MATT TALBOT

Drittordensbruder
Namensdeutung: von Matthäus: Gottesgeschenk (hebr.-griech.)
Namenstage: Matt, Matthew, Matthäus, Matteo, Matthieu, Mateus, Matta
Gedenktag: 19. Juni

Lebensdaten: geboren am 2. Mai 1856 in Dublin, gestorben am 7. Juni 1925 ebendort

Lebensgeschichte: Matt Talbot war das zweitälteste von zwölf Kindern einer armen Familie, verdingte sich nach einem rudimentären Schulbesuch bei Wein- und Whiskeyhändlern und war bereits mit 13 Jahren dem Alkohol völlig verfallen. Er trieb sich in Pubs herum, versoff seinen Lohn und häufte Schulden auf Schulden, so dass er seine Kleider und Stiefel verpfänden musste, um weitertrinken zu können. Er sank so tief, einem Straßenmusiker die Fiedel zu stehlen und zu versetzen, und fand sich eines Abends des Jahres 1884 selbst von seinen Saufkumpanen verachtet in der Gosse sitzend wieder. Talbot entschloss sich, „das Gelübde abzulegen“, wie man in Irland sagte, wenn man das Trinken sein lassen wollte, und eilte dafür in eine Kirche, wo ein erfahrener Geistlicher ihm nach der Beichte riet, sein Versprechen erst einmal für drei Monate abzulegen.

Nach diesen drei Monaten legte Talbot sein Versprechen für sechs Monate ab, dann auf Lebenszeit. Nach 16 Jahren exzessiven Trinkens war Talbot in einem jämmerlichen Zustand und hatte dementsprechend starke Entzugserscheinungen, so dass er sich Tag für Tag quälen musste, um sein Gelübde einzuhalten. Er lenkte sich mit ausgedehnten Spaziergängen fernab der lockenden Spelunken ab, entdeckte Rast und Ruhe in Kirchen, wo er anfing, täglich die heilige Messe zu besuchen und religiöse Schriften zu lesen. Er fand Anstellung bei einer Baufirma auf den Docks, wo er die härtesten Arbeiten übernahm und sich durch Uneigennützigkeit und Hilfsbereitschaft die Achtung seiner Kollegen und Vorgesetzten erwarb; gewissenhaft zahlte er seine Schulden zurück.

Talbot ahmte unter der Anleitung eines geistlichen Professors das Leben irischer Mönche des 6. Jahrhunderts nach und verbrachte seine gesamte freie Zeit mit Gebet, Fasten und religiöser Lektüre. 1890 trat er dem franziskanischen Dritten Orden sowie einigen frommen Vereinigungen bei. Er schlief auf einem Brett mit einem Holzscheit als Kopfkissen, stand mitten in der Nacht auf, um zum Gebet mit ausgestreckten Armen niederzuknien (das keltische Croisfhighill), und ging jeden Tag vor der Arbeit in die heilige Messe – sonntags besuchte er mehrere. Am 7. Juni 1925, dem Dreifaltigkeitssonntag, brach er auf dem Weg zu seiner dritten Messe des Tages auf offener Straße zusammen und starb an Herzversagen. Als man ihn untersuchte, fand man um seinen Leib und seine Gliedmaßen Ketten gebunden, die er nicht nur zur Buße trug, sondern auch zum Ausdruck dafür, dass er sich als Sklave Gottes und der Jungfrau Maria betrachtete.

Verehrung: 1931 eröffnete der Dubliner Erzbischof eine Untersuchung, um die einsetzenden Forderungen nach seiner Heiligsprechung zu überprüfen. Der Seligsprechungsprozess wurde 1947 eingeleitet. 1972 wurde sein Grab in die Kirche Unserer Lieben Frau von Lourdes in dem Dubliner Stadtteil übertragen, wo Talbot sein Leben verbracht hatte. 1975 erklärte ihn Papst Paul VI. zum Ehrwürdigen Diener Gottes. 1978 wurde im Dubliner Stadtzentrum die Talbot Memorial Bridge über der Liffey eröffnet. An ihrem Südende steht seit 1988 ein Denkmal Talbots.

Bei nordamerikanischen Katholiken, die beruflich oder als Betroffene mit Alkoholmissbrauch zu tun haben, ist die Verehrung Talbots sehr verbreitet. In den USA tragen einige Einrichtungen der Suchtberatung und -hilfe seinen Namen. Im australischen Sydney versorgt das 1938 gegründete Matthew Talbot Hostel täglich 600 obdachlose Männer mit einer warmen Mahlzeit.

Patron: der Trinker und Suchtkranken

 

Weitere Heilige des Tages:
Gervasius und Protasius, Märtyrer
Juliana Falconieri, Ordensgründerin
Rasso von Andechs, Laienbruder
Romuald, Abt, Ordensgründer