MARTIN VON TOURS

Bischof
Namensdeutung: Kleiner Mars (lat.)
Namenstage: Martin, Martinus, Marten, Marty, Merten, Morten, weibl.: Martina, Martine, Tina, Tine
Gedenktag: 11. November

Lebensdaten: geboren 316 in Savaria, heute Szombathely, gestorben am 8. November 397 in Candes

Lebensgeschichte und Legende: Martinus kam als Sohn eines römischen Militärtribuns in der Provinz Pannonien, dem heutigen Ungarn, zur Welt. Er wuchs in der Vaterstadt Pavia auf, wo er als Zehnjähriger um Aufnahme unter die Taufbewerber bat. Als Offizierssohn zu 25 Jahren Militärdienst verpflichtet, wurde er mit 15 Jahren Reitersoldat, machte als Offizier Karriere und diente als Gardesoldat des Kaisers in Gallien. 351 wurde er kurz vor Ablauf seiner Dienstzeit von Bischof Hilarius von Poitiers getauft. In diese Zeit fällt auch die berühmte Begegnung mit dem Bettler am Stadttor von Amiens, dem Martin die Hälfte seines Mantels überließ – die andere Hälfte gehörte nicht ihm, sondern dem Römischen Reich. Nachts erhielt er den halben Mantel von Christus zurück. Nach seinem Abschied 356 wurde Martin Schüler von Hilarius, empfing eine Beauftragung für den geistlichen Dienst und soll im heimatlichen Pannonien seine Mutter getauft haben. Etwas gesicherter sind sein Aufenthalt in einer Einsiedelei bei Genua sowie die Entstehung des ersten Klosters des Westens aus seiner Zelle in Ligugé (bei Poitiers) im Jahr 361. Als die Bewohner von Tours 371 einen neuen Bischof suchten, fiel ihre Wahl auf Martin, der sich dem Volkswillen durch Flucht entziehen wollte, jedoch von schnatternden Gänsen in seinem Versteck verraten wurde. Überliefert ist das Unbehagen der gallischen Bischöfe über das Erscheinungsbild ihres neuen Mitbruders, den Jahrzehnte der Askese und Misshandlungen von Seiten der Arianer gezeichnet hatten. Martin behielt seine einsiedlerischen Gewohnheiten bei und übte sein Bischofsamt als Missionar aus. Mit seinen Ansätzen bei der Gründung des Klosters Marmoutier 375 hat er die Regel des heiligen Benedikt später maßgeblich beeinflusst. Im November 397 wurde er nach Candes gerufen, um einen Streit zu schlichten. Dort starb er und wurde loireaufwärts nach Tours zurückgebracht, wo er er am 11. November bestattet wurde.

Verehrung und Brauchtum: Martin, der erste kanonisierte Nichtmärtyrer, ruht in der gleichnamigen Basilika in Tours. Vom unübersehbaren Brauchtum haben sich nur die Martinsumzüge erhalten (mit den Laternen ursprünglich vielleicht ein Namenstagsbrauch für Martin Luther) und die Gänse, die ihren Verrat bis heute büßen. Martins Mantel, die Capa, ging den Franken in der Schlacht voran. Ältere Martinskirchen sind daher auch ein untrügliches Zeichen für eine fränkische Gründung. Vom Aufbewahrungsort dieser Capa leiten sich (Musik-) Kapelle und Kaplan ab.

Darstellung: bei der Mantelteilung, seltener als Bischof mit einer Gans

Patron: von Frankreich und Ungarn, des Burgenlands, des Kantons Schwyz, der Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Mainz, von Tours, der Kavalleristen, Pferde, Hufschmiede, Bürstenbinder und vieler weiterer Berufe, der Armen, Gefangenen, Abstinenzler, Helfer gegen Ausschlag, Schlangenbiss und für das Gedeihen der Felder

 

Weitere Heilige des Tages:

Eugen Bossilkov, Ordenspriester, Bischof, Märtyrer, und Gefährten
Heinrich von Heisterbach, Abt