiser Heinrich III. setzte den erfolgreichen Bischof 1049 als dritten deutschen Papst in Italien durch, wobei Bruno die Amtsannahme vom Klerus und Volk von Rom abhängig machte. Nach seiner Wahl durch Akklamation legte er sich den Namen Leo nach Papst Leo dem Großen zu. Mit Hilfe einiger Mitarbeiter wie Hildebrand, den späteren Papst Gregor VII., Friedrich von Lothringen, den späteren Papst Stephan IX., und Humbert von Silva Candida krempelte er seine Verwaltung nach kaiserlichem Vorbild um und wandelte das Kardinalskollegium von einem bedeutungslosen städtischen zu einem gesamtkirchlich verantwortlichen Gremium um.

In seinem nur fünfjährigen Pontifikat hielt Papst Leo zwölf Synoden ab, einige davon außerhalb von Rom während seiner ausgedehnten Reisen durch Italien, Frankreich und Deutschland, während der er auch mit etwa 160 Urkunden Klöster mit Privilegien gegen die ortsbischöfliche Autorität ausstattete. Neben der Überwindung des üblichen Ämterkaufs (Simonie) und der Priesterehen erreichte er mit seinem Regierungsstil einen immensen Autoritätsgewinn für das Papstamt als solches und leitete so die Kirchenreform des 11. Jahrhunderts ein. Den sich abzeichnenden Kampf gegen die herrscherlichen Laienrechte (Investiturstreit) würden seine Nachfolger ausfechten.

Die territorialen Machtansprüche des Heiligen Stuhls waren in Süditalien gegen die Normannen nicht durchzusetzen, und als Papst Leo Kardinal Humbert von Silva Candida nach Byzanz entsandte, um ein Bündnis mit dem oströmischen Kaiser zu schmieden und die kirchliche Einheit wiederherzustellen, gelangte auch das gesteigerte römische Selbstbewusstsein an seine Grenze. Sein Legat geriet mit dem Patriarchen von Konstantinopel über liturgische und dogmatische Fragen in einen solchen Streit, dass die diplomatische Mission mit gegenseitigen Bannbullen endete und das Morgenländische Schisma, die jahrhundertelange kirchliche Entfremdung von Ost und West, entstand.

Von der Bannbulle in seinem Namen erfuhr Papst Leo nicht mehr. Er war nach einer vernichtenden Niederlage gegen die Normannen in monatelange Gefangenschaft geraten und im Anschluss an der Malaria verstorben.

Verehrung: Leo IX. wurde in der Peterskirche bestattet und blieb als mild- und wundertätig in volkstümlicher Erinnerung. Einer Legende nach hätte er einem aussätzigen Bettler sein eigenes Bett überlassen.

Darstellung: mit dreibalkigem Papstkreuz, mit einem Aussätzigen

Patron: der Musiker und Organisten

 

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