PAULINUS VON NOLA

Bischof
Namensdeutung: der Kleine, der Jüngere (lat.)
Namenstage: Paulinus, Paulin, Paolino; weibl.: Pauline, Paulina, Paolina, Paulita, Paulinchen
Gedenktag: 22. Juni

Lebensdaten: geboren um 352 bei Bordeaux, gestorben am 22. Juni 431 in Nola bei Neapel

Lebensgeschichte: Pontius Meropius Anicius Paulinus war aus senatorischem Geschlecht mit ausgedehnten Besitzungen in Aquitanien, Katalonien und Kampanien. Sein Lehrer in Burdigala, dem heutigen Bordeaux, war der Rhetor, Dichter und spätere Kaisererzieher Ausonius, dessen Aufstieg zu konsularischen Ehren Paulinus wohl auch die eigene Karriere verdankte: 377 ernannte ihn Kaiser Gratian zum Vizekonsul und Statthalter der Provinz Kampanien mit Sitz in Nola. Dort baute er die Straße für die Wallfahrer zum Grab des Märtyrerbischofs Felix aus und errichtete ein Pilgerhospiz beim Heiligtum von Cimitile.

383 endete seine Karriere mit der Ermordung Gratians. Paulinus kehrte über Mailand, wo er Bischof Ambrosius begegnete, nach Bordeaux zurück, wo er sich mit der katalanischen adligen Christin Therasia vermählte und von Bischof Delphinus die Taufe empfing. Sein väterlicher Freund Ausonius bezichtigte ihn deswegen des „Verrats“, und Paulinus wurde des Brudermords angeklagt – vielleicht, um in Besitz seines Vermögens zu kommen. Die Eheleute zogen sich zuerst über die Pyrenäen und nach dem Tod ihres Kindes gänzlich aus der Welt zurück und führten ein Leben nach monastischem Modell. Paulinus hatte die poetischen Ideale Ausonius’ ganz und gar nicht verraten, sondern nahm mit seinen Carmina (Liedern) ein umfangreiches dichterisches Werk unter christlichen Vorzeichen in Angriff. Daneben unterhielt er einen umfangreichen Briefwechsel mit Martin von Tours, Hieronymus, Ambrosius, Augustinus, Sulpicius Severus und vielen anderen Persönlichkeiten.

Am Weihnachtstag 394 weihte ihn Bischof Lampius von Barcelona zum Priester – der Anekdote nach wie Augustinus eher widerstrebend und von einer Menschenmenge zu diesem Amt gedrängt. 395 zog Paulinus mit seiner Frau nach Nola, wo seine Bekehrung begonnen hatte, und verfasste fortan jedes Jahr ein Gedicht zu Ehren des heiligen Felix. Einen Großteil seines Vermögens widmete er der Erweiterung und Ausgestaltung des Heiligtums seines Schutzpatrons.

Bald nach dem Tod seiner Frau um das Jahr 410 wählten ihn die Nolaner zu ihrem Bischof, für die er bis zu seinem Tod im Jahre 431 segensreich wirkte.

Verehrung und Brauchtum: Die Reliquien Paulinus’, der mit Prudentius als größter christlicher Dichter der Spätantike gilt, wurden im Zuge von Auseinandersetzungen mit Byzanz im 8. Jahrhundert nach Rom verbracht und ruhten seit dem 11. Jahrhundert in der Basilika di San Bartolomeo all’Isola, wo sie als die des heiligen Bartholomäus galten. 1909 wurden sie dem neuerbauten Dom von Nola zurückgegeben. In Nola und in Brooklyn, wo viele Auswandererfamilien aus Kampanien leben, finden zu seinem Gedenktag achttägige „Feste der Lilien“ mit haushohen Pappmaché-Statuen der Berufsgruppen statt.

Darstellung: als Bischof, mit Glocken, die er der Legende nach dem christlichen Gebrauch zugeführt haben soll

Patron: der Glockengießer und Glöckner, Mitpatron von Nola und der Diözese und der Stadt Senigallia

 

Weitere Heilige des Tages:
John Fisher, Bischof, Märtyrer
Albin von Rom, Märtyrer
Thomas Morus, Märtyrer